An der Himmelspforte

Vor einiger Zeit…

Es ist soweit. Da bin ich also. Nach einem bewegten Leben stehe ich da, ganz nackt. Ich dachte man würde wenigstens so ein Nachthemd oder so was ähnliches anhaben. Weit gefehlt, splitternackt stehe ich nun da. Oberpförtner Petrus schaut mich mit durchdringenden Blicken an. Dann spricht er mit klarer Stimme:

„Geert Horst Wilhelm Karl von Bohlen Heyl. Du bist hier, wie jeder Mensch der das Zeitliche gesegnet hat“

weiter kam er nicht. Eine unerträglich laute Stimme neben mir begann bereits lauthals zu protestieren. „Der Diplomingenieur ist böse, ich kenne ihn. Ich habe ihn mein Leben lang bekämpft. Hinter Gittern gehört er!“ In diesen Zeiten der Überbevölkerung bekommt man keine Einzelaudienz mehr. Daher werden die Himmelsaspiranten in Gruppen abgearbeitet. Das ausgerechnet Herr MMMag.DDr. Oberproffessor Direktorialrat Universitärfakultativ Oberratsgeheimrat Josef Peter Furz @ Betriebsratsvorsitzender neben mir stand, hatte ich erst gar nicht bemerkt. Ein weiteres Zeichen meiner vorgeschrittener seniler Demenz. Die adipöse Gestalt hatte sich im Laufe der Jahre offensichtlich kaum zum positiven verändert. Auch nicht das etwas schmierige Erscheinungsbild. Bei genauerer Betrachtung der nackten massigen Gestalt neben mir, dämmerte es doch irgendwo in meiner Erinnerung. Ja, irgendwann hatte ich mit diesem Herrn zu tun gehabt. Wann und wo das war, wusste ich allerdings nicht mehr. Petrus nahm das ganze eher gelassen. Es war anscheinend für ihn bei dieser Massenabfertigung eine willkommene Abwechslung. So sagte er:

„Furz, sie sind noch nicht dran!“ Furz rastete aus. „Ich darf sie aufs höflichste ersuchen, mich mit MMMag.DDr. Oberproffessor Direktorialrat Universitärfakultativ Oberratsgeheimrat Josef Peter Furz und Betriebsratsvorsitzender anzusprechen“ Petrus bewies Stärke, kein Wunder bei der Position und Funktion. Er ließ sich keineswegs aus der Fassung bringen. Milde und voller Mitleid schaute er Furz an. Dann sagte er zu mir:

„Du mein Sohn hast ganz viel Dreck am Stecken. Du hast dich aber sehr bemüht im Laufe deines Lebens einiges wieder gut zu machen. Wir geben dir eine Chance, du darfst rein. Willst du deine Titel behalten?“

Ich verneinte und sagte, will nur der horstl sein, der ich immer war, nur mein „von“ möchte ich behalten; die Österreicher wollten ihn mir wegnehmen. Petrus lächelte vielsagend und schwups war ich jetzt doch noch mit meinem weissen Nachthemd auf meine Wolke gebeemt worden. Sehr komfortabel mit Musi und Fotoapparat. Die geschmackvolle Schrift an meiner Wolke zierte mein neues Heim: Horstl von Bohlen, Schöngeist, Lebenskünster und Himmelsfotograf. Seit dem geht es mir prächtig hier OBEN. An ganz klaren Tagen, wenn die Altersdemenz mal weniger meine Sinne vernebelt, suche ich nach Furz hier OBEN. Ich hätte ihm gerne wieder, zum 10 mal,  meine Hand angeboten. Im Grunde genommen hat er mir immer Leid getan. Er hat mich anscheinend immer gehasst. Er hatte so viele Titel nur eines nicht. Mein Glück richtig geliebt zu werden. Das hat mich gelehrt zu verzeihen und zu vergessen. Wenn ich es nicht vergesse, werde ich Petrus fragen was aus Furz geworden ist. Ach jäh, ich habe mir soviel zu Fragen vorgenommen. Ich vergesse es leider immer wieder. Hier OBEN ist jeder seine Sorgen los. Nur meine Lieben, die fehlen mir sehr. Zu schade, dass sie es nicht merken dürfen, wenn ich sie jeden Tag auf der Erde besuchen gehe und auf sie aufpasse. Es geht mir gut.

 

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