Erfolg

Worüber möchte ich heute schreiben? Muss diese Frage anders formulieren. Worüber möchte ich am liebsten schreiben.

Erfolg, ja Erfolg ist ein super Thema. Wer träumt nicht vom Erfolg! Diese Energie und unbändige Kraft etwas ganz besonderes zu erreichen, erfolgreich zu sein und eine Menge Lob und Kohle zu kassieren. Bei diesen Gedanken wird es mir ganz schwindlig, weil eine Menge Adrenalin freigesetzt wird. Das ist geil und sexy, gibt Lustgefühle diese Glückshormonausschüttung.

Für mich steckt da sehr viel Kindheit in solchen Gefühlen. Da bin ich der kleine Junge, der voller Inbrunst stolz verkündet: wenn ich groß bin, werde ich der beste Pilot aller Zeiten. Ohne diesen Momenten in meinem Erwachsenenleben, wäre ich nicht da wo ich jetzt bin. Ich wäre durchgehend angepasst oder vielleicht auch angepisst. Mein Leben wäre konstanter, normgerechter und berechenbarer. Die Spannweite der Erlebnisse, der Gefühlsregungen, der Verdienste, Gedankengänge, und der Lebensereignisse wäre enger und somit übersichtlicher. Die Gefahren wären vermutlich kleiner… aber ich schweife vom Thema ab. Also Erfolg – und die Frage, habe ich Erfolg? Antwort: Eher nicht. Ich nehme mal ein paar Beispiele aus meinem Wirkungsfeld.

Als Blogger bin ich unterste Kategorie, wenn ich mir meine Zugriffe anschaue; als Fotograf – na ja, da bilde ich mir was ein, aber wahrscheinlich wars das auch schon; als Manager hab ich mir für andere den Arsch aufgerissen; als Therapeut war ich super hab aber kein Bock auf sowas; als Ingenieur war ich wohl ok, hab aber auch kein Bock auf sowas; als Trainer bin ich gut, mag aber den Leistungsgedanken und den ganzen narzisstischen Schwachsinn drumherum nicht; Ja meine Fresse – was hab ich alles gemacht, das kann ja nicht gut gehen. Erfolg ist Zweckgebunden. Schuster bleib bei deinen Leisten. Jeder der nicht konsequent, oder Neudeutsch „straight“, sein Ziel verfolgt, wirkt unter uns Menschen unglaubwürdig. Es wird dir als Schwäche angehängt, wenn du dich mit vielen Gebieten auseinandersetzt und dir vielseitige Kompetenzen aneignest. Das ist ein Garant für Misserfolg.

Demnach bin ich ein Versager mit Weitsicht. Wenn ich z.B. als Sportfotograf wahrgenommen werden möchte, habe ich derzeit keine Chance, weil ich nicht nur Fotograf bin. Das ich als Ingenieur die physikalische und technische Seite der Fotografie besser intus habe, als jeder gelernte Fotograf ist nicht von Bedeutung. Das ich als Trainer die sportspezifische Seite gut drauf habe und ganz andere Einstellungen abbilde als ein anderer Nurfotograf ist auch uninteressant. Das ich als Psychoklemptner die Beziehungsebene mitsamt sämtlichen Persönlichkeits-Merkmalen in meine Arbeit integriere ist sogar bedrohlich. Na bitte, da habe ich viele Argumente aufgelistet um mein Versagen zu begründen – wie ich schon sagte – als Fotograf bilde ich mir was ein. Ganz lustig fand ich mal ein Argument einer netten Dame die mir vorwarf in mein Job als Geschäftsführer wegen der Fotografie zu vernachlässigen. Sie Argumentierte nämlich, wer so gute Fotos macht, kann nicht gleichzeitig eine Klinik führen. Sie hat nicht schlecht durch meine Tätigkeit Kohle einkassiert. Ebenfalls wurde mir meine Blogger- und Sportjournalistentätigkeit übel genommen. Schuster bleib bei deinen Leisten!

Horstl ist also ein Versager, weil er viel macht und nichts Richtig. Ich gebe zu, sehr darunter zu leiden. Mit meiner unbändigen Neugierde möglichst viel zu verstehen, manövriere ich mich zunehmend ins Abseits. Es nutzt auch nichts, wenn ich meinen Mitmenschen versuche klarzumachen, dass alles was in unserer Wahrnehmung existiert sich nach den gleichen Gesetzten abspielt. Was wir erleben ist ein ganz persönliches Abbild der Realität in unserer eigenen Vorstellung. Menschen haben im Laufe der Zeitgeschichte unterschiedliche Fachgebiete erschaffen um die Schnittstelle dieser „eigenen“ Realität zu beschreiben und mit anderen Zeitgenossen zu teilen. Kunst, Physik, Mathematik, Chemie, Sprachwissenschaften, Maschinenbau, Biologie, Fotografie, Medizin, Philosophie, Theologie, Psychologie, Musik… Würden wir nicht miteinander Kommunizieren, bräuchten wir kaum diese Wissensebenen. Demnach ist die Realität immer die Gleiche, der Zugang diese zu beschreiben um sie untereinander zu teilen ist unterschiedlich.  Das leisten die Fachgebiete. Sie beschreiben das Gleiche mit unterschiedlichen Mitteln. Jetzt bin ich etwas beruhigter, denn ich bin zwar ein Versager, aber dafür kein Fachidiot. Ich glaube schon über sehr viel Weitblick zu verfügen. Mir sind viele Zusammenhänge in Bezug auf uns Menschen bewusst, vor allem solche, die sonst wenige Menschen wahrhaben wollen. Daher verstehe ich die Vorsicht in Bezug auf meine Person. Ich mache auch Angst, bin unangenehm, ja gefährlich. Nun versichere ich, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Ich würde mir sehr viele Menschen wünschen, die den Mut finden sich vielseitiger, voller kindlicher Neugierde, neuen Wissensabenteuern widmen würden. Wir brauchen mehr Mut um den eingefleischten konservativen Hütern der Fachverbände, der Fachidiotie, der Konventionen und der Engstirnigkeit den Kampf anzusagen. Ich will Erfolg und ich will meine Kindheitsgefühle nicht im Stich lassen. Ich will offen meine Meinung sagen dürfen, meiner Vielseitigkeit den Rücken stärken, ohne befürchten zu müssen, als möchtegern, intellektueller Penner zu enden. Ich will Geschäftsführer, Fotograph, Blogger, Künstler, Journalist, Philosoph und Träumer sein. Ich will den Erfolg!

„Schuster, bleib bei deinen Leisten“ – mahnt die Gesellschaft. Das ist Größenwahn, was der da vorhat. Nein, ist es nicht. Dummerweise kenne ich mich da „auch“ aus. Meine Neugierde wird nicht durch eine Selbstwertproblematik angetrieben. Ich will das alles nicht um Defizite meiner Persönlichkeit durch erhöhte Aufmerksamkeit und Abhebung zu kompensieren. Ich will den Erfolg, weil ich ihn mir als Mensch hart und teuer verdient habe. Ich will andere Menschen anstecken und ihnen zeigen, dass es sich lohnt für die eigene Überzeugung zu kämpfen. Ich will sie ermutigen und ihnen klarmachen: BLEIBT NICHT BEI EUREN LEISTEN! Geht raus in die Welt des Wissens und der Erfahrung. Stellt die Experten in Frage. Misch euch in fremde Angelegenheiten ein. Nehmt euch die Zeit und lernt alles was euch interessiert. Lasst euch nicht einschüchtern und als Volltrotteln abstempeln. Macht Fehler und steht dazu. Träumt wieder, wie Kinder es tun. Seid neugierig auf euer Leben und das der Anderen. Es ist euer Leben und jede/r hat das Recht auf Erfolg. Wenn es mir nur gelingen würde, viele meiner Mitmenschen zum Nachdenken und zum Handeln zu motivieren, wäre es schon ein riesen Erfolg. Ich glaube das ist ein guter philosophischer Ansatz. Es gibt für mich eine einzige Begründung, die alle Zweifel für eine Einschränkung im Denken, Fühlen und Handeln verschwinden lässt. Die Liebe. Meine Liebe führt mich. Dafür lohnt es sich zu Kämpfen. Es fühlt sich Richtig an, auch wenn der Erfolg ausbleibt.

2 Gedanken zu „Erfolg

  1. GROSSES KOMPLIMENT!!
    Das hier geschriebene kann ich zu 100% unterschreiben!
    Jene, die anpassungsfähig – oder wie unser Verteidigungsminister Klug einmal sagte – „situationselastisch“ – sind wissen leider nicht, wie spannend das Leben sein kann. Du hast dadurch weniger Freunde, dafür aber zumeist die richtigen 😉
    Alles Gute und bleib dran – Reinhard

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