Lauftechnik – Feinschliff

Spitzenläufer Geoffrey Ndungu Gikuni aus dem Run2Gether Team mit neuer Lauftechnik 2:50 min/km
Spitzenläufer Geoffrey Gikuni NDUNGU aus dem Run2Gether Team mit neuer Lauftechnik ; 2:50 min/km

Geoffrey ist eigentlich ein Bergläufer. Seine sehr gute Marathonzeit von 2:08 verdankt er seiner überragender Konstitution. Er könnte mehr. Daher wagt er eine Technikumstellung. Ziel ist es ökonomischer zu werden. Für ein Profiläufer ein gewagtes Unterfangen, denn seine Performance wird zunächst dabei leiden. Meine Philosophie ist: „weniger ist mehr“, so habe ich mich entschieden ihn sehr vorsichtig auf den Asphalt vorzubereiten. Stabilität im Rumpf, Arbeit am Gluteus maximus, minimus und medius sollen nach und nach die Mittelfußtechnik  unterstützen. Bergläufer haben eine relativ lange Bodenkontaktzeit. Das gilt es zu optimieren.

Impuls üben. Für Geoffrey am Berg gehend
Impuls üben. Für Geoffrey am Berg gehend

Uphill am Vorderfuß? Normalerweise schon. Für Geoffrey habe ich mir was spezielles überlegt. Er sollte den Hügel gehend mit der gesamten Fußablage bewältigen. Dabei wird im letzten Moment, idealer weise kurz vor der Beinstreckung, ein ruckartiger schneller Kraftaufbau erzeugt. Das schult einerseits den kurzen Absprung, anderseits bringt es die bekannten Koordinantionsmuster durcheinander. Mein Tip ist es, Altbekanntes zu verwirren um Neues leichter zu erlernen. Geoffrey ist niemals ein Berg so hochgelaufen. Der Trick dabei ist, dass er sich deswegen in Zukunft schwer tun wird, in seine altbekannte Bewegungsweise zurück zu verfallen. Dieses „Durcheinanderbringen“ macht aber nur dann Sinn, wenn man sehr gezielt neue Bewegungsmuster damit verknüpft. Auch hier – weniger ist mehr!

Supination passt - immer auf natürliche Bewegungsabläufe achten
Supination passt – immer auf natürliche Bewegungsabläufe achten

Nach dieser Übung geht es sofort mit dem Laufen weiter. Impuls beim Absprung, kurzer Bodenkontakt, saubere Mittelfußtechnik. Ganz wichtig: immer  auf die natürlichen physiognomischen Eigenschaften des Menschen in der Dynamik achten. Eine kurze Bodenkontaktzeit verkürzt die Belastungszeit des Bewegungsapparates, erhöht dafür die kurzfristigen Kräfteeinwirkungen. Insgesamt ist es für den Läufer von Vorteil, da die Regenerationszeit für die Muskulatur zwischen den einzelnen Schritten höher wird und er mehr Zeit für den Aufbau der Schrittlänge bekommt. Ebenfalls ist es möglich bei gleichem Energieaufwand die Schrittfrequenz zu erhöhen. Das wollen wir  – längere Schritte und höhere Frequenz bei gleichem Energieaufwand. Dafür gibt es den auch begriff Laufökonomie.

Von der Supination zur Pronation - wer das beherrscht, braucht keine Schuh-Dämpfung
Von der Supination zur Pronation – wer das beherrscht, braucht keine Schuh-Dämpfung

Die Eingebaute Dämpfung unseres Bewegungsapparates ist einfach genial. Höchstmögliche GESUNDE Laufeffizienz kann man nur erreichen, wenn man diese natürliche Eigenschaft auch trainiert. Nur so wird es möglich sein, eine kurze Bodenkontaktzeit zu gewährleisten. Gedämpfte Schuhe sind Energiekiller, weil sie die Kontaktzeit enorm erhöhen. Die Energie wird anstatt in Bewegung in Wärme umgewandelt. Mag sein, dass das für schwere Hobbyläufer von Vorteil ist. Für Profis kaum!

Gehe immer mit einem guten Gefühl in die Regeneration. Für Geoffrey ist es sicher nicht leicht sein Laufleben derart umzukrempeln. Natürlich spürt er, dass es schwerer ist anders zu laufen. Ich sehe es ihm an, dass er sich „komisch“ vorkommt, denn es fühlt sich so anders an. Daher lasse ich ihn sich am Schluss der Session immer austoben. Ich sage zum ihm: „lauf einfach so wie du willst, denke an nichts was ich dir gesagt habe“…

…und dann lacht mein Herz, er hat schon soviel gelernt und es gibt doch noch einiges zu tun 🙂 bin zuversichtlich und dankbar ihn begleiten zu dürfen

Eine kurze Videosequenz findest du: hier

 

4 Gedanken zu „Lauftechnik – Feinschliff

  1. Super interessanter Bericht u. Studie,
    fasziniert mich total.
    Ich bin leider schon viel zu alt, um es mir anzueignen.
    sportliche Grüße
    Peter vom run2gether team

  2. Finde es auch sehr interessant. Und ich denke auch das es schwer ist seine Bewegungsmuster abzulegen. Macht der Gewohnheit. Aber für mehr effizienz ist es das wert. Bin auf seinen nächsten Marathon gespannt.

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