Verletzungen & Sportler

Verletzungsbedingte Pausen sollte genutzt werden
Verletzungsbedingte Pausen sollten genutzt werden

Sportler sind ab und dann verletzt. Ich werde es mir ersparen hier vom Umgang mit Verletzungen zu schreiben. Dafür gibt es genug Zeitschriften, Expertenratschläge, Erfahrungsberichte usw., die sich ausgiebig mit diesem Thema auseinandersetzten. Ratschläge… ich kann sie nicht mehr hören.

Ich möchte von der Bewältigung der Situation verletzt zu sein schreiben. Egal auf welchem Leistungslevel, ist diese Situation für alle Sportler ähnlich. Glück hat man, wenn eine klare eindeutige Diagnose der Verletzungsart und Umfang möglich ist. Der Sportler weiss genau was er hat, was er tun muss um wieder gesund zu werden und wie lange er ausfallen wird. Das ermöglicht es uns auf eine Aufgabe, nämlich wieder gesund zu werden, zu fokussieren. Das ist eine Stärke der Sportler ohnehin.
Komplizierter wird es, wenn die Verletzungen schwer lokalisierbar und erfassbar sind. Viele konsultierte Experten sagen unterschiedliche Sachen, raten dies oder jenes, jagen einen eine Spritze nach der anderen in die betroffenen Stellen hinein, schicken uns zu KG usw.. Ich kenne viele Geschichten dieser Art. Es wird selten besser, meisten schlimmer. Die Folge ist eine völlige Ratlosigkeit der Sportler. Sie werden zunehmend frustrierter und verlieren mit der Zeit jegliche Hoffnung wieder richtig zu genesen. Ihr Wunsch geheilt zu werden steigt mit jedem neuem Expertenbesuch, ihr Vertrauen dagegen sinkt gegen Null. Diese Voraussetzungen sind für eine Heilung absolut kontraproduktiv. Hier werden die perfekten Bedingungen für eine Chronifiezerung der Symptome aufgebaut. Die Verletzung wird zum Dauerbegleiter des Sportlers – mal stärker, mal schwächer – aber immer da.
Muss das so enden? meine Meinung ist: NEIN!!! Aber wie sieht die Alternative aus? Hier meine Ideen (keine Ratschläge – nur Anregungen zum Nachdenken)

1.) Genaue Diagnose der Verletzung
Daran scheitert es meistens. Wenn ich durch Gewalteinwirkung, wie etwa ein Bruch oder eine Sehnenverletzung, Bänder- und Muskelfaserrisse, etc., sofort lahmgelegt werde, ist es sehr einfach klare Ursache und Wirkung festzustellen. Anders und häufiger sind die Verletzungen, die durch Überbelastung oder Fehlbelastung entstehen. Sie kommen schleichend und werden systematisch akuter. Der anfängliche leichte Schmerz ist meistens nicht genau lokalisierbar. Irgendwann wird er so quälend, dass man die Trainingseinheiten abbrechen muss. Typisch für diese Symptome sind Ermüdungsbrüche, Sehnenentzündungen, Knochenmarksödeme, Muskelverletzungen und Gelenksreizungen/Schädigungen. Die genaue Diagnose ist nicht immer leicht zu stellen. Die MR-Tomographie ist ein Segen was Diagnostik anbelangt. Das Problem sind die Kosten dieses Verfahrens. Daher wird meistens nur ein MR gemacht und damit hat es sich. Würde man zwei oder drei MRs an unterschiedlichen Tagen machen, um den Verlauf der Verletzung zu erfassen, würde man sehr viel besser diagnostizieren können. Viele Ermüdungsbrüche bleiben unbemerkt, auch Ödeme werden in ihrem Verhalten nicht erfasst. Die Therapeuten gehen von einem falschen Zustand der Verletzung aus. Sie vergeuden Mühe und Zeit, weil die Diagnose nicht aktuell, oder schlichtweg falsch ist. Ich würde so lange nerven, bis ich eine genaue valide und reliable Diagnose bekomme!

2.) Gezielte therapeutische Maßnahmen
Es ist absolut auffällig, dass nach Akutverletzungen die Rekonvaleszenz effektiver und schneller von Statten geht. Die Verletzungen, die schleichend aufgetreten sind, sind langwierig und schwerer zu behandeln. Ich behaupte es liegt an der ungenauen Diagnose. Daher wird unheimlich viel hineininterpretiert und ungenau herumtherapiert. Der Sportler bekommt tausend unterschiedliche Interpretationen und Meinungen, hunderttausende unterschiedliche Empfehlungen was er tun muss und millionen von Erklärungen warum er verletzt ist. Bei diesem Gemurkse kann es nur schiefgehen. Ganz unschuldig ist der Sportler an seiner Situation nicht. Die Ungeduld und der Wunsch einfach wieder voll Trainieren zu können, machen ihn zum Expertenkiller; denn sie fordern immer das Gleiche -> mach mich wieder gesund!

3) Klarheit verschaffen
Liebe SportlerInnen. Es sind eure Verletzungen, es sind eure Schmerzen. Als langjähriger Schmerztherapeut kann ich euch versichern, dass jeder Schmerz, jede Verletzung eine Berechtigung in eurem Leben hat. Das Wegmachen allein funktioniert auf Dauer nicht. Die Verletzung ist als Hinweis zu verstehen, dass irgendetwas nicht passt. Wir können daraus was über und für uns lernen. Die Verletzung hat niemals eine einzige Ursache. Sie ist multifaktoriell bedingt, d.h., es sind mehrere Ursachen dafür verantwortlich. Es sind unser Körper, unsere Seele und unser Verhalten bei der Entstehung beteiligt. Als Sportler sollte man sich darüber Gedanken machen, was alles nicht gepasst hat und nicht nur fordern -> macht mich wieder Gesund. Aus den Verletzungen kann man stärker herauskommen, wenn man diese Zeit für sich nutzt und würdigt.

Ein Gedanke zu „Verletzungen & Sportler

  1. Sehr geehrter Horst von Bohlen, mit Interesse las ich Ihren Artikel zum Thema Verletzungen.
    Da ich mich seit über 10 Jahren mit nachhaltigen Konzepten zur Verletzungsnachsorge sowie zur Professionellen-Regeneration von Profisportler beschäftige, kann ich Ihnen nur zustimmen. Ich erstelle Konzepte für Sportler auf der Basis optimaler Regeneration zur Vermeidung von Verletzungen an Muskeln,- Sehnen und Bändern. Die Erfahrungen der letzten 10 Jahre zeigt, dass mit professioneller Regeneration diese Verletzungn bis zu 80% gesenkt werden können.
    Leider ist die deutsche Medizin für die Sportler, nicht interessiert, sodass wir hauptsächlich im Europäischen Ausland das erfolgreiche System anbieten. Meine Ziel ist es, dass sich der Sportler auf seinen Körper verlassen kann, dies geht jedoch nur wenn der Körper ausreichende Resourcen zur Verfügung hat.
    Gesunde Grüße Jörg Broschkat Medizintechnische Systeme für Profisportler

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