Die sportliche „Furchtlosigkeit“

Keine Panik - sie nehmen dir nichts weg
Keine Panik – sie nehmen dir nichts weg

In den letzten Wochen waren wir wieder sehr viel unterwegs. USA stand auf unserer Liste, sehr kurzfristig für mich. Ich hadere, wenn es darum geht mich den vielen seltsamen Fragen bei der Anreise zu stellen. Diesmal bin ich der Sache elegant aus dem Weg gegangen. Gleich nach der ersten Frage wieso ich hier bin, habe ich mit: “Sorry Sir, I don´t know why – please ask my wife”. Klar; hätte daneben gehen können, ist aber nicht. Der verdutzte Beamte hat mich durchgewunken und meine arme Frau musste eine Menge idiotische Fragen beantworten.

Wir waren in Sportsachen unterwegs, genauer gesagt in 261 fearless Sachen. Das letzte Mal war ich 2007 in USA. Damals wegen des NY-Marathons. Ich glaube ich mag vieles nicht bei den Amis und würde sonst dieses Land eher meiden. Als wir dort waren habe ich mich sehr wohl gefühlt und wunderbare Menschen getroffen. Diese Diskrepanz zwischen der Nation und einzelne Menschen ist mir schon sehr oft aufgefallen. Spanien, Italien, Ungarn, Kenia und jetzt USA. Irgendwie passt das nicht ganz zusammen. Das, was wir von einem Land hören, sehen und über die Medien erfahren lässt uns eher nachdenklich und vor allem kritisch werden. Dann treffen wir einzelne Menschen und finden diese durchaus vernünftig und ansprechend. So geht es mir meistens.

Nachgedacht habe ich darüber, das “wieso ist es so” interessiert mich immer. Ich vermute es liegt an der kurzen Zeit der Besuche in diesen fremden Welten. Wenn man länger drüben bleiben würde, wären die Diskrepanzen zur eigenen Mentalität eher erkennbar. Der nette Nachbar, der 3 Revolver und zwei Gewehre besitzt z.B.. Das hat schon was mit einer tiefgreifenden Mentalität und Identität zu tun. Es gibt Selbstverständlichkeiten, die bei uns alles andere als selbstverständlich sind und natürlich auch umgekehrt. Wer wie ich, in einem anderen Land aufgewachsen ist, weiß das. Für mich war das absolut selbstverständlich meine Freunde mit Fäusten zu verteidigen, für den Jugendrichter in Deutschland weniger. Was ist richtig, was ist moralisch korrekt, was ist zivilisiert, was ist besser? Nun – genau das ist relativ. Unser Problem ist, dass wir sehr bedingt Toleranz für diese Unterschiede aufbringen können, insbesondere dann, wenn die Menschen dieser Systeme uns stark ähneln. Bei Kenianer, Koreaner, Chinesen können wir uns leichter emotional distanzieren. So erscheinen uns manche Bräuche zwar exotisch und für uns inakzeptabel, können sie aber leichter der Fremdartigkeit der Kulturen zuordnen. Anders ist es bei gleichaussehenden Menschen. Da erwarten und fordern wir Gleichheit auf allen Ebenen. Sollten wir das nicht vorfinden, werten wir ab und verurteilen – eine sehr menschliche Eigenschaft.

Wir fürchten uns! Wovor? Vor fremde Menschen, fremde Gedanken, fremde Kulturen, fremde Einflüsse, vor Andersartigkeit. Wir Menschen sind nicht alle gleich – Gott sei Dank!!! und doch wollen wir alle gleich machen. Die Andersartigen, die nicht gleichzumachen sind, werden ausgeschlossen. Das ist der Anfang vom Rassismus. Leichtes Spiel für gewisse politische Richtungen die wieder starken Aufwind bekommen, indem sie Ausländerfeindlichkeit durch Angst und Panikmache proklamieren. Der mündige Bürger wählt sie. Ich weiß nicht was mir lieber ist – Gewehre und Pistolen, oder solche mündige Bürger. So gesehen, ist alles sehr relativ. Der liebe Nachbar der wählt, der liebe Nachbar der Waffen besitzt.

Mein Trost sind die Universalsprachen. Sie sollen uns furchtloser gegenüber Fremdartigkeit machen. Sport, Kunst und andere Werte. Verbinden statt trennen. Wenn wir eine neue gemeinsame Sprache erlernen, müssen wir unsere Werte neu definieren indem wir den Begriffen gemeinsame Inhalte zuordnen. Gemeinsam heißt “Beziehung aufbauen”. Es tut gut uns in unseren Beziehungen zu vermischen. Das gilt gleichermaßen in psychischer und physischer Hinsicht. Wer den Rassismus fördert, fördert den totalen Inzest und ist dem Untergang geweiht – das sollte diesen Anhängern richtig Panik machen. Furchtlos dem fremdartigen begegnen, neugierig und offen das Andersartige heranlassen. Wir müssen nicht alles Gutheißen, aber zumindest respektieren. Keine Angst, Fremdartigkeit ist keine gefährliche, ansteckende und kulturvernichtende Krankheit. Es wird dir nichts weggenommen sondern im Gegenteil, es wird dir was geschenkt; etwas was du dringend brauchst – Horizonterweiterung und Mut.

Ich werde weiterhin viel unterwegs sein und mich mutig den Einreisebestimmungen und Kulturschocks der jeweiligen Länder ohne zu murren stellen. Im Auftrag der Furchtlosigkeit mit der gemeinsamen Sportsprache. Vielleicht kann ich den einen oder anderen dazu bewegen sich dem Fremdartigen zu öffnen und wir laufen dann gemeinsam mit Kommunisten, Rassisten, Waffenbesitzer, Schwarze, etc., etc.. einer mutigen Zukunft entgegen. Ich, für meinen Part habe genug von der Angst und Panikmache. Liebe Menschen gibt es überall – auch wenn sie anders aussehen und in vielen Dingen andere Ansichten teilen.

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