Um den heissen Brei

Du bist so hart? Ich bin nicht hart. Ich bin einfach klar. Ein Beispiel gefälligst? Sehr gerne. Elisabeth ist vielleicht kein sehr häufiger Name, ihr Charakter dafür umso häufiger in unsrer Welt vertreten.

Oft haben wir Angst die Kontrolle zu verlieren - Bing der Damm wenn wir Klartext reden, kommt die große Katastrophe?
Oft haben wir Angst die Kontrolle zu verlieren – bricht der Damm wenn wir Klartext reden, kommt die große Katastrophe? Wenn der Druck unerträglich wird, sollten wir nicht mehr um den heissen Brei herumreden.

Elisabeth hat Probleme. Sie ist klug, alleinerziehend eines Kindes und oft überbelastet. Sie ist sozial sehr kompetent und hat sich ein Freundeskreis aufgebaut. Ihr Kind ist mittlerweile in der Pubertät. Sie leidet, weil sie gerne einen Partner hätte, den sie aber gleichzeitig nicht zulassen kann. Im Laufe der Jahre hat sie eine symbiotische Beziehung zu ihrem Kind entwickelt. Ein Partner hätte da ohnehin keinen Platz gehabt. Das Kind übernimmt teilweise eine Partnerrolle, teilweise bester Freund oder Freundin und manchmal darf es Kind sein. Viele Rollen und wenig Eigenleben verhindern eine individuelle Persönlichkeitsbildung des Kindes. Die starke körperliche Nähe zur Mutter ist für außenstehende auffallend. Das Kind klammert, mag nicht allein sein und ist mit den Problemen der Mutter bestens vertraut. Der gesamte Kommunikationsablauf ist für einen außenstehenden Menschen befremdlich, wirkt ungewohnt und unnatürlich. Viele Freunde und Bekannte spüren ein „da stimmt was nicht“, wagen es aber nicht zu äußern. Sie schauen betreten weg, fühlen sich unwohl und bedauern Elisabeth. Sie hatte es schwer, sie hat es schwer und sie wird es in Zukunft auch schwer haben. Was wir aber übersehen ist, dass wir damit Elisabeths Problematik direkt in die Hände spielen. Sie bekommt Zuneigung und Aufmerksamkeit aus Mitleid und genau das verstärkt ihre Probleme. In der Folge, die ihres Kindes auch. Das ungesunde System bekommt kontinuierlich neue Nahrung und eine Berechtigung zur Existenz. Es funktioniert. Wie? Ganz einfach. Wenn sich Elisabeth wieder leer und einsam fühlt, dann nutzt sie jede Gelegenheit es ihrer Umwelt mitzuteilen. Ihr Ausdruck, ihre Stimmlage, ihre Mimik und Gestik, ihre Wortwahl sind mittlerweile derart geschult, dass sie somit einen enormen Druck auf ihre Mitmenschen und Kinder ausüben kann. In der Arbeit, in der Freizeit oder in anderen Institutionen hascht sie nach Mitleid. Ganz subtil erzeugt sie gnadenlos ein schlechtes Gewissen bei ihren Mitmenschen, indem sie nicht müde wird ihr Leid zu klagen. Sie gibt sich extrem fürsorglich und sozial gerecht, nicht selten ist sie ausgerechnet in solchen Einrichtungen tätig. Dort findet sie Verständnis und die Aufmerksamkeit, die sie wieder aufbauen soll. Dann, mit etwas Glück, ist sie wieder strahlend und bestens gelaunt – bis zur nächsten Krise. Sie ist ständig in psychotherapeutischer Behandlung und versucht ihre Kindheit zurecht zu biegen. Sie versucht ihre Traumatas zu kurieren und sie versucht ganz einfach glücklich zu werden. Es gelingt ihr nicht. Sie versucht Partnerschaften, Ausbildungen, Freundschaften, Arbeitsstellen und vieles mehr. Die einzige Konstante in ihrem Leben bleibt ihr Verhalten. Sie buhlt immer nach Zuneigung und Verständnis, bindet Menschen und Kinder in einer Abhängigkeitsform an sich, kippt wiederholt stimmungsmäsig von Hocherfreut zu tiefst Depressiv. Wenn jemand Klartext mit Elisabeth redet, dann wendet sie sich empört von ihm ab. Aber sie hat kaum was zu befürchten, denn Menschen ziehen es in der Regel vor… um den heissen Brei herum zu reden. Mein Mentor sagte vor vielen Jahren zu mir: „das sind die Menschen, die dich ständig in die Zwickmühle von wasch mich, aber mach mich ja nicht nass bringen wollen. Nimm ein Kübel Wasser, das hilft manchmal.“ Wie recht er hatte. Ja ich bin sehr klar, nicht hart, wenn ich mein Kübel Wasser dabei habe.

Ich nehme Dich in meine Arme, gebe Dir Liebe und Wärme, habe vollstes Verständnis für Dich, wenn du endlich den Mut gefasst hast, für Dich und Dein Leben, mit all Deinen Schmerzen Verantwortung zu übernehmen. Es ist Dein Leben, es sind Deine Schmerzen, es sind Deine Probleme, nicht meine! Mache nicht andere und mich dafür Verantwortlich. Lerne Dich selbst nass zu waschen. Das bist Du Dir und Deinen Mitmenschen schuldig.

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