Erster & grauer Lauf-Advent 2014

Ich drücke euch die Daumen
Ich drücke euch die Daumen

Es ist wieder soweit. Die Weihnachtszeit ist da und somit auch die letzten Lauf-Wettbewerbe des Jahres. Ich werde nachher auch zum Adventlauf in Klagenfurt nicht vorbeischauen und Fotos machen.

Ich weiss bald werden wieder tausende von Bildern im Facebook auftauchen und noch mehr Likies mit überschwänglichen Lobeshymnen… ach wie toll du bist, du bist die Beste, wow – super Leistung, dritter in deiner Altersklasse…

Ich gönne jeder und jedem der sich angestrengt hat viele Likies. Was ich nicht gut finde, ist der ständige Vergleich mit anderen. Das macht auf Dauer Krank. Depression ist eine typische Auswirkung des ständigen Vergleiches mit anderen Menschen. Die ständige Aufwertung durch Leistung kann nur durch eine Abwertung anderer, schwächerer Mitstreiter, stattfinden. Das was wichtig wäre findet kaum statt: Der Vergleich mit sich selbst. Der ist bei den Profis Gang und Gebe – bei den Hobbyläufern leider die Ausnahme.

Also werde ich weiter hoffen. Sport ist schön und wichtig. Leistung ist auch wichtig. Besser als andere sein zu wollen, ist ein Zeichen von schwachem Selbstwert. Das bringt uns nicht weiter. Leider belohnen wir nur diese Eigenschaft, in der Schule, in der Familie, in der Arbeit, im Sport und im Leben. Das ist unser Verhängnis. Wir fördern eine selbswertverarmte Gesellschaft, die persönlichkeitsfeindlich gegen unsere Seelen agiert. Wir sollten damit aufhören, jetzt – sofort.

Erst kürzlich wurde ich für meine Aussagen bez. Sport und Leistung kritisiert. Es sei in der Natur des Menschen, vor allem der Männer, sich mit anderen zu vergleichen. Sie bräuchten das um daran zu wachsen und sich zu finden. Auch sei es wichtig über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen. Daher seien Wettkämpfe für die gesunde Entwicklung von großer Bedeutung. Seit je her messen sich Menschen (Männer) im Kampf.

Da ist was dran, sag ich. Wir haben uns wenig seit unserer Urzeit geändert. Wir Männer brauchen den männlichen Kampf, die Bestätigung der Stärke, der Potenz und der Überlegenheit. Es kann nur eine Nummer eins geben, der Beste, der Gewinner! Der bekommt das beste Weibchen. Und weil es in unserer Natur liegt, ist und bleibt es so. Wir verweigern eine Weiterentwicklung. Freilich kämpfen wir nicht wie Gladiatoren um Leben und Tot.  Wir machen es zivilisiert, in Wettkämpfen, auf Autobahnen, in Betrieben. Wir erschaffen wahre Meisterwerke in der Technik, der Medizin, der Naturwissenschaften und der Kunst und dann – welch Armutszeugnis legen wir gleichzeitig ab. Erziehen unsere Jungs als echte Kerle, die das Raufen brauchen und unsere Mädchen sollen auf solche Raufbolde abfahren, denn die sind stark. In den Sportvereinen geht es um Leistung, die Schnellsten, die Stärksten und die Besten. Sie sind Wertvoller und werden bevorzugt. Das ist gut so, weil der Mensch so veranlagt ist! Der Verein ist erfolgreich, weil er die Besten der Besten hat und dadurch mehr Geld, Ruhm und Ehre bekommt????

Heute ist der erste Advent 2014. Ich habe einen Traum. Bitte, bitte liebe Menschen, glaubt an eure Fähigkeit euch und die Welt verändern zu können.  Denkt daran, wie Schmerzhaft es ist, wenn eure Kinder von anderen „geschlagen“ werden, weil sie vielleicht nicht ganz so schnell oder stark wie Andere sind. Denkt daran, wie schmerzhaft es ist, immer wieder spüren müssen nicht ganz so erfolgreich, schön, intelligent, reich, angesehen, beliebt, interessant… wie andere Menschen zu sein. Denkt daran wie stolz ihr auf euch gewesen und ihr dann im Vergleich gedemütigt worden seid. Denkt daran, wie viel von euch dadurch zerstört wurde. Denkt daran, dass ihr es wieder aufbauen könnt und glaubt nicht, dass alles was immer so war auch so bleiben muss.

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