Der Übersetzungskünstler

Heute habe ich den ganzen Tag an einem Skript gearbeitet. Das ganze war insofern nicht gerade leicht, da es in englischer Sprache verfasst werden musste. Gott sei Dank gehr es um Psycho, da kenn ich mich mit den Fachbegriffen bestens aus. Es ist traurig aber wahr, Publikationen und entsprechende Forschung findet zu 99% in den USA statt. Unmittelbar kam mir eine Erinnerung wieder. Für Patienten mit dissoziativen Störungen (was das ist kann jeder der will nachschauen) wurden ganz gute Therapieergebnisse durch das Erlernen einer neuen, unbekannten Sprache erzielt.  Es ist nämlich immer die Meinung der Superexperten gewesen, dass Therapie nur in der Muttersprache gemacht werden soll. Es ist sowieso immer viel von Superexperten vorgeschrieben worden… in der Therapie. Also ich, mit meinen verrosteten Englischkenntnissen, habe diese Assoziation während einer dissoziativfördenden Tätigkeit quasi als Eingebung geschenkt bekommen. In meiner Muttersprache wähle ich meine Worte so aus, dass diese auch mit der Wahrnehmung der Zuhörer übereinstimmen. Das erleichtert ihnen das Verständnis welchen Zweck und Botschaft durch just diese Sätze transportieret werden soll. Gleichzeitig entlastet die gewohnte Interpunktion das Gehirn. Dafür sorgt unser Gedächtnis. Wähle ich eine ungewohnte, durchaus falsche Satzstellung, wird der Zuhörer dadurch dissoziiert, denn Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalten stimmen nicht mehr überein. Zu komplex? Ist es nicht. Hier ein Beispiel:

– Ich gebe dir mein Wort dich ewig zu lieben, zu begehren, zu vergöttern bis ich ins Gras beiße

Übersetzten wir mal auf Englisch

 I give you my word to love you eternally, to desire you, to idolize you until I kick the bucket

und nun tun wir nochmals Rücküberstezten:

– Ich gebe dir mein Wort, um dich zu lieben, um dich zu wünschen, um dich anzubeten bis ich den Eimer trete

So, da haben wir den Salat. Wirft mir ein Engländer so ein Satz an den Kopf, nimmt er meine Wahrnehmung komplett auseinander; er dissoziiert mich. Ich muss mich sehr anstrengen, um den Inhalt seiner Aussage zu verstehen. Ich muss nachfragen, was er genau meint, was er mir mitteilen möchte. Das zwingt mich dazu, mich auch genauer und intensiver mit der Botschaft zu beschäftigen. Diese Intervention stört meine gewohnte Zuordnung und somit meine innere Ordnung. Die dabei entstandene Unordnung zwing mir sehr viel Aufmerksamkeit aufzubringen.

Seitdem ich über diese weltbewegende Erkenntnis mich fast orgastisch gefreut habe, bin ich bezüglich meinen defizitären Englischkenntnissen absolut beruhigt. Es kann nichts mehr Schiefgehen. Sollte jemand Kritik üben, dann kann ich getrost kontern …“everything ist wanted“ … „alles ist gesucht“ hihi

Prolog
Was für ein Werkzeug ich da im Petto habe. Will ich endlich gehört werden, dann muss ich künftig dissoziieren und völlig verdrehte Sätze schreiben oder sprechen. Cool, probiert es aus. Ich gebe euch noch ein Tip für eure Partner:

Gestern habe ich müssen denken tagelang an den vergangenen Kuss

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