Die Piepsstimme

Wer sie nicht kennt, hat viel nachzuholen. Die einzigartigen Erzählungen von Christine Nöstlinger rund um den Kleinen Franz.

Psychologisch äußerst feinfühlig schreibt Nöstlinger über die Probleme eines kleinen sechsjährigen Bub, der so mancherlei an Kränkungen und Erniedrigungen im Alltag durch sein Aussehen und seine Stimme erdulden muss. Die Tatsache, ständig mit einem Mädchen verwechselt, vom größeren Bruder schikaniert, verprügelt und übervorteilt zu werden, machen es dem kleinen Franz nicht gerade leicht. Mit Witz und Einfallsreichtum schafft es der kleine Franz sich immer wieder aus diesen Loosersituationen zu befreien. Das sind seine Vorteile – Witz, Einfallsreichtum und manchmal auch einfach Glück. Der kleine Franz ist sicher zum gestandenem Mann herangereift – wie sein Vater, der genauso wir er als kleiner Bub war.

Manchmal gibt es Buben wie der Franz, die aber diese wichtigen ausgleichenden Eigenschaften nicht besitzen, dafür aber bei Aufregung das Auftreten der Piepstimme mitsamt roter Flecken umso mehr. Sie behalten, aufgrund fehlender Kompensationsmechanismen diese Eigenschaft ein Leben lang. Mit der Zeit manifestiert sich diese traumatische Wiederholung als bleibende Eigenschaft – Piepsstimme plus rote Flecken – bei Aufregung freilich in stärkerer Ausprägung. Sollten meine Leser, rein zufällig, an eine Person mit solchen klaren Piepsstimmchenanzeichen geraten, bitte ich darum, sehr viel Verständnis und Milde gegenüber sie aufzubringen. Sie sind wie ein kleiner Franz, der dazu auch noch zusätzlich die Arschkarte gezogen hat, einer ständigen gemeinen Quälerei während ihres Lebens ausgesetzt worden. Ihre Persönlichkeitsstruktur ist extrem explosiv veranlagt, daher tut man gut daran „Die Piepstimme“ nicht zu reizen. Die einzige Möglichkeit mit ihnen auszukommen ist, ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie die größten, tollsten, schönsten, männlichsten, intelligentesten, potentesten Hechte des Universums sind. Dann fressen sie einem wie ein dressiertes Hündchen aus der Hand und lassen sich prima für niedere Zwecke verwenden. Kann man das nicht, bricht eine Welt für sie zusammen. Nachtragend, rachsüchtig voller Mord- und Vernichtungsgedanken trachten sie jedem, der sie an ihre Peinigung daran erinnert, nach dem Leben. Ich bin so froh und unendlich dankbar bisher niemanden mit diesen Eigenschaften begegnet zu sein. Sonst würde ich ja kaum auf die Idee kommen darüber zu schreiben – wäre ja fast wie Selbstmord 😉 Oder ist das nur meine gemeine Art jemanden, der einfach ein Arsch ist zu bestrafen? Nööö – sowas würde ich niemals tun 😉

 

 

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