Eine unspektakuläre Laufgeschichte

Gerade bin ich zurück. Um die 10km in einer knappen Stunde bei Regen. Außer mir war niemand laufend unterwegs. Nichts besonderes, kein spezifisches Training, kein Grundlagentraining, keine Technik, keine Ziele  – also kein Grund zum Laufen. Sicher war das für meine Gesundheit gut. Das war nicht meine Motivation ein Ründchen zu drehen. Warum tat ich das eigentlich? Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung. Sicher will ich abnehmen und fiter werden, aber deswegen war ich heute nicht laufen. Vielleicht finde ich noch eine Antwort.

Wißt ihr noch wie es war, als ihr früher gespielt habt? Ich meine nicht ein Spielabend unter Erwachsenen, sondern das kindliche Spielen. Ich erinnere mich gerne an das ausgelassene Tun. Kinder fragen sich nicht warum sie spielen, sie tun es einfach. Sie verfolgen damit kein Zweck. Zweckgebunden, das sind wir Erwachsene geworden. Liebe Laufkollegen, wer von euch läuft einfach so, ohne ein Zweck dafür zu haben. Wer von euch definiert kein Ziel, sondern läuft ohne sich zu fragen was das Laufen bringt? Mir sagte jemand kürzlich, dass an mir ein Philosoph verloren gegangen ist. Die Fragen die ich mir und anderen stelle sind philosophisch und realitätsfremd. Ich meine so ist es nicht! Ich habe gelernt das Leben mit all seinen Facetten in Frage zu stellen. Trainingspläne, Ziele, Ansichten, Verhaltensweisen…, wir tun so vieles ohne zu hinterfragen ob wir es wirklich tun wollen oder gar können. Wir nehmen manche Dinge im Leben als unumstößliche Axiome (absolute Wahrheiten) wahr und richten uns blind danach. Das war so, das ist richtig und das wird immer so sein. Warum spielen Kinder also? Der Psycho weiß eine ganze Menge aus der Entwicklungspsychologie zu berichten. Schön für die Psychologie samt Psychologen. Den Kindern ist das Scheißegal! Sie spielen, weil sie spielen und denken sich nichts dabei. Denen ist es ebenfalls wurscht ob das für ihre spätere Entwicklung wichtig ist, ob ihr Sozialverhalten gesünder wird oder ihre Lernfähigkeit damit gefördert wird. Sie spielen einfach und basta! Den Erwachsenen, die später einen Spielabend um zu entspannen oder Freunde zu treffen, oder die Frau des Nachbarn flachzulegen, oder die eigene Beziehung zu retten, oder wieder lachen zu können einführen, denen ist nicht mehr zu helfen. Das sind auch die, die für jede Handlung einen Zweck für eine Rechtfertigung ihres Verhaltens benötigen. Arme kaputte Welt 🙁

Jetzt wird einer oder viele sagen, der horstl spinnt total. Der hat keine Ahnung wie unsere Welt funktioniert. Es ist doch nobel und rechtschaffen Ziele zu haben, sich für etwas zu interessieren, an sich zu arbeiten, besser zu werden, sich zu entwickeln und besser als andere durch Fleiss und Disziplin zu sein, es ist doch gut ein gesundes Maß an Ehrgeiz zu haben, es zu Etwas bringen im Leben. Das sagt der horstl: Ja ehh, blablablablahhh und macht euch weiter was vor. Dröhnt euch weiter mit euren Illusionen zu. Denkt daran, warum spielt ein Kind. Er spielt weil es Spaß macht zu spielen! Und wenn der kein Spaß hat, dann hört er damit auf… es sei denn, da ist ein angeätzter Erwachsener, der seine Ruhe haben will und zum Kind sagt: komm, geh jetzt spielen. Schon wieder ein weiterer Beweis: Kinder spielen, damit frustrierte Erwachsene ihre Ruhe vor ihnen haben.

Ich laufe einfach so. Ich kann nicht jedesmal von orgastischen Zuständen und wie gesund das ist und von Flows und von den besten Ideen und den wahnsinns Trainingsumfängen und Fortschritten berichten. Nein, ich kann wirklich nicht damit angeben. Ich laufe unspektakulär und ja es macht mir Freude. Idiotische geplante Spielabende hasse ich, die Frau vom Nachbarn lege ich auch ohne dieses Theater flach. Blödsinn, sowas tue ich nicht mehr 😉

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