Die guten Vorsätze

Ich mach ein Foto und meine Liebste geht laufen
Ich mach ein Foto und meine Liebste geht laufen

Wer hat sie nicht, die guten Vorsätze für das kommende neue Jahr. Die einen sprechen diese aus, die anderen tragen sie im Stillen mit sich oder unterdrücken sie gar.

Meine Vorsätze sind schnell erklärt. Etwas sinnvolles tun, helfen wo immer es geht und mir treu bleiben. Besonders letzteres wird die große Herausforderung sein. Mit einem festen Einkommen durch eine Anstellung, Sozialversicherungsbeitrag und Kündigungsschutz ist es leicht große Töne zu spucken. Ist das erstmalig nicht mehr vorhanden, sieht die Welt ganz anders aus. Ich hätte es auch anders haben können. Ich habe mich für die „ich bleibe mir treu“ Variante entschieden und auf Sicherheit verzichtet. Mutig ist das schon, eigentlich sogar sehr mutig. Ich vertraue einfach, dass es gut gehen wird. Wie oft habe ich es anderen Menschen an den Kopf geworfen, das „vertraue und geh deinen Weg“. Jetzt mach ich es am eigenem Leib durch – sehr mutig? Wer weiß. Ich wäre sonst erstickt. Es gibt für alles ein Zeitplan im Leben. Mein Zeitplan sagt: keine faulen Kompromisse mehr!

Auch geht es mir nicht darum, andere für meinen Zustand verantwortlich zu machen. Schuldzuweisungen sind schnell ausgesprochen, bringen nichts außer Ärger und Stillstand mit sich. In der derzeitigen Unsicherheit meiner Existenz, ist gleichzeitig Freiheit und Erleichterung erkennbar. Es öffnen sich so viele Freiräume. Tausend Fragen tauchen aus dem Nichts auf. Der Blickwinkel meiner Wahrnehmung ist in vielen Lebensbereichen völlig neu – intensiver und markanter geworden. Glück und Leid, Freude und Trauer, Liebe und Enttäuschung erreichen ganz außergewöhnliche Dimensionen. Ganz besonders intensiv erlebe ich das Mitgefühl für Menschen aller Art. Oft tut es mir weh und ich lasse es zu, oft bin ich sehr gerührt. Ich glaube eine Versöhnung mit meinem Schicksal zu erkennen, vielleicht sogar eine sehr heilsame Versöhnung und kein bisschen Selbstmitleid.

Die Feigheit vieler Artgenossen, die selbstgefällige egomanische Art, die Rücksichtslosigkeit, die Rückgratlosigkeit und fehlende Selbstreflektion führen zu der so typischen „Leck mich am Arsch“ Mentalität. Wir gehen mit unserer Umwelt und Artgenossen alles andere als zimperlich um. Das war nie anders und jeder der die gute alte Zeit als die bessere anpreist, macht sich was vor. Es sind aber nicht alle so, zugegeben viele, aber eben nicht alle. Für mich gibt es kein zurück mehr in meine alte Welt. Ich will was sinnvolles tun ohne mich wie früher in meinen Werten verleugnen zu müssen. Der Balanceakt hat mir sehr viel Substanz gekostet. Diese Gewissheit macht mir schon Angst. Ich brauche das Vertrauen um mir selber beizustehen. Dann blicke ich auf meine Frau, meine Kinder, meine lieben Freunde und ich denke mir: „es kann nicht so falsch sein dem Herzenswunsch zu folgen, auch dann nicht, wenn es dir Angst macht“. Ich hoffe ich schaffe es meinen Vorsätzen treu zu bleiben. Und ja, ich finde, ich bin ganz schön mutig. Das macht mich zur Zeit auch stolz. Ich werde es verkraften auf Porsches, Haus und Macht verzichten und dafür Unsicherheit in Hülle und Fülle aushalten zu müssen. Ich geh jetzt mal wieder an die frische Luft und mach ein Foto und meine Liebste geht laufen. Das hilft manchmal und gibt mir Hoffnung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.