Nix fuck you Goethe

„Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat.“ Johann Wolfgang von Goethe

Ja, ich bin ein Fan von Goethe. Diese Aussage über Bücher trifft vorzüglich auf Lehrbücher zu. Das mag wohl damit verbunden sein, dass Lehrmeister gerne damit prahlen etwas zu wissen – oder zumindest glauben sie etwas zu wissen. Da finde ich sofort ein weiters Zitat von ihm… „Es ist nichts schrecklicher als eine tätige Unwissenheit.“ wenn das nicht passt! So ist es bei Goethe, er hatte eine äußerst feine art Narzissten in den Arsch zu treten.

Aber Goethe hatte mehr drauf. „Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben.“  Das finde ich erstaunlich, nämlich die Begriffe Liebe und Irrtum in derartiger Weise zu verknüpfen. Ehrlich, darüber habe ich sehr lange nachgedacht und ich tue es weiterhin. Wer hier Gegensätze sucht, liegt aus meiner Sicht falsch. Ebenfalls wer Irrtum als negativ behaftetes Wort interpretiert. Seit dem ich verlernt habe, dass irren was schlimmes ist, sondern was wertvolles ist um daraus zu wachsen, kann ich von ganzen Herzen lieben. Stellt sich die Frage, ob wir eher lieben könnten, wenn wir nicht, etwa durch gewisse Bücher, ständig vorgeführt bekämen, wie wenig wir im Vergleich zu den Gelehrten wissen. Ganz ehrlich, es hat mich sehr viel Arbeit gekostet die Traumatisierung meiner Fehlbarkeit zu überwinden. Nicht weil ich fehlbar bin, sondern weil mir eingetrichtert worden ist, dass ich nicht liebenswert bin, wenn ich Fehler mache! Daher denke ich oft an Goethes Aussage. Wir steuern in eine „der lasse sich begraben“ Weltordnung hinein. Wenn wir Menschen erst nach einer gewissen Reife im Alter, nach einem schmerzhaften Lern- und Bewältigungsprozeß, fähig sind zu lieben… na denn prost. Das macht wenig Sinn und doch ist es die Regel. Das Problem hängt sicher mit der „tätigen Unwissenheit“, die hormonbedingt ihr Unwesen treibt, zusammen. Wir kriegen es einfach nicht gebacken unsere Triebhaftigkeit und Geltungssucht in geordnete Bahnen zu lenken. Dabei wäre es theoretisch recht einfach. Die Voraussetzung dafür zu schaffen ist nahezu unmöglich. Die gesamte Weltordnung, die auf Vergleich, Leistung, Auf- und Abwertung, Recht und Unrecht aufgebaut ist, ist unbrauchbar und müsste neu organisiert werden. Wir müssten erkennen, dass wir und geirrt haben und lieben. Da wir das nicht schaffen… „der lasse sich begraben“

Epilog
Es werden immer mehr. Auch wenn ich schwarzmale erkenne ich Mitmenschen, die bereit sind zu irren und zu lieben. Sie schreiben Bücher, die dafür bestimmt sind aus ihnen zu lernen. Im übertragendem Sinne sind ihre Bücher Lebensgeschichten. Sie wirken und stecken andere und mich an. So mache ich Fehler und versuche mich nicht mehr dafür schuldig zu fühlen. Ich höre langsam auf, mich und andere für diese Fehler zu bestrafen und ich lerne dabei noch mehr zu lieben. Eines Tages wird es mir hoffentlich auch gelingen meine Enttäuschung und meine Wut über das was wir uns tagtäglich gegenseitig antun zu bewältigen. Dann werde ich ein Buch schreiben.

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