Die Mittelfußtechnik

Gibt man bei Google den Begriff „richtig laufen“ ein, folgen über 42 Mio. Treffer. Einige davon beschreiben für das Aufkommen mit der „gesamtem Fußauflagefläche“ als richtige Technik – wenn auch teilweise mit den wildesten Zusammenhängen. Wobei vorab geschrieben sei: grundsätzlich gibt es in keiner Sportart das Richtig- Falschprinzip. Schon alleine die unterschiedlichen Sichtweisen von Orthopäden, Trainer, Sportärzten, Biomechaniker etc., die nicht einmal fachintern übereinstimmen, deuten auf dieses typische Phänomen hin. Jeder glaubt aufgrund seiner Ausrichtung Recht zu haben und versucht seine Überzeugung in Form von Vorgaben zu untermauern, nämlich meines ist richtig, alles andere falsch. Meine Ansicht ist, dass der Langstreckenläufer auf dem Mittelfuß aufkommen soll. Das hat in der Tat mehrere Vorteile, die multifaktoriell und interdisziplinär erklärbar sind. Das bedeutet aber nicht, dass diese Technik für jeden Läufer zur optimalen Laufergebnissen führen muss! Wenn ein Vorderfußläufer damit glücklich, gesund, schnell und ökonomisch ist, dann soll er dabei bleiben. Aber sicher nicht, wenn er mit Problemen und Verletzungen kämpft. Gleiches gilt für Fersenläufer. Der Fußaufbau

Fußaufbau
Fußaufbau

Früher wurde die Fußwaschung als Geste der Gastfreundschaft dem Gast entgegen gebracht. In unserer Kultur gerieten die Füße aufgrund zunehmender technischer Mobilität immer mehr in Verruf. Doch die “Stinkefüße” sind für den Läufer die Basis jeglicher Bewegung und sollten dementsprechend gehegt und gepflegt werden. Sie verbinden den Boden mit unserem Körper – im Stillstand wie in der Bewegung. Die Natur hat uns mit einem biomechanischen Meisterwerk ausgestattet, dass uns zu enormer Bewegungsgestaltung befähigt. Betrachtet man den Fuß von unten, so stellt man fest, dass er nicht nur aus Haut und Knochen besteht, sondern eine Vielzahl von Muskeln und Sehnen hat. Sie sind sehr differenziert rund um die Knochenstruktur angebracht . Ein biomechanisches Wunderwerk, das die Funktionen einer Feder auf kleinstem Raum vereinigt.                 Die Federwirkung beim Aufkommen

Fußblattfeder
Federwirkung des Fußes

Kommt der Fuß mit der gesamten Fläche am Boden auf, so entsteht aufgrund der Fußwölbung in der Mitte des Fußes ein Hohlraum. Nach Einwirkung der Kraft wird der Fuß wie eine Feder auseinander gespannt, bis tatsächlich im Idealfall die gesamte untere Fußseite eben am Boden ankommt. Dieser Vorgang kann nur stattfinden, wenn die Haltemuskulatur von Unterschenkel und Fuß ausreichend ausgebildet ist. Ein Teil der Bewegungsenergie ist in Spannungsenergie im Fuß gespeichert und kann ohne zusätzliche Krafteinwirkung für die weitere Bewegung genutzt werden. Die Natur ist erfinderisch und immer bestrebt ökonomisch zu sein. Diese Möglichkeit, beim Laufen den Fuß als Energiespeicher und Spender einzusetzen, wird nur beim Mittelfußlaufen erzielt. Natürlich vorausgesetzt, dass das Schuhwerk diesen Effekt zulässt. Schwer gestützte und oder gedämpfte Laufschuhe verhindern die Federwirkung des Fußes fast zu 100% und kosten uns bei jedem Schritt Kraft und Energie.

Die Fußstellung – eine Gesundheits- und Energiefrage?! Die Pronation  beschreibt die Einwärtsdrehung bzw. die Supination die Auswärtsdrehung des Fußes beim Aufkommen des Fußes auf den festen Boden. Die Pronation des Fußes (Einknickung oder Verkanntung nach innen) wird medizinisch im geringen Maße als natürlich bezeichnet und sorgt für eine gewisse Dämpfung der auftretenden Kräfte beim Bodenkontakt. Bei der Überpronation knickt der Fuß stark nach innen, sodass die Achillessehne und andere Sehnen und Muskeln ebenfalls extrem gedehnt und großen Scher- und Rotationskräften ausgesetzt werden. Der negative Effekt auf die Sehnen wird durch das Aufkommen auf der Außenseite des Vorderfußes wesentlich verstärkt. Daher sollten Überpronierer erst recht auf eine Mittelfußtechnik achten. Die Laufschuhindustrie hat darauf reagiert und Schuhe mit speziellen Stützen an der Innenseite des Schuhs auf den Markt gebracht. Sie verhindern zwar das Einknicken, aber entlasten dabei gleichzeitig erheblich die Fuß- und Unterschenkelmuskulatur (auch lange Fußmuskulatur genannt). Dadurch wird sie wiederum zusätzlich geschwächt… anstatt gestärkt zu werden! Die Supination kommt sehr selten vor und wird eher durch eine starke Knochendeformation hervorgerufen. Die Übersupination erfolgt, wenn wir uns bei einem Schritt extrem nach außen verkannten. Der Dämpfungseffekt ist da, jedoch mit einem stechenden Schmerz und einer Verletzung der Bänder. Das kennt wohl jeder. Die Fußstellung ist somit entscheidend vom trainierbaren Halteapparat des Fußes, also Sehnen, Bänder und Muskulatur, abhängig und nicht ausschließlich von unserem Skelet bestimmt. Fazit Aus biomechanischer Sicht spricht sehr viel dafür, dass unserer Füße von Mutternatur beim Gehen und Laufen für die Mittelfußtechnik erschaffen wurden und sie gegenüber der Vorderfußtechnik für den Läufer von Vorteil ist. Die Mittelfußtechnik ist für jeden erlernbar. ABER: unverzichtbar ist eine sehr gute Haltearbeit unseres Bewegungsapparates, die durch Stabis und Laufschule trainiert werden kann. Ebenfalls ist Geduld gefordert, den jede Umstellung kostet zunächst Zeit und Kraft!

 

2 Gedanken zu „Die Mittelfußtechnik

  1. Ich glaube wir müssen uns das nächste mal etwas länger sehen. Vielleicht kannst du mich mal unter die Lupe nehmen. Meine Läufe werden immer weiter und da möcht ich schon gern ökonomisch unterwegs sein. Gruß aus Berlin, Olli.

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