Effizienz am Arbeitsplatz

In den vielen Berufsjahren, angefangen vom kleinen Angestellten bis hin zur Führungskraft, hat mich die Effizienz meiner Mitmenschen interessiert. Natürlich auch meine Eigene. Ganz erstaunlicherweise, wenn man KollegInnen fragt, sind die größten Störfaktoren oder Effizienzkiller die anderen Mitarbeiter – selten die eigenen Defizite. Als Vorgesetzter habe ich es mir einfach gemacht. Saubere Hierarchie definiert – Verantwortung übertragen – Zielvorgaben – Zeitvorgaben – Reporting. Meine Mitarbeiter wussten genau, dass ich ihnen, solange es gut funktioniert, sehr viel Freiheiten überlassen habe. Ich bin kein Kontrollfreak, kann aber zu einem Ekel mutieren, wenn Aufgaben nicht erledigt werden. Daher versuche ich die Struktur und die Aufgabenstellung sehr klar zu gestalten. Je weniger Interpretationsraum für gegenseitige Beschuldigungen, desto weniger Schuldzuweisungen. Dito für viele andere Ebenen im Arbeitsraum. Leider ist die sog. kollegiale Aufgabenverteilung nicht für alle Arbeitsfelder geeignet. Gut etablierte und über Jahre gewachsene Teams, die dazu noch eine gesunde Gruppendynamik aufweisen, können so sehr effektiv arbeiten. Bunt zusammengewürfelte Arbeitnehmer neigen eher dazu Machtkämpfe auszutragen. Das kostet viel Energie, denn die Machtkämpfe strotzen vor Effektivität – weniger die Lösungen der Aufgabenstellung. Aber warum ist es so?

Macht
Macht ist ein sehr komplexes Phänomen. Archaisch gesehen freilich nicht. Stark sein – Überlegenheit – sich Reproduzieren (Vermehren) – Arterhaltung. Nun sind wir aus der Primaten-Ära hoffentlich herausgewachsen – oder doch nicht?
Ich finde es nach wie vor sehr niedlich, wie viele männliche Kollegen mir immer noch beweisen müssen, dass sie dickere Eier als ich haben. Ich liebe es Männer, die darauf Wert legen ihre Eier zur Schau zu stellen, zu reizen. Sie gehen mir gerne in die Falle. Bildlich läuft es folgendermaßen ab. Ich deute an, dass ich dicke Eier habe – mehr brauche ich nicht zu tun. Was dann folgt ist großartig. Sofort lassen meine vermeintlichen Kontrahenten die Hose runter und prahlen mit ihrer Pracht. Noch eine kleine Stichelei und schon wandelt sich die Prahlerei zu einem abwertenden Angriff. Oh Gott – schon wieder so ein armseliges Würstchen. Wie ich schon sagte, niedlich und ineffektiv. Sie können mich nur hassen – bis sie merken, dass ich sie verarscht habe. Danach hassen sie mich abgrundtief. Ich habe viele Feinde mit gewaltig dicken Eiern, die nur mit heisser Luft gefüllt sind. Manchmal lernen sie auch was dabei und werden effektiver… manchmal.

Stärke
Stärke ist erlernbar. Starke Menschen geben nicht an. Sie arbeiten fokussiert und konzentriert ihre Aufgabenstellungen ab. Sie sind effektiv. Sie können sich abgrenzen, verfügen über viele Konfliktlösestrategien und begeben sich selten in Hahnenkämpfe. Sie erkennen ihren Status, ihre Position und ihre Funktion im Unternehmen sehr schnell und verhalten sich entsprechend danach. Sie suchen die Synergien auf der persönlichen und auf der fachlichen Ebene. Durch ihre soziale Kompetenz tragen sie nicht nur zur effizienten Arbeit, sondern auch für ein angenehmes Arbeitsklima bei.

Mobbing
Ist der pure kontinuierliche Machkampf. Wer mobbt tut es aus einer inneren Not heraus. Wer ständig seine dicken Eier präsentieren muss ebenfalls. Solche Menschen haben eine oftmals sehr traurige Geschichte erlebt. Sie wurden in der Vergangenheit oft erniedrigt und sind im innersten Wesen unsicher. Das tragische ist, dass sie durch ihr Verhalten es immer wieder herausfordern verletzt zu werden. Sie tun sich sehr schwer, über ihren eigenen Schatten zu springen. Sich selber einzugestehen, dass die eigenen Eier doch nur ganz normalgroße Eier sind und andere Menschen besser bestückt sind, ist für sie die Hölle. Schade eigentlich – denn solche Menschen wären sonst sehr wertvoll und liebenswert – by the way – auch sehr effektiv!!!

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