Unliebsame Gedanken – unliebsame Gäste

Vorwort
Ein Zitat von Lessing hat mich angeregt über die wenig erfreulichen Gedanken nachzudenken. Ich bin nicht der Ansicht, es sei gut diese sich frei austoben zu lassen. Das führt zur Anarchie. Sie unterdrücken und von unserem Bewusstsein zu verbannen, halte ich jedoch auch für unklug.

„Deine Begierden und dein Geschmack sind jetzt deine Tyrannen. Laß es gut sein; man muß sie austoben lassen. Sich ihnen widersetzen, ist Torheit. Sie werden am sichersten eingeschläfert und endlich gar überwunden, wenn man ihnen freies Feld läßt.“ – Gotthold Ephraim Lessing

Ein Bewältigungsansatz
„Daran darfst du nicht einmal Denken“ Wer kennt das nicht. Diese Gedanken, die im Kopf unkontrolliert herumgeistern können einem schon mächtig zusetzten. Sie existieren und müssen ihr dunkles Dasein, tief vor der Menschheit versteckt, in trauriger Einsamkeit verbringen. Einstweilen quälen sie uns unentwegt und fordern gehört zu werden, um dann doch wieder in die Versenkung der Wahrnehmung verbannt zu werden. Sie repräsentieren ein Seite, die wir nicht zeigen dürfen – eine verbotene Welt. Verboten ist, was nicht erlaubt ist. Das hat was mit Bestrafung zu tun. Denken wir verbotenes, müssen wir unmittelbar ein schlechtes Gewissen bekommen, ja vielleicht sogar eine panische Angst bestraft zu werden. Schlimmstenfalls befürchten wir die Kontrolle über uns zu verlieren, denn was passiert mit uns, sollten diese bösen Gedanken von uns Besitz ergreifen und tatsächlich unser Verhalten mitbestimmen? Dieser Spannungsbogen führt zwingend zu Zwangsgedanken – „du darfst das nicht, das tut man nicht, das sagt man nicht, so ist man nicht,.., das denkt man nicht“ An diesem Punkt angelangt, braucht man die Strafe durch Organe nicht mehr, da man sich selbst bestraft. Wie? Zum Beispiel durch Zwänge oder durch Abwertung bis hin zu autoaggressives Verhalten und Krankheit. Die Palette der Möglichkeiten ist weit gefächert. Sucht, Kasteiung, Zwangshandlungen und letztendlich völliger Kontrollverlust mit Fehlverhalten. Es ist der Kampf von Gut und Böse, der uns zusetzt. Die Gedanken sind frei, das deutsche Volkslied aus dem 17ten Jahrhundert spiegelt die Sehnsucht nach politischer Freiheit der damaligen Zeit wieder. Die Brutalität der Wortwahl trifft aus meiner Sicht die Situation  in unserem Alltagsleben nach wie vor ganz gut.


1. Die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei:
Die Gedanken sind frei!


Was bedeutet das für unsere unliebsamen Gedanken? Auch wenn jemand behauptet wissend und erfahren zu sein, meine ich, dass bei solch intimen Angelegenheiten es ratsam ist sich auf die ureigene Person zu beschränken. Daher formuliere ich die Frage neu: Was bedeutet das für mich? Ich muss lernen diesen Gedanken Raum zu geben, sie zulassen und ihnen ihre Existenz nicht verneinen. Ich muss lernen ihnen zuzuhören, sie ernst nehmen, die Angst vor ihnen zu überwinden und gegebenenfalls ihnen entschieden entgegen zu treten. Ich muss lernen meine Vorurteile zu überwinden, denn die Berührungsängste werden eine Kommunikation mit ihnen verhindern. Ich muss lernen mit ihnen zu reden und sie akzeptieren. Ich muss Argumente finden um sie zu besänftigen. Unterdrücke ich sie nicht mehr, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie mich in Ruhe lassen werden größer. Wenn ich das schaffe, kann ich von ihnen lernen und den Krieg verhindern.  Schließen wir den Frieden mit uns selbst, dann ist es leichter den gesamten Frieden zu bewahren. Verstehen, Verständnis und Verstand hängen kausal  zusammen. Wenn ich mir zugestehe was denken zu dürfen, egal wie schlimm es sein mag, dann bedeutet es noch lange nicht, dass ich mich danach richten muss oder werde. Unliebsame Gäste zu töten war noch nie eine gute Lösung. Das hat die Geschichte uns mehrfach und schmerzhaft gelehrt. Ich befürchte die Lektion haben wir noch immer nicht verstanden und ich hoffe ich werde mit meinem Beitrag nicht missverstanden. Ich bin weder Pervers noch krank – nur sehr offen und ehrlich 🙂


3. Ja fesselt man mich
Im finsteren Kerker,
So sind doch das nur
Vergebliche Werke.
Denn meine Gedanken
Zerreißen die Schranken
Und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei.


Freiheit ist mein Ziel, nicht auf Kosten anderer, nicht zum Schaden der Gesellschaft. Die faszinierende Schönheit dieser Welt und die der Menschen wird zu oft durch die Realität betrübt. Ja, sehr viele Einflüsse von Innen und von Außen stimmen mich nachdenklich. Ich bin sehr winzig und doch ist meine kleine Welt unendlich groß. Es ist alles was ich habe, dieses eine Leben und ich möchte es lebendig gestalten. Manchmal meine ich viel erreicht zu haben, dann werfen mich die Konventionen und die Angst, ja nichts falsch gemacht zu haben, in meine Kindheit zurück. Organe, Respektspersonen, Eltern, sie alle stellen mich in Frage und schon zweifle ich an mir. Böse Gedanken folgen, die vielleicht nicht sein dürften. Ich habe die Sehnsucht nach Erlösung. Ich bin mir sicher damit nicht allein auf dieser Welt zu sein. Vielleicht ist dieser Beitrag ein Versuch, sich diesen unliebsamen Gedanken zu stellen und …


4. Drum will ich auf immer
den Sorgen entsagen
und will mich auch nimmer
mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
Die Gedanken sind frei!


5. Ich liebe den Wein,
mein Mädchen vor allen,
sie tut mir allein
am besten gefallen.
Ich bin nicht alleine
bei meinem Glas Weine,
mein Mädchen dabei:
Die Gedanken sind frei!

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