Unordnung im Keller

Sechs Jahre. Ja, da wird es mal Zeit sich den Keller vorzunehmen. Das habe ich mir schon vor fünf, vier, drei, zwei und einem Jahr gedacht. Ein Keller zu haben ist der pure Luxus. Dort kann man Dinge abstellen, lagern, verstecken, wegräumen, …

Als Unbewusstseinsfanatiker klingelt es sofort in den Kellertiefen meines Wesens. Der Versuch das Unterbewusstsein mit einem Keller zu vergleichen ist nicht abwegig. Im Unterbewusstsein lagern viele Dinge, die abgestellt, versteckt oder weggeräumt wurden. Solche Dinge, die nicht unmittelbar gebraucht werden, jedoch unter Umständen nützlich sind. Solche Dinge, bei denen man es nicht übers Herz gebracht sie hat wegzuschmeißen. Solche Dinge, die wie ein Ballast an uns haften und wir nicht wissen, was wir mit ihnen da oben anstellen sollen.

… verstauen. Ab und dann, sollte man versuchen eine gewisse Ordnung in den Keller zu bringen. Fängt man damit an, merkt man sehr bald, dass ein gewisses Unbehagen, ja fast eine körperliche und emotionale Überforderung, sich ausbreitet. Nach kurzer Zeit steht man im totalen Chaos, mitten unter Kisten, Geräte, Spielsachen, alte Bücher, CDs, Werkzeuge, Fahrräder, Schier, Stöcke, Matratzen, Geschirr, Sportgeräte, Decken, Kissen, Schuhe, Kleider, Fotos, Briefe, usw.. Spätestens in diesem Moment verflucht man den dummen Einfall den Keller, mit der Absicht Ordnung zu schaffen, betreten zu haben. Das Eintreten der sofortigen Panikstarre wird durch die Enge des Raumes und der Dunkelheit um ein mehrfaches potenziert. Das Crescendo des Unbehagens führt letztendlich zur Todesangst: „Mein Gott, wie soll ich das jemals schaffen“…

Ich nehme mir Zeit. Ja klar, der Job, die Familie, die Freunde und die Pflichten haben Vorrang gehabt. Deshalb musste ich einiges auf die lange Bank schieben, vieles was zwar wichtig war, jedoch nicht in meinem Zeitplan gepasst hat. Jetzt merke ich, dass „mein Keller“ da unten absolut vollgestopft ist und aus allen Nähten platzt. Es belastet mich, denn ich schaffe es nicht mehr diesen Ballast zu verdrängen. Ich sammle all meine Kräfte und begebe mich dorthin – ich packe es an und mache Ordnung.

… Ok, ja nicht die Nerven verlieren. Durchschnaufen, Prioritäten setzten und ein Schlachtplan anfertigen ist angesagt. Das alles braucht Zeit; viel Zeit. Was in sechs Jahren entstanden ist sollte nicht in einem Tag erledigt werden. Viele Erinnerungen aus der Vergangenheit lagern hier unten. Manche sind wichtig und sollen bleiben. Andere sind überflüssig geworden und sollen gehen. Denen dürfen und sollen wir nachtrauern. Das braucht Zeit. Nach und nach kommt Ordnung. Mit der Ordnung breitet sich eine Erleichterung aus, denn es entsteht Raum. Raum für Bewegung und für neue Dinge, die wir in den Keller bringen können.

Jetzt merke ich erst, wie belastend diese verdrängte Ansammlung von ungeordneten, unerledigten Gedanken und Gefühlen ist. Verdrängung ist eine sehr wichtige Fähigkeit von uns. Sie schützt uns sehr, vorausgesetzt wir bemühen uns die Belastungen zu gegebener Zeit wieder aufzugreifen. Das vergessen wir leider allzu oft. Nun gut, jetzt packe ich es an. Es ist anstrengend, es ist belastend, es tut ganz schön weh und es braucht seine Zeit. Mit der Zeit kommt wieder eine innere Ordnung. Mit der Ordnung breitet sich Erleichterung aus, denn es entsteht Raum. Raum für Bewegung und neue Dinge, die ich in meinen Keller bringen kann.

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