Schnelle Beine

Gazellen beim Crosslauf in Kenia - sie dominieren Weltweit
Gazellen beim Crosslauf in Kenia – sie dominieren Weltweit

Vor gut einem Jahr durfte ich diese Laufshow miterleben. Elegante und schnelle Beine huschten über das Gelände mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Heute werde ich wieder brav meine Trainingseinheit absolvieren und dabei versuchen diese Bilder beim Laufen auf mich wirken zu lassen. Ich vermisse die Lauf-Leichtigkeit, die mir in meiner Jugend eigen war. Damals, mit 57Kg und dünnen, leichten Beinen schwebte ich nur so dahin. Heute, mit 68Kg, fühle ich mich wie ein träges Trampeltier. Wenn ich dann auch noch meine Laufbegegnungen bei meinem Training antreffe, dann frage ich mich, ob es bei mir auch so bescheuert ausschaut wie bei denen. Ganz ehrlich, ich freue mich für jeden Menschen der läuft und ich bin wirklich nicht derjenige, der langsame Läufer abwertet. Aber ich muss mir schon zugestehen, dass bei den meisten Läufern es nicht sehr nach Laufen ausschaut. Erst gestern kam mir ein Typ entgegen, der Waden wie ein Gewichtheber hatte, seine Oberschenkel waren so dick wie mein Bauchumfang und das alles war im engen Triathletenanzug verpackt. Das sah einfach beschissen aus – so beim Laufen. Gut, der Gute kann ja nichts dafür, dass er nicht die ideale Läuferfigur hat und ich finde es gut wenn er läuft. Aber diese Angeberei und Zurschaustellung seiner Körperlichkeit ist schon widerlich. Ich glaube manche fühlen sich wie Gazellen und haben ein falsches Eigenbild. Na ja, aber zurück zu meinem Empfinden. Ich träume oft von meiner verlorengegangenen jugendlichen Dynamik. Wisst ihr noch wie es so als Kind war? Purzelbäume schlagen, den ganzen Tag herumtoben, spurten, toben, Hacken schlagen, rauf und runterspringen… ach ja, dass war was. Die Leichtigkeit statt der Trägheit der Masse in der Bewegung erfahren fehlt mir sehr. Springe ich heute aus einem Meter Höhe herunter, spüre ich meine Füße und alle Knochen beim Aufprall. Früher waren zwei Meter kaum ein Thema. Ist das alles eine Alterserscheinung? Werde ich niemals mehr so leicht wie eine Feder sein?

Sprungkraft und schnelle Beine bei jedem Schritt
Sprungkraft und schnelle Beine bei jedem Schritt – eine Jugendangelegenheit

Ich befürchte das diese Zeiten für mich vorbei sind. Wieder eine niedrige 3er Pace auf 5k zu Laufen ist nicht mehr drinn. Mein Körper würde es mir sehr übel nehmen. Daher verstehe ich Männer in meinem Alter nicht, die sich zu solchen Anstrengungen zwingen. Ich stehe oft am Ziel von Läufen und sehe wie TeilnehmerInnen nach dem Lauf total kollabieren. Die schlimmsten von allen, sind die zwischen 40 – 60. Das ist wirklich grausig. Die Erkenntnis zu alt für Höchstleistungen zu sein, fällt mir auch nicht gerade leicht. Ich werde nicht mehr fliegen können. Was mir bleibt ist die Erinnerung daran. Es gibt dafür andere Lauftugenden für uns Oldies zu entdecken. Wir können an unsere Laufeleganz arbeiten und nicht wie wildgewordene, stampfende, schnaufende und schwitzende  Rhinozerosse im lächerlichen Triathletenanzug unsere Umwelt verpesten – das wäre doch was, oder? Auch Oldies können schick und zügig die Laufbeine schwingen. Was wir nicht durch jugendliche Spitzigkeit und Schnellkraft tun können, kompensieren wir durch Erfahrung und Technik. Die schnellsten sind wir nicht mehr, keine Frage – aber das bedeutet nicht, dass wir nicht mehr Laufen können. Im übertragendem Sinne gilt das auch für sehr viele Lebensbereiche, die großen Spaß bereiten 🙂 Das funktioniert nur dann, wenn wir uns nicht wie pubertierende Jungprotze verhalten. Also meine Herren – zeigt was ihr drauf habt!

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