Der Berg ruft oder m*g*h

Prolog
Ich habe nichts gegen dicke Menschen, sofern sie mir nicht klarmachen wollen, dass Adipositas das einzig Wahre ist. Auch habe ich nichts gegen dünne Menschen, sofern sie mir nicht klarmachen wollen, dass Anorexia Nervosa völlig ok ist. Und zuletzt habe ich nichts gegen normalgewichtige Menschen, sofern sie sich nicht als was besseres vorkommen. Meine kommenden Überlegungen basieren auf rein physikalischen und biologischen Annahmen. Sie wollen weder diskriminierend noch abwertend verstanden werden. Falls ich jemanden hiermit auf den Schlips trete, bitte ich vorab um Entschuldigung.

m*g*h = Höhenarbeit
Masse * Gravitationskonstante * Höhe. Das ist die Arbeit, die verrichtet werden muss um ein Berg zu erklimmen. Aber Vorsicht, ist die Bergspitze auf 2650m und der Ausgangspunkt auf 1300m, dann heißt es nicht, dass man 1350m Höhe bewältigen muss. Oft geht es rauf und runter. So können einige Höhenmeter dazukommen. Ein kräftiger Mensch muss mehr Arbeit verrichten als ein leichter Mensch. Das ist logisch. Die entscheidende Frage ist aber eher wie das Verhältnis von Muskelmasse zu Fett- und Knochengewebe ist. Die sog. aktive Muskelmasse verrichtet diese Arbeit. Wenn ein Mensch eine geringe aktive Muskelmasse im Vergleich zum Fettgewebe aufweist, muss das Bisschen Muskel eine Menge leisten um Bewegung erzeugen. Besonders brutal wird es Bergauf – da schlägt m*g*h erbarmungslos zu. Die Folge konnte ich in den letzten Tagen mehrfach beobachten. Keuchende, schnaufende, triefend nassgeschwitze und verzweifelte Wirtschaftswunder am Berg stehend KO. Kein Wunder. Dicke Menschen haben am Berg einen großen Nachteil gegenüber dünnere Bergsteiger. Kleine dünne und muskulöse Menschen haben es am einfachsten. Sie haben im Verhältnis zur Gesamtmasse viel aktive Muskulatur. Große Menschen sind auch benachteiligt, weil ihre Knochen doch recht viel Gewicht aufbringen. Aber zurück zu meinen Beobachtungen. Viele hatten gut das doppelte von meinem Gewicht. Fett ist bekanntlich leichter als Muskulatur. Ich glaube bei ihnen nicht viele Mukis erkannt zu haben, dafür jede Menge Isolierung. Vielleicht wollten sie Fett durch Bewegung loswerden und haben sich daher dieser Tortur unterzogen? Schlechter Plan. Das ist der falsche Weg.

Arbeit und Kalorien
Bekanntlich geht Energie nicht verloren, sondern wird nur umgewandelt. Das bedeutet, Berg hoch und ich baue Fett ab. Stimmt fast. Aber von vorne. Wie viel Kalorien verbrenne ich bei meinen 1350 Höhenmeter?

Beisp. Person mit 105Kg: 105kg *9,81 (m/sec*sec)*1350m = 1390 kJ =332 kCal

Das ist doch voll deprimierend oder? Das entsprich doch nur 100g Butterkuchen. Nun, so ganz stimmt das nicht. Wir verbrennen viel mehr als 332 kCal, da wir eine Menge Wärme erzeugen und für viele weitere Prozesse im Körper bei Belastung zusätzliche Energie verbrauchen. Dafür gibt es einen Begriff, nämlich der Wirkungsgrad. Beim Mensch liegt der je nach Trainingszustand zwischen (25 – 30)%. Wir verbrennen also deutlich mehr als 332 kCal eher so um die 1200kCal. Ist aber auch nicht die Welt und schnell gegessen. Das gilt für die 1350 Höhenmeter. Rechnet man für die zurückgelegte Entfernung noch Arbeit dazu, kommt man so ca. auf 2000 kCal. Ganz ehrlich, wenn man den Hunger danach mit den vielen Bierchen und Würstchen bekämpft, wird man alsbald bei der nächsten Tour noch mehr Schnaufen müssen. Diese Verhaltensweisen sind zwar für den massigen Bergwanderer nicht zielführend, jedoch für den heimischen Tourismus unentbehrlich. Dünne, schlanke, sportliche Bergwanderer konsumieren nach läppischen 1350 hm kaum was. Also ganz schlecht für das Geschäft.

Energiebilanz
Was tun? Nie mehr essen als verbraucht wird! Beachtet man das, nimmt man bald ab. Am Anfang werden dicke und dünne Menschen nach körperlicher Belastung sogar an Gewicht zunehmen. Das ist eine Folge des Muskelzuwachses. Das ist eine sehr gute Entwicklung, denn die aktive Muskelmasse nimmt zu und verbrennt entsprechend effektiver Fett. Mit der Zeit nimmt der Dicke ab, der Dünne zu und der Normalgewichtige wird knackiger. Allen geht es besser. Sie fühlen sich vitaler, haben besseren Sex und sind besser gelaunt. 🙂

Fazit
Mit anderen Worten, Bewegung ist gut, wenn man danach sich nicht wieder vollfrisst und erst recht nicht volllaufen lässt. Und immer hübsch darauf achten die Natur zu schonen, keinen Müll überall liegen lassen und hübsch alle grüßen. Das gehört sich so in den Bergen – hat sich anscheinend noch nicht überall herumgesprochen.

Epilog
Alle sollten versuchen den Berg zu erklimmen – die einen schneller, die anderen langsamer. Das traurige an der Sache sind die Bergbahnen überall. Sie bringen dich in Minuten dorthin, wo du dich vollfressen kannst. Kinder lernen keine Ehrfurcht vor den Bergen zu haben, sie lernen sich nicht anzustrengen und sie lernen sich nicht zu freuen, wenn sie einen Berg mit eigener Kraft bewältigt haben. Dafür lernen sie „oh wie schön“ zu sagen und bald nach den Pommes an den Berghütten zu verlangen. Danach rollen sie ein paar Meter wieder zu der Bergstation hin. Unten wartet das Auto, dass sie bis zum Hotel bringt. Und doch gebe ich zu – Bergbahnen finde ich super. Ich nehme sie sehr gerne zum Herunterfahren, weil ich herunterlaufen nicht mag. Andere nehmen sie halt um heraufzufahren. Jedem das seine 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.