Massenbewegung

Das soziologische Phänomen, sich zu Interessengemeinschaften zu formieren, ist anhand vieler Beispiele belegbar. Ein gutes Beispiel dazu, ist die Bauernbewegung der 20er Jahre. Dabei gilt es, ein wichtiger Aspekt solcher  Bewegungen zu berücksichtigen. Sie sind durchaus in der Lage tiefgreifende gesellschaftliche und politische Veränderungen herbei zu führen.

Öffentliche Hinrichtungen haben sich gerne dieser urmenschlichen Eigenschaft bedient. Wer hat nicht die Bilder wutentbrannter Menschen im Kopf, die sich die Seele aus dem Leib schreien und Gerechtigkeit im gleichem Atemzug mit Vergeltung fordern. Das ist heute nicht mehr so, zumindest nicht mehr ganz so. Auch hier, soll nicht Kritik im Vordergrund stehen, sondern der Versuch zu verstehen. Ist es nicht so, dass wir zutiefst verletzt sind und diese Massenbewegungen nutzen um mit unserem Schmerz abzuschließen. Beschuldigen tut gut, alles aus uns herauszubrüllen, einen Schuldigen für unsere enttäuschte Seele verantwortlich zu machen. Wir Steinigen nicht mehr, wir wohnen keinen Verbrennungen oder Enthauptungen mehr bei. Wir haben die Medien!

Für mich hat dieses soziologische Phänomen auch einen durchaus sozialen, sehr wertvollen Aspekt. Massenbewegungen im friedlichen Sinne, wie z.B., wenn Menschen zusammenkommen um gemeinsam Friede, Freude, Musik, Theater, Kunst, karitative Projekte und vieles mehr zu feiern, dann ist diese Eigenschaft Gold wert. Nicht zu vergessen den geliebten Sport.

Es hat noch niemals Sinn gemacht, soziologische Aspekte ohne Einbeziehung der psychologischen Ebene zu betrachten und natürlich auch umgekehrt. Daher wundere ich mich kaum, wenn wieder Massenhinrichtungen via Facebook, Twitter, Presse oder TV stattfinden. Es tut mir nur sehr weh, weil ich genau weiss, dass alle die da mitmachen im tiefsten inneren sehr sehr verletzt sind. Sie sind unfähig die Verantwortung für ihr Schicksal persönlich zu übernehmen. Daher brauchen sie Opfer. Leider sind sie genauso hilflos die Verantwortung für die eigene Liebe und Herzensgüte zu übernehmen. Sie können nicht verzeihen, nicht einmal sich selbst. Sie suchen auch diesen Durst, in positiver und negativer Hinsicht, in der Massenbewegung stillen zu können.

Massenbewegungen sind aus meiner Sicht wichtig für uns. Soziologisch geben sie uns die Chance Korrekturen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene vorzunehmen. Psychologisch führen sie uns ein Spiegelbild unserer momentanen persönlichen Entwicklung vor Augen. Wir können daraus lernen oder weiterhin verzweifeln. Ich habe einen Satz von Epiktet der beide Ebenen auf den Punkt bringt gefunden:

„Denn sie wollen das, was zu ihrem Glücke beiträgt, aber sie suchen es, wo es nicht ist“

Aber wo sollen es wir dann finden?   Nun, das ist eine andere Geschichte, die wohl ein Leben lang ausfüllt :). Es kann eine sehr schöne Geschichte werden, was nicht heissen soll, dass es einfach sein wird diese zu gestalten.

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