Die Experten

Heutzutage gibt es die Möglichkeit, bereits vor dem Erwerb einer Lebenswichtigen Investition, z.B. eines Computers, Photoapparates, Fahrrades, Matratze, Küchenmaschine, Klobürste, Nasenhaarschneiders, Deosprays,  etc. Expertenmeinungen einzuholen. Schließlich will Mann oder Frau das Beste für die investierte Kohle bekommen. Solch lebensentscheidende Käufe können ganz schön die Nerven strapazieren. Wehe dem, der einer anankastischen Verirrung auf dem Leim geht. Vorsichtig geschätzt, ist der Folgeschaden durch die komplexe Entscheidungsphase mit dem Verlust von rund einem Jahr Lebenserwartung zu bewerten. Ganz zu schweigen von den weiteren, verbrauchten Ressourcen auf materieller Ebene. Aber wie kommt es zu diesen monströsen Ausartungen im Kaufverhalten? Nun, ganz einfach. Es gibt Prüfberichte. Es gibt Meinungen, es gibt Expertenmeinungen, es gibt Foren, es gibt youtube, es gibt Ratschläge von Freunden, es gibt Ratschläge von Feinden, es gibt Zeitschriften, es gibt Erfahrungen und sie alle bewegen sich auf einer höchst professionellen, rationalen Ebene um… genau diesen Prüfbedingungen der Investoren gerecht zu werden. Egal ob Zahnbürste, Klobürste, Waschmaschine oder Kreditwürdigkeit der Staaten. Es gibt absolut seriöse Institutionen, die sich mit der Prüfung der Produkte intensiv auseinandergesetzt haben. Das ist für unsere Weltordnung auf Wirtschaftsebene von erheblicher Bedeutung. Und das ist absolut phänomenal, daher auch in der Regel von unschätzbarem Wert für den kleinen Investor, vorausgesetzt…, ja vorausgesetzt er weiß bereits vorher was er will oder, er verfügt über eine ausgesprochen gesunde Handlungsfähigkeit und Kenntnisse im Projektmanagement. Im Klartext: Kurze Analyse der Sachlage bez. Investitionsvorhaben, Abschätzung der notwendigen Zeit- und Aufwandsressourcen, Planerstellung mit Timeline, mögliche Ausstiegsszenerien und schließlich stop or go. Die Umsetzung ist in der Regel weniger komplex, es sei denn, man macht daraus wieder eine Wissenschaft für sich. Wesentliche, nicht zu unterschätzende Faktoren wie, Kaufbedingungen, Gewährleistung, Service, etc. sind für eine nachhaltige Zufriedenheit bez. der getätigten Investition höchst relevant. Mein Vater, z.B. war so ein Experte, der eine Fliegenklatsche, nach langer Recherche, für ein Euro erworben hat und stolz nach zwei toten Fliegen für die gebrochene Klatsche 27km mit dem Auto zum Händler zurückgebracht hat. Selbstverständlich bekam er kostenlosen Ersatz, denn seine Sorgfalt hatte für diesen Fall vorab sichergestellt – zwei Jahre Garantie! Das ist doch was, das hat sich gelohnt.

Wer mit Werbung gearbeitet hat, weiß wie entscheidend es ist, Bedürfnisse zu wecken. Wer mit Menschen und seinen Problemen gearbeitet hat, weiß auch um die Vulnerabilität der Seele in unsere Konsumgesellschaft. Ich biete hier ein kleines Beispiel für die eigene Einschätzung der Persönlichkeit an. Und das ohne den Sarkasmus meiner obigen Zeilen:

Eine Frau steht in der Drogerie. Sie möchte eine Nachtcreme für ihr Gesicht kaufen. Sie steht vor den Regalen mit gut 25 unterschiedlichen Produkten. Sie ist sich unsicher, denn sie ist keine Expertin. Daher sucht sie bei der Fachverkäuferin Rat. Die Fachverkäuferin berät sie gewissenhaft, doch das befriedigt die Frau nicht. Sie zweifelt und vertraut der Verkäuferin kaum. Nach einer Stunde verlässt sie den Laden ohne was gekauft zu haben. In den nächsten Tagen fragt sie Freundinnen, die ihr wiederum ganz unterschiedliche Ratschläge erteilen. Sie liest Testberichte, erkundigt sich über Preis-Leistungsverhältnisse und findet keine zufriedenstellende Lösung. Eine Woche später kehrt sie in den Laden zurück. Die Verkäuferin zwingt sich freundlich zu sein, was ihr aber nicht ganz gelingt. Nach einer weiteren Stunde kauft die Frau ein Produkt. Kaum aus dem Laden herausgegangen kommt in ihr großer Zweifel auf, ob sie wirklich das Richtige getan hat. Als sie Abends die Creme aufträgt, hat sie kein gutes Gefühl dabei – vielleicht hätte sie sich besser erkundigen sollen – was das Beste für sie ist. Sie zweifelt wieder. Zweifeln ist ihre Domäne und nicht selten bereut sie Entscheidungen.

Eine andere Frau geht ebenfalls in die Drogerie um eine Nachtcreme zu erwerben. Vor dem Regal steht sie zunächst hilflos da, bis ihr eine Fachverkäuferin Hilfe anbietet. Sie lässt sich beraten und nach kurzer Zeit entscheidet sie sich für ein Produkt. Sie kauft die Creme und fährt zufrieden nach Hause. Abends trägt sie die Creme auf und freut sich über ihren Kauf. Sie denkt nicht darüber nach, ob es das beste Produkt für sie ist, ob es woanders billiger gewesen wäre oder ob das optimale Preis-Leistungsverhältnis erfüllt wurde. Sie freut sich einfach über ihren Kauf. Sie zweifelt nicht, sondern handelt. Sollte sie nicht mit ihrem Kauf nicht zufrieden sein, wird sie das nächste mal ein anderes Produkt ausprobieren.

Und nun die Gretchenfrage. Welche beider Damen hat es im Leben leichter? Ich habe diese Geschichte im Laufe meines Berufslebens sehr oft erzählt. Manchmal hat es klick gemacht, nicht immer – aber immerhin – manchmal 😉

Wer Interesse hat:

Handlungs – und Lageorientierung

Julius Kuhl ich durfte ihn in meiner Zeit als Mitarbeiter in der Psychiatrieforschung als Prof erleben 🙂

 

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