Die Bindung als Brücke zum Urvertrauen

Das Bindungskonzept

Eigentlich wollte ich mich mit dem Thema Vertrauen auseinander setzten. Bei meinen Recherchen bemerkte ich sehr schnell, dass mein Vorhaben nicht ohne eine Vorstufe glücken konnte. Um verständlich zu bleiben, muss ich  doch vorab einige wichtige Erklärungen liefern.

Unterschiedliche Schulen und die daraus folgenden Konsequenzen

In der Psychologie haben sich beginnend mit Freud unterschiedliche Schulen entwickelt, die weiterführend teilweise ebenfalls ganz unterschiedliche Ansätze verfolgen. Die heutige Tendenz ist, diese Schulen zu vereinen und eine entsprechende, interdisziplinäre Sichtweise zu entwickeln. Diese Richtung wird vor allem in der Forschung verfolgt. Teilweise sind Behandlungseinrichtungen ebenfalls bestrebt, den erbitterten Kampf der unterschiedlichen Schulen beizulegen und entsprechende schulübergreifende Behandlungskonzepte anzubieten. Nach wie vor sind Psychiater aus der Steinzeit am Werk, die dazu leider in Schlüsselpositionen ihre Macht mit sturem, rechthaberischem Gehabe „ihre richtige Schule“ mit Händen und Füßen verteidigen. Eine weitere und aus meiner Sicht sehr bedenkliche Entwicklung, sind die Gurus, die wie Giftpilze aus dem Boden schießen. Dazu zähle ich die gesamte Riege der Energetiker und sonstigen Quacksalber, die irgendeine dubiose Ausbildung genossen haben, um anschließend ihre bedenklichen Ansichten als therapeutische Maßnahme an den Kunden zu bringen. In Deutschland sind die Heilpraktiker sogar gesetzlich zugelassen und genießen eine halbwegs vernünftige Schmalspurausbildung. Österreich hingegen brüstet sich solch eine Quacksalberei nicht im Gesundheitssystem zuzulassen. Die Anzahl an freiberuflich agierenden Hexen, WahrsagerInnen, EnergetikerInnen und Hokuspokus-HeilerInnen ist aber enorm hoch. Die logische Folge ist, wenn es so viele Helfer dieser Gattung gibt, dann, weil sie  von der hilfesuchenden Bevölkerung entsprechend aufgesucht werden. Ich führe diese Umstände deswegen so ausführlich aus, weil ich überzeugt bin, dass sie mit dem Problem „Ur-Vertrauen“ sehr eng verknüpft sind. Es scheint so, dass weder die Medizin, noch die Psychotherapie und Psychologie das Vertrauen der Menschen befriedigen kann. Daher die Suche nach Alternativmethoden und übersinnlichen Mächten. Uns fehlt es an „Bindung“.

Bindung
Bindung ist Urvertrauen

Die Bindung (attachment), eine erste Annäherung zum Urvertrauen

Um unsere Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen, ist das sogenannte Bindungskonzept hilfreich.

Eine sichere Bindung sorgt für die Einbettung unterschiedlicher, ja sogar widersprüchlicher Gefühle im Einklang mit den Gedanken, der Umwelt und der Wirklichkeit. Es darf sein, wie es ist.

Eine unsichere Bindung  kann dazu führen, dass die Gefühlserlebnisse den Tatsachen nicht entsprechen. Unsicherheit, Angst, Zweifel, Haltlosigkeit, Hilferufe…sind die Folge aus diese Verunsicherung.

Eine sehr schöne Arbeit von John Bowlby, die das Bindungskonzept beschreibt, findest du hier

Was mich an der Bindungstheorie fasziniert, ist das eine nachvollziehbare und auch spürbare Sehnsucht nach  tiefgreifender Geborgenheit beschrieben wird. Im Idealfall  besteht die Sicherheit, dass Gefühle, egal welcher Art und Intensität, zu unserer eigenen Persönlichkeit mit unseren Gedanken zusammenpassen. Die sogenannte Kohärenz beschreibt die Synergie der Gedankengänge, der Gefühle und der Umwelt als logisch und stimmig mit meiner Persönlichkeit zu jedem Zeitpunkt meines Seins. Einfacher ausgedrückt: Urvertrauen. Ich glaube jeder von uns kennt diese tiefe Sehnsucht, diesen absoluten Zustand der Geborgenheit. Wir assoziieren damit Bilder im Mutterleib oder als Säuglinge an der Mutterbrust. Die reife Persönlichkeit findet die Geborgenheit in sich selbst. Auf der Suche nach der sicheren Bindung sollten weder Gurus noch Hexen zu Rate gezogen werden, da sie Paradebeispiele für bindungsarme Wesen sind. Sie sind weit weg von der Realität, dem eigenen Ich und in jeder Hinsicht nicht kohärent. Sie suchen nach übersinnlichen, verborgenen Kräften um ihre Bindungsarmut zu kompensieren, immer dem Schmerz der inneren Leere davonlaufend. Leider richten sie sehr viel Schaden an sich selbst und anderen Menschen an.

Ausweg

Wir können die Vergangenheit nicht verändern. Wir können aber unsere Einstellung zur Vergangenheit beeinflussen. Zu wissen, dass meine Eltern ihr Bestmöglichstes für mich taten, hat mir sehr gut getan. Natürlich hätte ich mir eine liebevollere und geborgenere Kindheit gewünscht. Natürlich haben es Menschen, die beispielsweise einen Elternteil verloren haben, geschlagen oder missbraucht worden sind  im Leben nicht leichter eine Bindung aufzubauen. Einige Menschen haben in der Tat schlechtere Grundbedingungen als andere, das ist unbestritten. Das Streben nach einer kohärenten Bindung und Urvertrauen ist dennoch für die meisten Menschen möglich. Durch Liebe, Vernunft, Wissen, Geduld, Professionalität und nochmals Liebe. Niemals durch Quacksalberei. Sich und andere verzeihen- und lieben lernen sind die Zauberworte.

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