Du sollst Eltern von Sportlern nicht erziehen

der Traum aller ehrgeizigen Eltern - Topsportler Marino - so soll mein Kind werden
der Traum aller ehrgeizigen Eltern – Topsportler Marino Vanhoenacker – so soll mein Kind werden

Ich dachte ich sei sie los. Was denn? Die Wut über ehrgeizige Eltern, die ihre Kinder lauthals mit wüsten Anfeuerungsrufe in Wettkämpfen peitschen. Das habe ich im Tennis mit meinem Sohn so häufig mitgemacht. Wutentbrannte Eltern, die ihre Kinder regelrecht fertig machen und während den Wettkämpfen wie die wilden herumbrüllen; überehrgeizige Eltern, die ihre Kinder von einem Wettkampf zum anderen schleppen. Gewinnen sie, sind sie die besten – verlieren sie, dann werden sie zur Sau gemacht. Alles dreht sich um die Leistung der Kinder. Das Befinden der ganzen Familie hängt davon ab. Papas Laune vor allem. Da wird Zeit und Geld ohne Ende investiert. Da werden Träume von Olympiasiege und Weltmeisterschaften geträumt…

Nicht jeder kann richtig gut sein
Nicht jeder kann richtig gut sein

Ich dachte ich sei sie los – meine Wut. Dummerweise habe ich mich am Wochenende hinreissen lassen zu einem Wettkampf mit Jugendlichen vorbeizuschauen. Ich spare mir die zugerufenen Kommentare von diesen lieben Eltern und Trainer. Meine Wut ist wieder da, stärker denn je. „Du sollst diese Eltern nicht erziehen“ habe ich mir gesagt. Viele Verbrechen sind nicht strafbar, so wie dieser Missbrauch von Kinder. Solange das so ist, solange wir in der Gesellschaft mäßig sportliche Kinder- und Jugendleistungen derart überbewertet und gefördert werden, solange wie es schick ist sich als Elternteil dazu berufen zu fühlen die eigenen Kinder zu quälen, solange sollte ich meine Klappe halten. Ach ja – solche gestörte Eltern haben super Argumente für ihr Tun: Mein Kind braucht das, mein Kind macht das von sich aus, mein Kind will das so haben… Schon mal was von Fürsorge und Verantwortung gehört? Offensichtlich nicht. Geilt euch weiter auf, die Rechnung kommt garantiert.

Die Freude am Sport und nicht die der Eltern sollte immer im Vordergrund bleiben.
Die Freude am Sport und nicht die der Eltern sollte immer im Vordergrund bleiben.

Einen kleinen Trost finde ich tief in mir. Das was ich am Wochenende gesehen habe, hat nur marginal mit Leistungssport zu tun. Trainer, Eltern und Sportler haben ein miserables Bild in der Performance abgegeben. Das ist das Problem. Sie wollen zu einer Liga gehören, die sie niemals erreichen werden. Sie wollen sich so wie die wirklich guten Sportler fühlen. Das werden sie nicht schaffen. Warum sehen sie das nicht ein und machen aus einer Stressveranstaltung ein fröhliches Get2gether? Weil ihr Narzissmus das nicht zulässt. Mein Trost liegt in der Gewissheit, dass immer mehr Sportveranstaltungen diesen Weg einschlagen – gemeinsam statt gegeneinander, Spaß statt Kampf, Freude statt Frust. Das sind echte Sportler. Ich bin nicht gegen Wettkämpfe – das betone ich immer wieder. Ich bin nur gegen den offensichtlich krankmachenden Schwachsinn in der Sportszene.

Also liebe Eltern – Augen zu, Herz zu, Verstand zu… „geh in den Windschatten du Trottel, hab ich dir doch tausend mal gesagt“; „streng dich an, stell nicht schon wieder ab“ ; … 15 Jahre alt, pro Woche ein Wettkampf… 🙁

Also liebe Trainer, träumt weiter vom Erfolg eurer Schützlinge damit ihr euch super cool fühlen könnt. Komisch, dass es euch meistens schlecht geht.

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