Das Glaubensbekenntnis

Ich wünsche jedem Menschen, dass er zumindest einmal in seinem Leben die Möglichkeit findet, sich Zeit für sich zu nehmen. Damit meine ich nicht zwei oder vier Wochen Urlaub, sondern richtig Zeit.

Diese Zeit habe ich, oder eher, wurde mir gegönnt. Mein Verstand und mein Gefühl sagen mir, dass es nicht ewig so weitergehen wird. Auch wenn ich es nicht forciere, wird diese Zeit vorüber gehen. Mein Blog wird wieder in den Hintergrund treten, meine Fotografie wird weniger werden. Innehalten und in sich gehen, der Stimme aus der Seele Gehör schenken, das ist Luxus pur. Diese Stimme flüstert mir was zu. Wie durch ein Zufall, gerate ich bei einer Aufräumaktion an ein Dokument aus meiner Jugendzeit. Es ist die Konfirmationsurkunde, einer der letzten Aktionen aus meiner Zeit in Chile. Kurz bevor wir auswanderten, wurde ich als evangelischer Christ noch in meiner alten Heimat konfirmiert. Ich denke gerne daran, denn unser Pfarrer war ein liebenswerter Mensch, genau so wie man sich ein Pfarrer vorstellt. Ich gebe zu kein tiefgläubiger Mensch zu sein. Meine Werte und meine Einstellung stehen aber denen der Kirche nicht im Wege. Ich genoss die Geborgenheit und die Wärme von Pfarrer Wagner. Ach mochte ich seine Stimme und seine Art uns zu begegnen sehr. Auf meiner Urkunde hat er folgendes geschrieben:

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. Luk. 9,62

Was für ein Hammer. Jahrzehnte später nehme ich den Inhalt dieser Zeilen erst richtig wahr. Es ist in der Tat mein Thema. Ich habe mein Leben lang wie ein Irrer geschuftet, mich bemüht besonders Gut zu sein. Wenn man sich aber ständig nach dem Geleisteten umschaut, dann ist es wohl der falsche Weg. Viele meiner Gedanken drehen sich genau um diese Thematik. Selbstbestätigung durch Leistung. Es ist nicht so wichtig sich mit seinen Verdiensten, Titeln, gesellschaftlichen Stellungen, Berufserfolge, etc. aufzuwerten – schaut alle her was ich für ein Bombenmolly bin, was ich alles erreicht und aufgebaut habe! Vielmehr ist es wichtig etwas sinnvolles zu tun. Die Erfüllung liegt im Moment begründet. Der Weg vor dem Moment ist notwendig gewesen, aber nicht mehr von so großer Bedeutung, dass er ständig aufgeführt und zelebriert werden muss. Im Nachhinein liebe ich meinen damaligen Pfarrer Richard Wagner aus Santiago de Chile umso mehr. Als ob er es schon gewusst hätte, verpasste er mir damals schon den Spruch, der mein Leben entscheidend prägen würde. Ich bin gespannt was noch auf mich zukommt. Es scheint so, dass es meine Bestimmung ist zu Pflügen ohne zurück zu schauen. Irgendwie möchte ich schon zum Reich Gottes gelangen, wo – wann und wie auch immer.

2 Gedanken zu „Das Glaubensbekenntnis

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