Normalität

Norm ist gut. Das muss ein Ingenieur wie ich verbreiten. DIN. DIN ist kein Name, sondern steht für „Deutsches Institut für Normung“. Wer kennt das nicht – DIN A4 – z.B.. Normen sind Standards und Europa ist schon durchwuchert von Standards. Auf dieser Ebene sprechen wir über ISO.

Aber wie komme ich auf solche Gedanken? erst vorgestern liefen wir in Berlin an der DIN-Zentrale vorbei. Ganz obergescheid belehrte ich die beste Frau der Welt, dass DIN „Deutsche Industrie-Norm“ bedeutet. Ferner erzählte ich, wie sehr mein Ingenieurstudium von DIN-Normen geprägt war und von ISO habe ich auch geschwafelt. Freilich brauche ich das ganze Zeug nicht mehr obwohl auch im Krankenhauswesen die Zertifizierungen nach ISO 9001 gang und gebe sind. Klar, es gibt ja noch die KTQ Zertifizierung und die Österreicher haben ein eigenes System entwickelt. Aber das hat nur am Rande was mit DIN zu tun. Normung hat nämlich mit Qualitätskriterien zu tun. Wenn ich „normal bin, erfülle ich daher logischerweise eine gewisse Qualität. Normal = Gut und nicht Mittelmäßig wie man glaubt. In der Norm ist auch eine Abweichung definiert, d.h., es werden zulässige Ungenauigkeiten in der Einhaltung der Vorgabe zugelassen. Ebenso bei meiner Normalität. Über- oder unterschreite ich diese zulässigen Grenzen bin ich nicht mehr GUT, sondern BESSER oder SCHLECHTER als die Norm.

Bald sind wir am Hotel zur Pressekonferenz der Sieger des Berliner Marathons angekommen. Im meinem Kopf rattert es immer wilder. Die hochphilosophischen Fragen drängen zu meinem Bewusstsein mit brachialer Präsenz durch; „mein Gott wie ist das jetzt, wenn BESSER heisst es trotzdem die Norm ist erfüllt, nur bei SCHLECHTER nicht erfüllt worden? Da kommt schon der frisch gebackene neue Weltmeister Kimetto, na der ist sicher nicht NORMAL 3:02:57 für 42,195 km. Kurz darauf erscheint die Anna freudestrahlend mit ihrer neuen Bestzeit von 2:26:44. Anna ist auf jeden fall erfrischend NORMAL geblieben. Nur jetzt ist sie geschminkt, kommt vom Fernsehen. Ich kenne sie nicht so und stutze etwas. Meine Birne gibt endlich ruhe und freut sich über die Mischung aus kognitiver Gelassenheit und emotionaler Wärme. Ich freue mich für sie und ich hoffe sie genießt diese Zeit. Als die Beste Frau der Welt nach der Konferenz mich wieder durch Berlin zum nächsten Meeting führt, empfinde ich Dankbarkeit. Ich glaube kein NORMALES Leben zu führen, aber ein Stinknormales Dasein zu genießen. Wir haben in Berlin noch sehr außergewöhnliche liebe Menschen getroffen. Keiner von ihnen ist NORMAL, sondern wie jeder andere auch – etwas ganz BESONDERES. Ist doch logisch… oder absolut normal.

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