Ältere Männer / Fleischklops oder Adonis

Ich bin kein Badekandidat, auch nicht bei der größten Hitze. Wir leben in Klagenfurt am Wörthersee. Im Sommer spielt sich hier das gesamte Leben am Strandbad ab. Bereits am frühen Morgen wandern regelrechte Karawanen zum Strandbad, am Abend wieder zurück. Meistens sehe ich nur die Jugendlichen mit ihren Fahrrädern oder Vespas und Mopeds bei der alltäglichen Völkerwanderung. Sie sind jung und schön, voller Lebenskraft und Energie. Mein Bild der Badegäste beschränkte sich auch diese Gruppe und so nahm ich an, dass das Klagenfurter Strandbad bis zum Rand voll mit attraktiven Menschen gefüllt ist. Allesamt sportlich fit, unabhängig von Alter und Geschlecht.

Nein, ich bin kein Fanatiker, der einen übertriebenen Körperkult pflegt. Auch bin ich kein Narzisst, der sich ständig von oben bis unten am Spiegel betrachtet und sich an seinem Anblick frönt. Natürlich mag ich schöne, attraktive Körper eher als durchschnittliche Körper. Ich liebe ästhetische Formen, elegante Bewegungen, ja, ich liebe die Schönheit von schönen Menschen in schönen Körpern. Vor allem liebe ich Gesundheit. Künstliche Schönheit dagegen widert mich an. Aber ganz ehrlich, es gibt noch mehr, was mich abstößt.

In meinem fortgeschrittenem Alter merke ich deutlich, dass mein Körper mehr Zeit und Pflege als früher braucht. Ich kann nicht mehr so powern wie früher, ich brauche viel länger um mich von Strapazen zu regenerieren und vor allem, ich setze sehr leicht Pölsterchen hier und dort an. Ich brauche kein Sixpack, keine aufgeblähten Mukis. Aber ich möchte natürlich -gesund aussehen. Ich brauche mich nicht mit Höchstleistungen in Wettkämpfen zu beweisen, meine Altersklassen zu schlagen, oder gar jüngere Athleten zu übertrumpfen. Das ist aus meiner Sicht ziemlich peinlich und krankhaft. Wie gesagt, ich möchte einfach fit und gesund bleiben. Und daher verstehe ich nicht meine männlichen Alterskollegen. Am vergangenem Wochenende habe ich meine Frau zu einer Schwimmveranstaltung an einem Strandbad am See begleitet. Ich erwartete normale, gesunde Menschen anzutreffen. Es traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Diese Ansammlung von unsportlichen, unästhetischen Körper hat mich wirklich umgehauen. Wie gesagt, ich erwarte nicht, dass alle wie durchtrainierte Topsportler aussehen. Aber liebe Männer ab 40, müsst ihr euch so gehen lassen? Diese Fleisch- und Fettmassen die ihr euch angeeignet habt, muss das sein? Findet ihr das wirklich schön und anstrebenswert? Ehrlich, ich kann es mir nicht vorstellen. Es muss sich doch schrecklich anfühlen, wenn man sich träge und voluminös mit Mühe durch das Leben herumwälzen muss. Wie kann man sich da wohl fühlen? Wie kann man nur stolz darauf sein, sich so entwickelt zu haben? Diese Sprüche wie sich „Ein guter Ficker wird nicht dicker“ in ein „Ein guter Ficker wird immer dicker“ zurecht zu legen, zeigen die Grundproblematik. Dabei geht es doch überhaupt nicht darum, die eigene Erscheinung auf Sex zu reduzieren. Es geht um den eigenen Körper, um die eigene Gesundheit und natürlich auch um die ganz persönliche Lebensqualität. Ich kann mir nur eine Erklärung vorstellen, warum es so weit und so häufig dazu kommt. Es liegt an dem männlichen Narzissmus, der in der männlichen Vorstellung ein Adonis als Vorgabe vorgaukelt. Die Realität ist, dass nur wenige Männer ihr Gesamtleben auf den übertriebenen Körperkult ausrichten. Das halte ich auch für lächerlich und peinlich. Die älteren Ironmänner sind dafür ein sehr gutes Beispiel. Sie repräsentieren das eine Extrem. Das andere Extrem sind die Fleischklopse, die unästhetischen Bierbäuche mit dünnen Beinchen. Dazwischen gibt es nicht viel. Ich plädiere für eine männliche, selbstbewusste Normalität. Gesunde Körper, keine Extreme weder in die eine noch die andere Richtung. Normalität ist selten geworden bei uns Männer. Das ist traurig, das ist schade und vor allem es schadet jedem Einzelnen. Das Leben ist wenig Lebenswert geworden. Was würde ich Raten? Als erstes eine einfache Regel befolgen: „bringt eure innere Vorstellung mit eurer äußeren Realität unter einem Dach“. Das bedeutet viel Mühe und harte Arbeit – aber es lohnt sich.

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