Mein Fluch der Sinne

horstl zieht in die Stadt ab. Er muss für die Fernbedienung zwei Batterien Typ 2035 besorgen, denn Wasser ist irgendwie auf die Tastenmaschine eingedrungen und die Energiezellen entladen. Die rund 2,5 Kilometer einfacher Strecke bewältige ich zu Fuss, muss ja mich, zwecks Gesundheit, bewegen. Traumfrau sagt das und hat Recht. Sie ist nicht da, hab sie zur Hebalm gefahren, weil sie ihren Trainerkurs wieder hat. Ich ahne nichts Gutes – so ohne Frau. Meine Ahnung hat mich nicht enttäuscht. Kaum aus der Türe heraus, ist das alte, seit jeher bekannte, „ich werde erschlagen Gefühl“ wieder da. Was ist das, was ich da meine? Nun, endlich habe ich es verstanden oder besser gesagt, erfasst. Gewusst habe ich es schon immer. Ich konnte es aber nicht erklären. Jetzt kann ich es – endlich!

„High Sensitivity“ dieser Begriff, der durch Elaine Aron bereits 1991 geprägt wurde, war mir schon lange bekannt. Nun neige ich wenig dazu, solche Dinge auf mich zu beziehen. Nehme ich ihre Checkliste, dann bin ich hyperobermegasensiebel – 100% der Kriterien treffen auf mich zu. Für mich ist diese Realität absolut normal, kenn ja nichts anderes. Jetzt verstehe ich aber meine Umwelt und meine Mitmenschen besser. Bin wohl auch sehr anstrengend – ab und dann – wenn ich mich nicht zusammenreiße. Vielleicht ist das alles nur Einbildung, oder erfunden oder wahr – wer weiss.

Meine Gabe ist auch mein Fluch
Ich sehe viele Dinge, die anderen Menschen verborgen bleiben. Früher dachte ich: horstl du bist so eingebildet, behalte diese Sachen für dich. Du bist narzisstisch, glaubst besonders zu sein oder gar den anderen überlegen, weil du checkst wie sie Ticken.“ Also habe ich mich versteckt, im Beruf, Privat und öffentlich. Teilweise habe ich Menschen geholfen, nein nicht teilweise – immer wenn ich konnte. Oft bin ich beschimpft worden und wie ich heute weiss, wäre das nicht nötig gewesen. Es lag auch an mir. Aber das ist eine andere Geschichte.

Was ist an mir anders?
Also wieder zu meiner Fernbedienung. Kaum verlasse ich die Wohnung, knallt mir die Sonne in die Augen. Das tut richtig weh und ich bin wieder mitten in meiner Kindheit. Der gleiche Schmerz, das selbe Gefühl der Enge und Unsicherheit. Es dauert eine Weile bis ich an den Zebrastreifen gelange. Autos fahren mit 60 bis 70 Sachen, es ist bedrohlich laut. Jetzt sind die Geräusche und das Licht so intensiv, dass ich regelrechte Schmerzen empfinde. Ich habe gelernt damit umzugehen, mich anzupassen. Es dauert etwas, dann geht’s. Langsam kann ich die wärmende Sonne genießen. Eine Frau sitzt am Steuer eines Porsche Cayenne. Der dumpfe Sound lässt auf ein Turbobenziener schließen. Ich sollte Recht behalten – turbo-s lese ich, d.h., 570 PS. Frau: große Brille verdeckt die wunderschönen (traurigen) Augen; Anmutig; Gesicht wie gemeißelt; erhabener stolzer Kopf; weiche elfenhafte Schultern; ihr Busen perfekt zum Top passend; die Arme elegant und harmonisch unverkrampft; die feinen Hände halten mit femininer Gleichgültigkeit das Lenkrad fest. Ich würde sie gerne aussteigen sehen, wie sie sich bewegt, ihre Beine, ihren Po. Ich habe bereits ein ganzes Bild von ihr und ich möchte sehen ob ich richtig liege. Ich weiss, dass ich sie ganz gut einschätzen kann. 570 PS passen zu einer zarten, 40 jährigen elfenhaften Frau; vor allem dann, wenn ihr Gesicht verrät, dass sie nicht zärtlich gestreichelt wird, sondern…
Ich gehe weiter, der Porsche samt Elfe ist Geschichte. Ein Mann in meinem Alter kommt mir entgegen. Er sieht geknickt aus, kommt wohl gerade vom Arzt. Tiefe Ringe um die Augen halten ihn nicht davon ab sich eine Zigarette anzuzünden. Sein Gesicht ist voller Kummer, er bemerkt schnell, dass ich ihn anschaue. Ich grüße ihn – weiß nicht warum. Er grüßt nicht zurück. Ich glaube er würde weglaufen, wenn er könnte. Ich versetze mich in seine Welt. Jeder von uns hat eine eigene Welt, eine Geschichte. Wovon hast du mal geträumt, was hast du dir gewünscht, was hast du bekommen? Bist du geliebt worden und durftest du lieben? Haben dich deine Kinder enttäuscht oder du sie? Würdest du die Elfenfrau im Porsche begehren? Hättest du Angst sie anzuschauen oder zu berühren? Ein Gefühl der Trauer und der Bedrückung breitet sich in mir aus. Warum gibt es so viele traurige Menschen…
Kaum an der Fußgängerampel angelangt, werde ich erneut abgelenkt. Vor mir steht eine Frau mit Kinderwagen und Tangahöschen. Irgendwie passt das nicht. Eine weisse Caprihose die so durchsichtig ist, dass man alles genauer sieht als ohne Hose. Sie ist attraktiv, nicht mehr und nicht weniger. Ich überhole sie beim Überqueren der Strasse, weil ich ihr Gesicht sehen will. Als ich mich umdrehe lächelt sie mich an. Sie hat gewusst, dass ich mich umdrehen werde. Das ist keine Kunst, bei so einem Tangahöschen. Sie ist hübsch und sieht sehr zufrieden aus mit ihrem Kind. Ihr lächeln war warm und herzlich – so wie man es von einer jungen Mutter erwartet. Sie hat sich wohl gefühlt – auch als Frau gesehen zu werden. Ich verstehe sie sehr gut und ich bin mir sehr sicher, dass sie heute noch oft ihre Fraulichkeit spüren wird. Recht hat sie…
Nun komme ich meinem Ziel im Stadtkern näher. Es wuselt nur so von Menschen. Das ist für mich ein Horror. Wieder in meiner Kindheit angelangt, spüre ich diese unglaubliche Beklemmung. Es wird so eng um mich herum, schrill, laut und bedrohlich. Tausende Wesen strömen in mir – wo soll ich hinschauen, was soll ich erfassen. Es ist so, als ob tausende parallel-Universen mich überfluten, jedes wichtiger und spannender als das andere. Dann komme ich an der Vollzugsanstalt vorbei und werde von meiner Überflutung erlöst. Ein bildhübscher Junge um die 20 steht an der Pforte und wartet. Sein Gesicht ist so klar und regelmäßig – den hätte ich gerne als Fotomodell. Seine ganze Haltung ist einfach wunderschön. Ich empfinde Bewunderung; kein Neid oder sowas ähnliches. Dann passiert ein Wunder. Ein Mann um die 45 kommt aus der Anstalt. Er steht zunächst etwas unbeholfen da und weiss nicht wohin mit seinem Blick und sich selbst. Der Junge geht auf ihn zu und weint unmerklich. Sie umarmen sich. Ich empfinde unendliche Scham. Ich komme mir so fies, wie ein widerlicher Eindringling vor. Ich zwinge mich wegzuschauen und weiter zu gehen. Dann bin ich überwältigt – auch ich hätte im Knast landen können und auch ich habe einen Sohn…
Am Eingang des Einkaufszentrums bin ich absolut platt. Die Invasion von Sinnesreizen zerlegen mich nach Strich und Faden. Nur mit Mühe und 50 jähriger Routine kann ich meine Haltung bewahren. Das ich so Manche(n) angestarrt habe, kann ich aus den Gesichtern deuten. Die haben mich sicher für einen Spinner oder Geisteskranken gehalten. Ich erwäge mir einen Zettel um den Hals zu Binden (ist nicht so gemeint: bin High Sensivity). Im Elektroladen bleibe ich ersteinmal bei den Fotokameras stehen. Das beruhigt meine Sinne. Gott sei Dank habe ich bald wieder einen shooting vor mir – das bringt mich wieder runter. Die Batterien hab ich auch gefunden.

Die Heimkehr war ähnlich aufregend. Für heute habe ich eigentlich genug erlebt. Leider muss ich noch mal raus. Das wird sicher wieder sehr anstrengend. Wenn Traumfrau heute Abend mit mir telefoniert, wird sie mich fragen: „Na Schatz, was hast du heute so gemacht?“ Ich werde sagen, „nichts besonderes mein Schatz, war  zu Fuß Batterien einkaufen und danach habe ich deine Athleten betreut.“ Was solls – ich kenn es nicht anders 😉 Immerhin – die Fernbedienung tut wieder.

Ich freue mich wieder bald Traumfrau bei mir zu haben. Wenn sie da ist finde ich Frieden in mir. Bei ihr darf ich alles sein was ich bin. An ihrer Seite finde ich Frieden, denn sie schützt mich durch Liebe und ihre Präsenz. Manchmal glaube ich fast sie rettet mich vor der Einsamkeit. Das ist ein großes Geschenk – und irgendwie wünsche ich es jedem Menschen auf dieser Welt. Geliebt zu werden und lieben zu dürfen stillt die übersensiblen Sinne unendlich – DANKE

 

My curse of the senses

 

horstl (me) must go to town. He must get two batteries type 2035 for the remote control, because water is somehow penetrated on the key machine and discharging the energy cells. That about 2.5 km of single track I walk, for the purpose of health. Dream wife (my wife) says and is entitled to. She is not there, have driven them to the Hebalm because it again has her trainer course. I suspect nothing good – so without wife. Barely out of the door, the old sense is back, since always been known, this „I’ll kill feeling“. What is that, what I mean here? Well, finally I have got it or rather, captures what its is? I have always known it. But I couldn’t explain it. Now I can do it – finally!

„High Sensitivity“ this term, established in 1991 by Elaine Aron, was long and well-known to me. Now I have not tend to refer such matters about me. If I take her checklist, then I am Hyper mega sensitive — 100% of the criteria apply to me. For me, this reality is absolutely normal, know anything else, but now I understand my environment and my fellow humans better. I’m probably also very exhausting – from time to time – if I don’t pull me together. Maybe this is just my imagination, or invented, or true – who knows.

My gift is also my curse
I see many things that other people are hidden. Formerly I used to think: horstl you’re so vain, keep these things for you. You’re narcissistic, believing to be special or even the superior the others, because you check as they ticked. So I hid, in the profession, private and public. Sometimes, I have helped people, no, not only partially, whenever I could. Often I’m been insulted and as I know today, that was not necessary. It was also me. But that’s a another story.

What is different about me?
So back to my remote control. Hardly, I leave the apartment, the Sun pops my eyes brutally. It hurts really, and I’m back in my childhood. The same pain, the same feeling of narrowness and the well-known uncertainty. It takes a while until I get to the cross walk. Cars stuff with 40 to 50 mph, it’s threatening loud. Now, the sounds and the lights are so intense that I felt real pain. In such case, I’ve learned to cope and to suit me. It takes a while, then gets better. Slowly, I can enjoy the warm sun. I discover a woman behind the wheel of a Porsche Cayenne. The dull sound suggests a Turbo petrol engine. I should keep right – I read turbo s, i.e., 570 HP. Woman: large glasses covered the beautiful (sad) eyes; graceful; Face as chiseled; exalted proud head; soft fairy tale shoulders; her breasts perfectly fits to the top; the arms, elegant and harmoniously uninhibited; the fine hands hold the steering wheel with feminine indifferent elegance. I’d see she likes to get off, how she moves, her legs, her bottom. I already have a whole picture of her and I want to see if I’m right. I know that I can access them quite well. 570 HP fit to a delicate, 40-year-old fairy woman, especially if her face betrays that she is not tenderly caressed, but…

I go further, the Porsche including the fairy tale woman is past. A man at my age comes towards me. He looks crestfallen, comes just from the doctor around the corner may be. Deep rings around his eyes does not keep him from take a new cigarette. His face is full of grief, he quickly noticed that I look at him intensively. I salute him – don’t know why. He didn’t greets me back. I think he would run away if he could. I disassociate, putting myself in his world. Each of us has a world of its own, a very personal story. What did you dream, what did you wish, what did you get? Are you loved and they let you love? Have your kids disappointed you or you them? Would you covet the fairy woman in a Porsche? Do you fear to touch or look at them? A feeling of sadness and of oppression is spreading in me. Why are there so many sad people…

Arrived barely at the pedestrian crossing, I’m distracted again. A woman with stroller and thong underwear is in front of me. Somehow that doesn’t fit. A white Capri pants that is so transparent, that you see everything better as without pants. She is attractive, not more and not less. I overtake she when crossing the street, because I want to see her face. As I turn around she smiles at me. She knew, I’ll turn around. This is no wonder, with such a thong string. Her smile was warm and welcome – so as you would expect from a young mother. She has probably felt well – to be seen also as a woman and not only as a lovely mother. I understand very well, and I’m very sure that she is still often feel her femininity today. She’s right…

Now I come closer to my target in the Center. It wobbles of people. It’s a horror for me. Back in my childhood, I feel this incredible anxiety. It is so tight around me, flashy, loud and threatening. Thousands of beings flock to me – where should I look, what should I track? It is any more important and more exciting than the other, as if parallel universes simultaneously infiltrate me. Then I pass the correctional facility and will be redeemed from my flood. A boy, prettier as a picture, arround 20 years old stands at the gate and wait. His face is so clear and regularly – I would like him as photo model. His whole appearance is simply beautiful. I feel admiration; no envy or anything similar. Then a miracle happened. A man, about 45 years old, comes out of the prison. He is initially somewhat clumsy and he don’t know where with his views and themselves. The boy, crying imperceptibly, goes to him and they embrace. I feel infinite shame because I’m watching this intimate encounter. I force myself to look the other way and to go further. Then I am overwhelmed – I can also land in jail, and I also have a son…

I am absolutely knocked over at the entrance of the shopping centre. The invasions of sensory stimuli disassemble me good and proper. Only with effort and 50-year-old routine, I can’t keep my posture. I can read from the faces of some victims, that I have stared inappropriate. They have kept me safe for stupid or mentally ill. I am considering to put me a piece of paper around my neck (not so mean: am high sensitive). Arrived at the electrical shop, I stop first to photo cameras. This soothes my senses. Thank God I have soon one photo shooting before me – this brings me down again. I have also found the batteries.

The homecoming was similarly exciting. I’ve actually seen enough for today. Unfortunately I must still go out again. If dream wife today evening phone to me, she will ask: „Well, honey, what did you do today?“ I will respond: „nothing special was my treasure, walking batteries shopping and then I have looked after your athletes. What shall – I don’t know it otherwise 😉 Anyway – the remote control works again.

I am very delighted to have dream wife with me again soon. If she is here, I find peace in my thoughts and feelings. At her side, she protects me by love and their presence. Sometimes I think almost she saves me from loneliness that is caused by this gift. Love and trust are a great gifts – and somehow I wish this every person in this world. To be loved and to love quenches the over sensitive senses infinitely .

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