Spuren hinterlassen

SONY DSC

Ich möchte aufhören zu denken, aufhören zu spüren und nichts weiter tun – als sein. Geht das? Eher nicht. Gefangen bin ich im Versuch das Denken zu verstehen, denn dafür muss ich denken wie ich denke. Das geht meines Erachtens nicht. Ich würde gerne eine neue Ebene fernab des Denkens aufsuchen, die mir den notwendigen Abstand zum Verständnis verschafft. Wer glaubt mit Fühlen, Spüren oder gar Intuition käme der Sache näher, der irrt. Alles was wir tun ist dem Denken untergeordnet. Es ist, als wollten wir ein Universum von außen betrachten, ohne es verlassen zu können. Das geht freilich nicht. Mag sein, dass wir Modelle erdenken können, solche die höhere Ebenen wie Götter oder übernatürliche Phänomene beinhalten. Auch diese müssen wir uns erdenken – wir sind gefangen. Aber wie soll es weitergehen, wie sollen wir uns befreien? Wie können wir aufhören zu denken und jegliche kognitive Aktivität überwinden? Ich befürchte das ist der Tod und der hat noch Zeit; so hoffe ich doch. Die Illusion, wir könnten danach reincarniert werden, halte ich persönlich für Wunschdenken und daher als Humbug. Bis dahin werde ich Spuren hinterlassen und zwar ganz bewußte Spuren. Groß, auffällig und sichtbar sollen diese sein.

Wer ganz bewußt spuren hinterlässt, hat sich auch ganz bewußt darüber Gedanken gemacht es zu tun. Entweder es handelt sich um einen unverbesserlichen Narzisst, der Angst vor dem Sterben hat und sich dadurch ein Mahnmal der Unsterblichkeit erschaffen möchte, oder um einen unverbesserlichen Optimist. Ich gehöre zur zweiten Kategorie, eine Weiterentwicklung der zuvor genannten Spezies. Wie auch immer, es ist eine große Gabe des denkenden Wesens vergessen zu können. Manchmal kommt das verdrängte Vergessene unverhofft ins Bewusstsein, so wie es gerade jetzt bei mir der Fall ist. Ich war kein guter Mensch. Wer Spuren hinterlassen möchte, begibt sich der Gefahr im vergangenem Leben durchleuchtet zu werden. Das Gewesene wird zur Gegenwart, die Spuren der Verdienste vernichtet. Nicht selten werden die Verbliebenen mit in den Dreck hineingezogen. Diese Verantwortung möchte ich meiden. So wäre es mir doch lieber in der Versenkung der breiten Masse ungesehen zu bleiben, zu Leben, zu vergessen und mir nicht zu viele Gedanken über diese Welt zu machen. Das Geheimnis „Leben“ werde ich durch meine Gedanken nicht lösen können. Wenn ich nur diese Neugierde für einen Moment ablegen könnte, Mann wäre das angenehm. Daran muss ich noch hart arbeiten. „Kleiner Mann – was nun“, Hans Falladas berühmtes Roman bringt es auf dem Punkt. Nur der Rückzug auf das private kleine Glück eines Menschen sichert das Überleben. Danach möchte ich streben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.