Lasst uns streiten

Ausgangslage
Herrlich – mit das beste an den sozialen Netzwerken, ist der Nebeneffekt einer breitgefächerten, lebendigen Streitplattform. Das habe ich in meinen Anfängen im siber net auch ausführlich getestet und ausgereizt. Gezielte, am besten polarisierende Aussagen posten und bumm – schon geht die Post ab. So wird man unliebsame Facebookfreunde schnell los. Hinterher bleibt, je nach Qualität der Intervention, ein Schlachtfeld übrig. Der Wiederaufbau kann beginnen.

Streitbereitschaft
Menschen streiten. Sie brauchen das. Sie wollen recht haben und sie wollen vor allem ihr Recht durchsetzten. Einige von uns gehen sehr verbissen in den Streit hinein, die anderen ziehen bald den Schwanz ein. Viele wollen schlichten, denn sie sind Konfliktvermeider und wollen Frieden haben. Einige wenige lernen daraus. Diese bunte Kombination lässt sich gut im Netz nachverfolgen.

Ein Denkmodell
Ich stelle mir vor, dass Millionen an geladenen Waffen unterschiedlichster Art und Kaliber im Netz nur darauf warten abgefeuert zu werden. Waffen sind da um damit zu feuern. Die Amis wollen uns klarmachen, dass Waffen notwendig sind um zu verhindern, dass andere Waffen abgefeuert werden. Im übertragendem Sinne bedeutet es: wir haben unter uns Menschen, die schießen. Daher müssen auch solche die sonst nicht schießen würden, sich bewaffnen. Damit verhindern wir, dass geschossen wird. Die, die sich aber nicht bewaffnen wollen, sind die Konfliktvermeider. Einige wenige lernen daraus und legen ihre Waffen nieder. Alle notwendigen Ingredienzen für ein Kriegsschuaplatz sind somit erfüllt.

Triggepunkt
Ausgehend von dieser Bedrohung, die selbstverständlich hausgemacht und in unserer eigenen Verantwortung als streitbare Spezies liegt, bedarf es nur einer winzigen kleinen Fingerkrümmung um eine globale Katastrophe auszulösen. Je nach dem, wie geschickt, gewollt oder ungewollt, diese winzige Fingerkrümmung stattfindet, geht die Post ab. Manchmal passiert so etwas „rein zufällig“ und ein wahrer Krieg bricht aus. Manchmal wird scharf geschossen, doch die erhoffte Wirkung bleibt aus; ganz wie im realen Leben.

Fazit
Menschen streiten. Viele Menschen streiten mehr. Ganz viele Menschen streiten noch mehr. Auch wenn wir nicht mehr streiten wollen, werden wir weiterhin streiten. Es wird uns nicht gelingen alle Waffen niederzulegen. Wenn wir es schaffen einige davon zu entsorgen, ist uns damit etwas geholfen. Es gibt Waffen, weil wir uns gegenseitig weh tun. Das lässt sich nicht verhindern. Wir können nur, jeder für sich, versuchen nicht andere dafür zu bestrafen und verantwortlich zu machen. Unsere Wut ist ein Ausdruck einer inneren Verletzung. Ich kann weinen oder wild um mich schlagen oder sogar schießen. Ich bin der Meinung, dass wir zu wenig und zu spät weinen. Mir gehen immer wieder Nachkriegsbilder durch den Kopf – von weinenden Menschen in Trümmerlandschaften. Wir werden lernen müssen nicht immer zu warten, bis alles zu spät ist. Das gilt nicht nur für das Weinen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.