Die Märklin Bahn

Früher, als ich noch ein kleiner Junge war, spielte ich gerne mit meiner Modellbahn. Vor allem an solchen Regentagen. Es war einfach eine ganz besondere Stimmung, romantisch-melancholisch oder gar verträumt. Meine Gedanken schweiften von der Realität ab, zogen mich in den Bann einer Abenteuerwelt. Die Geborgenheit des Kindes im Schoße der Familie breitete eine ganz spezielle Stimmung in mir. Ich sehne mich nach jener Zeit.

Als ich heute in der Mittagspause hier in Graz spazieren ging, sah ich einen ziemlich verkommenen Laden. Fleischmann – Märklin – Modellbahnen. Sofort wurde ich in diese Zeit zurückversetzt. Mein Gott, wie lange ist es her? Eine ganze Ewigkeit. Magnetisch wurde ich zu den Schaufenstern angezogen. Ich weiß nicht wie lange ich davor stand. Jetzt wieder zurück, fühle ich mich müde und ausgelaugt. Warum ist das Leben so anstrengend und hart? Ich habe wenig Kraft für Träumen übrig. Zu viele Sorgen vereiteln das Abenteuer des kleinen Wesen von damals. Jetzt bin ich groß und fühle mich eher kleiner. Der Regen hat eingesetzt und mir fehlt die Bahn für den Bann einer besseren Lebensgestaltung. Die Zuversicht grosses zu bewirken, gut aufzufallen und die Verwirklichung im Leben zu finden ist verblasst. Es ist an der Zeit sich aufzurappeln. Sorgen sind anstrengend und die Anstrengung bereitet mir Sorgen. Ja, ich werde mich aufrappeln und Mut einreden. Es ist nicht zu spät – es ist niemals zu spät vor dem Tode sein Leben zu gestalten.

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