Irrational

horstl

Wenn bestimmte Ereignisse in Form von Streß, Konflikte, Veränderungen, Müdigkeit, Erschöpfung, etc. auftreten, dann neigen wir mit bestimmten Mustern zu reagieren. Das tun wir, weil wir es seit frühester Kindheit so gelernt und erfahren haben. Dieses Verhalten ist nicht grundsätzlich schlecht, denn es bedeutet, dass wir schnell reagieren können. Schnelligkeit ist eins der markantesten  Selektionsvorteile und daher haben wir dadurch sicher bessere Überlebenschancen gehabt. Während der Kindheit entwickelt sich unser Gehirn indem Bahnen erstellt werden. Wie eine Landkarte mit Straßen, die zu weiteren Anschlussstellen führen und ein Verkehrsnetz bilden. Nach der Pubertät sind diese Bahnen festzementiert. Wir lernen sie zu benutzen und lernen bestimmte Wege zu unseren Zielen zu wählen. Wir brauchen nicht jedesmal neu zu planen, wir kennen die üblichen Wege.

Es gibt kein Vorteil ohne Nachteil. Albert Ellis hat sich im Laufe seines Lebens sehr intensiv mit diesen Automatismen beschäftigt. Er spricht von sogenannten irrationalen Überzeugungen, die mitunter zu sehr negativen Gefühlen führen. Besonders in kritischen Situationen behauptet Ellis, dass diese erlernte Routen (Überzeugungen) irrational und für uns schädlich sind, da sie zu negativen Gefühlen führen. Er hat zunächst 11 Überzeugungen definiert und entsprechend erläutert. Ellis behauptet, dass für Menschen  in allen Kulturen mindestens 3 davon zutreffen. Als Verhaltenstherapeut forderte er diese zu hinterfragen und gegebenenfalls in bestimmten Situationen (Settings) durch andere, der Zeit und der Situation entsprechendere Gedankengänge zu ersetzten. Diese neuen Gedankengänge bezeichnete er als rationale Überzeugungen.

Aber ist es möglich alte Überzeugungen durch neue, passendere zu ersetzen? Ich behaupte ja, das geht. Allerdings kostet es viel Energie und Zeit. In einem dichten Straßennetz neue Straßen zu errichten ist nicht ganz einfach, denn die alten Straßen können kaum dem Erdboden gleichgemacht werden. Sie können allenfalls stillgelegt werden. Genauso scheint es mit unser Gehirn zu sein. Das Problem ist den Gedanken klarzumachen, dass sie die alte Route nicht mehr benutzen soll.

Ich mache jetzt einen kleinen Gedankensprung. Viele Vorurteile sind irrational. Sie entstehen meistens aus einem gesellschaftlichen Hintergrund, nämlich aus Schutz vor fremde und bedrohliche Einflüsse. So gesehen sind Vorurteile durchaus sinnvoll. Trump, Le Pen, Orban, Pegida, AFD etc. bedienen sich recht erfolgreich solcher Vorurteile. Sie verändern nicht unsere Meinung wie viele Kritiker behaupten. Sie aktivieren nur unsere vorhandenen Vorurteile indem sie diese als wichtige, überlebensnotwendige Überzeugung anpreisen. Sie verstärken unsere Existenzangst indem sie behaupten, dass neue Wege, neue Einflüsse, neue Gedanken sofort zu unserem kollektiven Untergang führen. Sie benutzen die Hetze, das Werte wie Abendland, Demokratie, Wohlstand, usw. durch andere, und fremde Ideologien ersetzt werden. Sie fordern uns eigehend zum Inzest auf. Diese Ideologien bedienen sich unserer Vorurteile und wie gesagt – Vorurteile zu haben ist aus meiner Sicht nicht negativ, sondern sehr wichtig, denn ansonsten könnten wir kaum einen Sozialverband aufbauen. Ich glaube es wäre unendlich wichtig für uns über unsere Vorurteile bescheid zu wissen, diese zu akzeptieren und gleichzeitig zu hinterfragen, sie gegebenenfalls zu revidieren. Alles was fremd ist macht uns unsicher und ängstlich aber es fordert uns auch. Das berühmte Prinzip der Diversität (Diversity) ist in den Gebieten der Soziologie, Psychologie, Chemie, Biologie, Physik, Wirtschaft, Philosophie, Theologie ausgiebig als der Antreiber jeglicher Weiterentwicklung beschreiben. Jing-Jang, Mann-Frau, Liebe-Hass, etc.. Gegensätze ziehen sich an, brauchen sich gegenseitig um miteinander zu wachsen. Es geht um Leben und Tod, es geht um Überleben oder Aussterben. Hetzer, die unsere Vorurteile gegen uns selbst benutzen führen uns in den „sicheren“ Tod durch den kulturellen Inzest. Sie nehmen uns die Möglichkeit genau diese so lebensnotwendige Diversität zu erfahren. Sie wollen uns glauben lassen, dass unsere Identität mit den fremdartigen Vorurteilen für immer verloren geht. Sie wollen uns überzeugen, dass wir assimiliert werden. Ich behaupte sie irren sich. Ich rufe hiermit meine Mitmenschen auf das Fremdartige, auch wenn es uns Angst macht,  zu begrüßen. Lassen wir die Lust, die Leidenschaft, die Unsicherheit, die Zweifel, die Empörung, das Unverständnis, die Panik, die Neugierde, das Unvorhersehbare der Neuheit auf uns wirken. Lassen wir eine Entwicklung zu und vertrauen uns als bestehende Gesellschaft. Nehmen wir die Stärken an und lehnen wir die Schwächen ab. Gehen wir das Risiko „Leben“ ein, denn leben ist nun mal gefährlich. Lernen wir wieder abenteuerlich zu Denken, zu Fühlen und zu Handeln und machen wir wieder richtigen geilen Sex miteinander, voller Leidenschaft, voller Liebe und voller Hoffnung, indem wir das fremdartige in uns zulassen.

Ich bin es so leid mir diese entsetzlich-langweiligen Kotzargumente über … wir müssen uns Schützen … anhören zu müssen. Klar benutzen diese Demagogen die Vorurteile fremder Kulturen um uns in unseren Vorurteilen zu bestärken. Das macht absolut Sinn, wenn man untergehen will! Ich weiß nicht wie es anderen geht – horstl will nicht untergehen, er will leben und sein Leben richtig genießen; auch wenn er dabei das Risiko eingeht sich manchmal vor Angst in die Hosen zu machen, er sich anstrengen muss, Fehler macht, sich geniert, sich entschuldigen muss und manchmal verliert. Er will kein Weltverbesserer und Besserwisser sein, auch will er nicht Idioten eines besseren belehren. Er will nur seine Wut über die Dummheit seiner Mitmenschen ausdrücken und ihnen in den Arsch treten, damit sie endlich aufwachen und was für sich tun. Horstl ärgert sich über diese Vergeudung von Lebensfreude und Lebenslust. Nicht die Hetzer sind Schuld am Untergang, sondern die Menschen die ihnen folgen. Die angepassten Biedermänner und Biederfrauen, die tagtäglich vor der Glotze hocken und ihre Vorurteile bestätigt bekommen, zustimmend nicken und behaupten: „endlich einer der das Kind beim Nahmen nennt“. Wie langweilig ihr doch seid! Ja, ich habe auch viele Vorurteile. Ich glaube ganz sicher zu wissen, dass ihr armselige, langweilige, dekadente, verbitterte, verklemmte, entwicklungsgestörte und dem Untergang geweihte Wesen seid. Hab ich euch beleidigt? Gut so, denn auch ihr beleidigt mich jeden Tag aufs Neue.

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