RAW-Format

RAW Format ist für die Fotografie eine feine Sache. Puristen mögen das nicht immer. Die Rohdaten bleiben in ihrem Ursprung als digitale Daten original erhalten. Diese Grunddaten können immer neu bearbeitet werden. Es entspricht quasi dem früheren entwickelten Negativ, der durch unterschiedliche Belichtungen und Abzüge zu Papier gebracht wurde. Ich finde da ist das RAW Format dem Alten Negativ sogar weit überlegen, denn bei der Entwicklung des Filmes könnte viel falsch gemacht werden. Da wurde auch viel falsch gemacht. Das RAW Format ist ein echtes Original, dass sich niemals verändert. Darauf zurückzugreifen und neue Entwicklungen vorzunehmen ist wie einem altem Musikstück neue Interpretationen angedeihen zu lassen. Alles kann verändert werden, die Noten bleiben die Gleichen.

Ein Beispiel

Das Original RAW-Bild
Das Original RAW-Bild

Dieses Bild wurde mit 1/640 Sek;   f/11;   ISO 200 mit einer Brennweite von 26mm aufgenommen. Es hat eine Größe 24MB was für ein RAW – Bild relativ wenig ist. So sieht das Bild als Original aus. Ich habe nicht geblitzt und mir sichtlich keine Mühe gegeben ein Kunstwerk zu erstellen. Das Bild ist einfach schlecht, weil der Fotograf Mist gebaut hat. Und doch stehen im Bild sehr viele Informationen, die für unser Auge nicht sichtbar sind, zur Verfügung. Welche denn? Da mache ich mich mal auf die Suche. In erster Linie interessiert mich die Läuferin. Ihr Ausdruck ist spannend – ihr Laufstil absolut bescheiden. Ich habe mich ohnehin gefragt, wie sie so schnell laufen konnte. Na gut, aber darüber soll es hier ja nicht gehen!

Erste Annäherung

Fokus auf Läuferin
Fokus auf Läuferin

Im ersten Schritt habe ich den Ausdruck der Anstrengung sichtbar gemacht. Im RAW-Bild ist er vorhanden. Wäre das nicht der Fall, könnte man auch nichts erkennen. Die Änderungen sind nur durch Tiefe-, Helligkeit- und Kontrastveränderungen zustande gekommen.

Veränderungen Ja oder Nein

Jetzt ist der Punkt da, wo man darüber nachdenken sollte, ob eine aktive Veränderung der Information vorgenommen werden sollte, oder auch nicht. Die Sportlerin wird wahrscheinlich JA BITTE sagen. Siehe diese miserablen Bilder der Anna Fenninger in Österreichs Sportmagazin. Das ist alles andere – nur nicht die Anna. Man kann es auch sehr moderat machen wie z.B. so.

Bildschirmfoto 2014-10-27 um 19.16.33
Original
leicht retuschiert
leicht retuschiert

Klar verliert der Gesichtsausdruck an Dramatik – gewinnt aber an Attraktivität. Wie gesagt, das ist einfach Geschmacksache. Für dieses Beispiel nehme ich das retuschierte Gesicht. Im Original RAW – Format habe ich ja immer das Original! Die Läuferin währe jetzt erstmal bearbeitet. Nun kommt die Entscheidung, ob der Rest des Bildes auch noch gut verwertbare Infos besitzt.

Weitere Infos

Dazu schauen wir uns mal das gesamte Bild an. Der Hintergrund ist einfach grauenhaft und passt überhaupt nicht zur Läuferin. Die gesamten Veränderungen haben sich nur auf die Läuferin positiv ausgewirkt.

Passt so ganz und gar nicht zusammen
Passt so ganz und gar nicht zusammen

Abhilfe

Für den geübten Fotobearbeiter ist das kein Problem die Farbgebung der Läuferin mit dem Hintergrund harmonisch anzupassen. Das würde ich tun, wenn der Hintergrund reizvoll und bereichernd wäre. In diesem Fall finde ich den Bildschnitt schlecht. Es gibt also in diesem Fall keinen Grund sich groß Mühe zu geben Venezia zu bearbeiten. Da gibt es jetzt viele Tricks die mangelhaften Fotokünste zu kaschieren.

Hintergrund anders gestalten als Objekt
Hintergrund anders gestalten als Objekt

Freistellung

Ich habe hier ein Beispiel einer typischen Freistellung gewählt. Der Hintergrund ist nicht mehr so präsent, unterstützt jedoch den Fokus auf die Läuferin dadurch umso mehr. Hier gibt es Millionen an Gestaltungsmöglichkeiten. Mehr werde ich hier nicht verraten 😉

Harmonisierung

Das ist so eine Marotte von mir. Ich liebe die Bildharmonie und noch mehr die Bilddramatik. Das was das Bild durch die Bearbeitung an Dramatik verloren hat, mag ich ihm zurückgeben. Das ist so mein Anspruch – wie ich das mache bleibt auch mein Geheimnis. Ich denke jeder entwickelt sein Stil. So würde ich das bei diesem Bild machen, aber wie gesagt – die Möglichkeiten Fotos zu gestalten sind unendlich gross. Und das Gute an der Sache – die Originaldatei bleibt unangetastet. Viel Spaß beim ausprobieren.

 

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Verspielte Fotografen sind mir die liebsten. Eine gewisse Besessenheit ist sicher typisch für kreative Knipser. Was ich nicht mag sind Bilder, die durch Grafiker perfekt versaut wurden und eine Welt zeigen, die jegliche Phantasie killt. Solche Sterilität ist groß in Mode, leider auch bei Sportler & Sportlerinnen. Ich weiß nicht was sich die Fotografen dabei denken – oder geht es um das Geschäft?

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