Abdruck oder Absprung

Laufen ist ein kontinuierliches Springen. Der Weg dorthin ist mitunter hart aber es lohn sich
Laufen ist ein kontinuierliches Springen. Der Weg dorthin ist mitunter hart aber es lohnt sich.

Klassisch spricht man in der Fachwelt beim Laufen vom Abdruck. Damit ist eine von der in 4 Phasen  eingeteilte Laufbewegung. Ich habe für meine Arbeit diese Phase umbenannt. Ich nenne diesen Moment den „Absprung“. Läufer, vor allem Langstreckenläufer, verstehen es besser, wenn man ihnen klar macht, dass das Laufen im eigentlichem Sinne ein wiederholtes Springen ist. Oft schauen sie mich verdutzt an und wollen dafür eine Erklärung haben. Die gibt es. Die Haupteigenschaft des Laufens ist, dass es eine immer wiederkehrende Flugphase gibt. Das bedeutet, beide Beine befinden sich in der Luft – und zwar mehr als 97% der gesamten Laufzeit. Ein schlechter Läufer hat einen sehr hohen Zeitanteil an Bodenkontakt. „Schleicher“, wie ich sie gerne nenne, kleben regelrecht am Boden und können gut 30% der Zeit mit Bodenkontakt vergeuden. Anders beim Profi. Der wird am Boden aufkommen und in gleich danach sofort wieder abspringen. Das ist ein entschiedener Faktor für die Qualität der Laufökonomie und setzt viele körperliche Fähigkeiten voraus.

Überall spielerisch neue Übungen probieren
Überall spielerisch neue Übungen ausprobieren

Koordination
Koordination der Agonisten und Antagonisten. Intramuskuläre Koordination zwischen den einzelnen Muskelgruppen. Koordination innerhalb der Muskelfasern durch den Aktionspotentialverlauf.

Schnellkraft & Explosivkraft - ein Must für LäuferInnen
Schnellkraft & Explosivkraft – ein Must für LäuferInnen

Kraft
Eine Vertiefung in diese Materie macht Sinn. Kraft ist nicht gleich Kraft und viele Langstreckenläufer glauben sie bräuchten keine Sprinterqualitäten. Das sind auch häufig jene, die niemals unter 4:30 Minuten laufen werden. Für die, ist eine 4er Pace bereits ein Sprint. Statische und dynamische Kraft. Habe ich keine Ambitionen, ist das völlig OK, denn damit schone ich meine Sehnen, Muskeln, Gelenke – nur mit Laufen an sich, hat das wenig zu tun. Schnellkraft, Explosivkraft, Maximalkraft, Reaktivkraft, exzentrische und konzentrische Kraft, etc. Viele Begriffe, die häufig auch noch falsch verstanden werden. Eine Reizwort ist für mich die sog. Startkraft – aber ich lästere ja nicht mehr! Der Läufer tut sich leichter, wenn er beschied weiss und entsprechende Übungen in sein Trainingsalltag einbaut.

keine Angst vor Schnelligkeit
keine Angst vor Schnelligkeit

Spezifisches Training
Macht Sinn. Viele Sportler trainieren immer gleich, spulen ihr Programm auf und nieder und intensivieren sogar den Umfang, wenn sie Fortschritte machen wollen. Das ist ziemlich nutzlos. Training muss kontinuierlich neue Reize setzten. Das alles kann man durch spezifische Übungen erreichen. Die große Kunst besteht darin, Tariningsschwerpunkte gezielt anzupacken ohne den Rest der Arbeit zu vernachlässigen. Das was ich kann, muss ich pflegen, das was ich nicht kann muss ich dazulernen. 

Viel hilft viel - weit gefehlt
Viel hilft viel – weit gefehlt

Typische Fehler
Überforderung ist so etwas. Der Trainer oder Sportler muss immer nur an wenigen neuen Lernprozessen arbeiten. Dabei muss er die Schwerpunkte logisch und korrekt aufeinander aufbauen. Da fehlt es bei den Meisten, sie haben keine Ahnung wie man so etwas macht. Das kann man auch kaum in einer Ausbildung lernen. Dazu braucht man viel Erfahrung und noch mehr an Wissen. Die Zusammenhänge sind extrem fachübergreifend. Trainingslehre ist Physik, Mechanik, Biologie, Chemie, Psychologie mit vielen Unterkategorien in den respektiven Disziplinen. Die Transferdenkfähigkeit ist extrem gefordert, d.h., die interdisziplinären Zusammenhänge herstellen zu können. Natürlich muss der Trainer einfühlsam sein und eine große Beobachtungsgabe besitzen. Die Liebe zum Sport und zu den Respekt zu den Athleten ist sowieso Grundvoraussetzung. Nur am Rande, ein guter Trainer mit so einer Qualifikation müsste mehr als ein Manager verdienen. Was verdient man so als Trainer? Ich weiss es nicht – weil ich nur ehrenamtlich arbeite.

Neue Wege gehen - Kreativ sein
Neue Wege gehen – Kreativ sein

Was können Läufer tun um weiter zu kommen?
Hier ein paar Tips von mir: – spielerisch sich immer nur auf eine neue Sache konzentrieren, z.B. „Kurzer Bodenkontakt beim Aufkommen mit den Fuß“. Niemals gleichzeitig mehrere neue Herausforderungen anpacken. – viel Koordination üben, dabei nicht immer die gleichen blöden und abgedroschenen Laufschulübungen machen. Kreativität ist gefordert und vor allem die Freude neue Wege zu entdecken – schnelle Kraftübungen in den Training aufnehmen – neuerlernte Fähigkeiten miteinander verbinden, z.B. „schnelle Kraftübungen + kurzer Bodenkontakt“ – weniger RICHTIG ist mehr als viel hilft viel. Der Körper und die Psyche brauchen Zeit um zu lernen und vor allem für die Regeneration. In dieser Zeit findet das eigentliche Training statt, nicht während der Belastung! – Ziele, aber realistische Ziele, definieren. Ein Masterplan hilft oft und es ist keine Schande, wenn das eine oder andere nicht auf anhieb gelingt.

Jede(r) kann sich weiter entwickeln -  auch wenn es zunächst hart ist
Jede(r) kann sich weiter entwickeln – auch wenn es zunächst schwierig erscheint und äßest mühsam ist

Nur noch ein Bitte Denkt an meine Worte: „Laufen ist ein kontinuierliches Springen“ Am Anfang ist die Umsetzung dieser Erkenntnis in die Praxis grausam. Erstaunlicherweise nur bei den Erwachsenen. Kinder haben damit überhaupt kein Problem. Erwachsene tun sich damit sehr schwer, gerade weil sie extreme Defizite in der Koordination der Krafteinwirkung haben. Wir haben durch unsere Schleicherei das Laufen verlernt. Niemand verlangt, dass wir wieder wie Kinder dieses beherrschen – das werden wir so oder so nicht mehr schaffen! Wir können uns aber durchaus daran orientieren. Mit der Zeit werden wir belohnt werden und nur darauf kommt es doch an. Laufen kann so wunderschön und ästhetisch sein 🙂

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