42 Stunden sind lang

Mobilität ist eine der größten Errungenschaften der Menschheit im letzten Jahrhundert. Für mich ist es ein Segen, denn ich wirke gerne auf unterschiedlichen Kontinenten. Als Kind träumte ich in einem Flugzeug sitzen zu dürfen. Ich lag in meinem Bett in Santiago de Chile und stellte mir die deutsche Heimat meines Vaters vor. Ich wußte, dass eine Passage nach Deutschland für meine Familie unbezahlbar war, denn dafür konnte man sich ein gebrauchtes Auto kaufen. Ich sah oft die Boing 707 in unterschiedlichen Destinationen abfliegen – Europa, USA, Australien, Neuseeland – und träumte. Mein erster Flug war traumatisierend, den die 707 brachte mich mit 15 Jahren zu einem neuen Lebensabschnitt in eine neue Welt, fernab von meiner Heimat Chile. Es dauerte viele Jahre bis ich wieder Chile besuchen durfte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Heutzutage reise ich viel und oft. Ich erlebe dabei eine Menge, denn die Mobilität hat so seine Tücken. Verspätungen, Gepäckverlust, Flugstreichnungen… ganz ehrlich, der pure Stress. Unsere letzte Reise hat aber alles übertroffen. Von Venedig nach Minneapolis mit zweimal einmal Umsteigen, nämlich in London und Chicago. Eine einfache Übung, denn meine Traumfrau ist sehr geübt schnelle Verbindungen auszusuchen. Wir sollten die Reise in ca. 13 Stunden hinbekommen, so die Theorie. Etwas knifflig war London, da wir in London City landen und somit nach London Heathrow zum Weiterflug gelangen mussten. Traumfrau hat einen Transfer organisiert, der angeblich maximal 1:15 Stunden dauern sollte. Ken Problem, denn wir hatten dafür gut 2:05 Zeit. Als wir in London landeten, war der Fahrer bereits da und wartete. Der Knallkopf fuhr aber nicht über die Autobahn, sondern mitten durch London durch. Nach zwei Stunden und 35 Minuten kamen wir in Heathrow an. Wir mogelten uns an den wartenden Reisenden in Richtung Security durch, alles klar, alles im grünen Bereich. Die erste Hürde hatten wir bravurös gemeistert. So saßen wir im alten Jumbo – ja die gibt es noch bei British Airways – on the way to Chicago. Der Captain sagte in typisch sarkastischer britischer Manier, dass der Flug perfekt verliefe nur leider würde die Landung noch um eine gute Stunde sich verzögern. Tornados hätten den Chicago Flughafen lahm gelegt. Das sei aber kein Problem für die Anschlussflüge, denn diese fänden ja auch nicht statt.
Wir landeten pünktlich eine Stunde später und unser Anschlussflug nach Minneapolis wurde mit 2 stündiger Verspätung anberaumt. Perfekt, so dachten wir. Zeit um etwas zu essen und trinken. So kurz vor dem Ziel beflügelte uns die Vorfreude auf das schöne Hotel. In den nächsten drei stunden erlebten wir drei Flugverschiebungen mit unterschiedlichen Gates. Vier Stunden später kam die Meldung, dass der Flug um 12:30 am stattfinden würde. Um 1:30 saßen wir tatsächlich im Flieger. Um 01:55 wurden wir gebeten den Flieger zu verlassen, denn es sei zu viel Sprit für den kurzen Flug nach Minneapolis – ganz ehrlich – zu viel Sprit! Wir packten unsrer 7 Sachen und gingen also alle zu einem andern Gate, um erneut die ganze Prozedur des Boardings durchzustehen. Dort angekommen wurden wir wieder zu unserem Ursprung geschickt, denn wir mussten doch den „mit zu viel Sprit geladenen Flieger“ erneut besteigen. Als wir wieder unsere Sitzplätze eingenommen hatten, warteten wir eine gute Stunde auf den Abflug. Mittlerweile war es drei Uhr morgens. Ich ahnte Schlimmes… und genau so kam es. Der Flug wurde gekänzelt. So gingen wir alle wieder brav retour und suchten nach Lösungen. Traumfrau verlor auch langsam die Nerven. Keine Hotels verfügbar, alles überfüllt, Flüge erst in zwei Tage frei, etc., etc..
Wie auch immer, die nächsten Stunden Stress erspare ich mir zu erläutern. Mit viel Geduld und Ideen haben wir es geschafft nach 42 Stunden unser Ziel zu erreichen. Die Reisezeit hat sich also nur um 29 Stunden verlängert. Wir haben in dieser Zeit kaum geschlafen, kaum gegessen, viel mit den zuständigen Stellen gestritten und uns gegenseitig viel Mut zugesprochen. Ich möchte hoffen, dass unsere nächste Reise besser verläuft. Aber eines muss man der Ganzen Angelegenheit zugute kommen lassen. Selten haben wir eine warme Dusche und ein Bett so genossen. By the way, ich habe 14 Stunden am Stück wie ein Baby gepennt – herrlich!

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