Sex am Arbeitsplatz / Teil3

Im dritten und letzten Teil fasse ich ein paar Gedanken zusammen, in der Hoffnung zum besseren Umgang im Arbeitsalltag mit Sexualität anzuregen. Fast, aber nur fast bereue ich meinen Mut. Nun, so bin ich halt – immer auf der Suche nach Erkenntnis.

Sexualität am Arbeitsplatz überfordert uns mehr als wir wahrhaben wollen. Tabus helfen uns  in dieser Fragestellung überhaupt nicht weiter, davon bin ich absolut überzeugt. Macht und Sexualität sind miteinander verkoppelt. Und Arbeit ist durch und durch mit Machstrukturen durchsetzt. Unzählige gutgehende Betreibe, sogar Konzerne, sind an Macht und Sexmachenschaften zugrunde gegangen. Der Mensch hat seine Probleme im Umgang mit Macht und, vor allem, im Umgang mit Sex. Sei es das gockelhafte Alphamännchen-Gehabe, die unterwürfige Tussi oder die unerfüllte Liebeserwartung. Alle Spektren spiegeln sich im Arbeitsfeld wieder. So zu tun als sei da nichts und die entstandenen Probleme dann auf der Strafebene isoliert zu lösen, ist aus meiner Sicht ein Fehler. Vielmehr geht es darum, nach Lösungen zu suchen um im Vorfeld die Spannungsfelder unter Kontrolle zu bringen. Wir steuern geradewegs in amerikanische Verhältnisse. Jeder Mann ist ein Täter, jede Frau ein Opfer, jeder Vorgesetzte ein korruptes Schwein. Die Juristen frohlocken, wir leiden.

Sicher ist es naiv sämtliche Probleme auf unsere verkorkste Kommunikation bezüglich Sexualität zu reduzieren. Sie nimmt jedoch wesentlich mehr Raum im Arbeitsalltag, als wir wahrhaben wollen. Das mag für viele nervig sein – aber es zu leugnen bringt uns sicher nicht weiter. Lernen wir mit unserer Sexualität umzugehen. Reden wir nicht über Bienchensex, sondern versuchen unsere Bedürfnisse zu fassen. Wenn ich weiss, wie ich gestrickt bin, was mich reizt, was mir fehlt, was ich mir wünsche und was ich für mich brauche, dann kann ich eher damit umgehen, als wenn ich prüde unterdrücke und schönrede. Ich meine jetzt nicht wir sollen unsere Intimsphäre öffentlich outen und Gruppensextherapie machen. Das ist ekelhaft und irgendwo krank. Viele Sekten und kranke Therapeuten haben sich dieser Methode bedient, um erst recht Menschen zu missbrauchen. Was ich meine, ist eine Entzauberung des Verbotenen, des „pfui, es darf nicht sein“ Syndroms. Wenn ich weiss, welchen Wert mein Partner oder Partnerin für mich hat, was ich gebe, was ich bekomme, was ich mir wünsche und was ich erwarte, dann kann ich lernen es zu äußern ohne Angst zu haben abgewiesen zu werden.
Lernen wir auch in den Arbeitsstätten dieses Thema nicht zu tabuisieren oder kleinzureden. Nochmals, es geht hier nicht um die Einführung von Sexworkshops, sondern um Aufklärung. Sexualität ist omnipräsent und zwar bei beiden Geschlechtern. Sie ist weder hui noch pfui, sondern einfach da. Die übergriffigen Pfuimacher sind widerlich. Aber deswegen sind die sexuellen Signale und die entsprechenden Wahrnehmungen nicht Pfui. Wenn wir das akzeptieren und es als ein Teil von uns anerkennen, wird diese furchtbare Verklemmung deutlich nachlassen. Wenn wir auch dieser Ebene innerhalb der Betreibe Raum geben, werden Mitarbeiter die Möglichkeit bekommen, vorhandene Muster in ihren Arbeitsstätten zu erkennen. Sie werden sich in diesem Setting trauen darüber zu reflektieren. Sie werden fähig sein, ihr Verhalten zu überprüfen und es wird ein Dialog entstehen. Hier ist es eminent wichtig darauf zu achten, dass ja nicht die Diskussion in einer Beschuldigung mancher Mitarbeiter ausartet. Daher braucht man Profis, die die Moderation übernehmen und alle Mitarbeiter schützen. Ich bin absolut überzeugt, dass dadurch sehr viele Probleme mit Belästigungen erst garnicht auftreten würden und viel Leid erspart bliebe. Aber nochmals ganz klar: es geht nicht um Taten zu vertuschen, Täter freizusprechen, Opfer zum Schweigen zu bringen. Es geht eher darum vorab solche Situationen erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Ein gewagtes Thema? Eigentlich nicht. Als Mann behaupte ich, das es unzählige attraktive Frauen für jeden Mann gibt. Ich glaube kaum, dass es aus Frauensicht viel anders ist. Ebenfalls wird es für Homosexuelle auch so sein. Es wird uns viel beigebracht im Leben. Wir lernen viel über Toleranz und Achtung, über Anstand und Sitte und noch weitere Gesellschaftlichen Pflichten. Was wir nicht lernen ist, wie wir mit unserer Sexualität umgehen sollen. Ich habe weder von meinen Eltern noch in den Schulen was darüber erfahren. Da tun wir uns sehr, sehr schwer. Dabei ist es so einfach. Zulassen heisst nicht das wir durch Kontroll- und Impulsverlust zu Sexbestien werden und ist schon gar nicht ein Indiz für eine perverse Veranlagung. Unterdrücken, Tabuisieren, in den Dreck ziehen, von sich weisen, und ähnliche Dinge sind mitverantwortlich für das, was in unsrer Gesellschaft floriert. Billiger Porno, kaputte Beziehungen, gestörte Verhaltensweisen, unzählige sexuelle Überschreitungen, Aggressionen, usw.. Ich behaupte, dass in den Betrieben sehr viel deswegen schief läuft. Ich befürchte zuhause auch.

Ich wünsche meinen Mitmenschen eine erfüllte Sexualität voller Leidenschaft und Zärtlichkeit. Auch jenen, die ich sagenhaft sexy finde – aber nicht mit mir, sondern mit ihren eigenen Männern und Frauen.

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