Von Dankbarkeit und Lebensrettern

Insgesamt habe ich in den letzten 6 Monaten über 40 Tage im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan verbracht. Als ich das letzte Mal entlassen wurde, sagte eine Krankenschwester zu mir:
„Sie werden hoffentlich nie wiederkommen“
Vorab, ich war trotz Krankheit gerne dort. Es ist ein kleines Krankenhaus, fast familiär. Die Atmosphäre ist alles andere als bedrohlich und kalt. Die Bewertungen sind durch und durch hervorragend. Vor einigen Jahren war ich schon mal dort, jedoch nur sehr kurz, weil damals meine Erkrankung eine Lappalie im Vergleich zur jetzigen war. Aber ich will nicht über meine Krankheit berichten, dass tun andere mehr als ausführlich. Ich will mehr über meine Beobachtungen und Erlebnisse berichten.

Die erste Begegnung

19.12.2018
Ich war wirklich am Ende. Früh am Morgen wurde ich eingeliefert. Jeder hat Schiß bei so einer Diagnose. Ich kam direkt in die Chirurgie Ost Station, dort wussten die noch nicht von meinem Kommen. Der einweisende Arzt hatte mir versichert, dass das Krankenhaus in St. Veith informiert sei. Also wirklich, bist am Arsch und kommst dir dabei saublöd vor. Also wurde ich erstmal in den Warteraum verfrachtet. Es dauerte nicht lange und ich wurde aufgenommen. Die Krankenschwester war sehr freundlich und mitfühlend. Da war ich also und hatte mein Zimmer. Offensichtlich war mein Befund, den ich mitbekommen und brav abgegeben hatte, schlimm genug. Natürlich musste ich eine Reihe von Vorbereitungen und Untersuchungen über mich ergehen lassen. Bei der Radiologie kam mir ein bekanntes Gesicht entgegen, die Elke. Jede(r) kennt im Krankenhaus die Elke. Ich glaube fast, dass jeder in St. Veith und Umgebung die Elke kennt. Das hat mir gut getan ihr zu begegnen. Zwei Tage später wurde ich fast 5 Stunden lang operiert.

Intensiv

21.12.2018
Kennt ihr eine Intensivstation aus Patienten Sicht? Dort kam ich für die nächsten 5 Tage. Abgesehen davon, dass man sich beschissen fühlt, weil man sonst nicht auf Intensiv landet, ist es da Tag und Nacht laut, hell und turbulent-unruhig. Das Pflegepersonal war ein Traum. Ich durfte bald das Aufstehen üben. Das ist jedes Mal eine Megaprozedur mit allen Kabeln und Schläuchen und sonstigen Leckereien, die an einem dranhängen. So intensiv habe ich bisher Weihnachten nicht verbracht. Eine Krankenschwester schenkte mir ein kleines Engelchen mit einer Portion Weihrauch. Seitdem liebe ich Weihrauch und bei uns zuhause riecht es oft wie in der Kirche. Soll ja sehr gesund sein.
Zurück auf Station verbrachte ich viele Tage mit der Regeneration. Ich finde es genial, dass man die Begleiterscheinungen wie Schmerzen und Beschwerden schnell vergisst. Was ich nicht vergessen werde, sind meine Beobachtungen auf Station. Klar hat man seine Lieblingsbetreuerinnen. Es macht mir großen Spaß meine Feldstudien zu machen. Bin ja eine neugierige Nase 🙂
Krankenhausbetriebe sind mir nicht fremd, denn ich hatte damit berufsbedingt quasi mein ganzes Leben zu tun. Daher kenne ich die Berufsgruppen und die Strukturen recht gut. Die Verwaltung, das ärztliche Personal, Pflege, sonstige Therapeuten, Reinigungsdienst usw.. Als Patient hast am meisten mit der Pflege zu tun. Bist du lang genug auf Station, dann lernst du die unterschiedlichen Persönlichkeiten im Pflegepersonal zu erkennen. Mit den besonders lieben von ihnen kokettierst du um ihre Gunst. Das Ganze aber ihm Rahmen, denn nichts ist widerlicher als notgeile alte Herren, die sich einbilden die Krankenschwestern beeindrucken zu können. Auch das habe ich mitbekommen und ganz ehrlich, ich bewundere wie professionell das Personal damit umging. Dann waren da noch Patientenkollegen, die gewaltig gestunken haben. Warum gibt es keine Patientenwaschstrassen für solche Ferkel? Was für eine Zumutung. Eine weitere Beobachtung hat mich beschäftigt. Viele Adipöse, die einen Magenbeipass bekommen, waren dort. Sofort musste ich der Sache nachgehen, denn ich persönlich halte wenig von diesen Eingriffen. Jaja, Adipositas – damit beschäftige ich mich gerade intensiever. Nicht umsonst spricht man von einer Pandemie. In USA sind bereits über 40% der Menschen zu dick (BMI>35). In Österreich sind es 15%, tendenz steigend! So oder so, die PatientInnen waren nicht sehr pflegeleicht und oft recht aggressiv.
Und noch etwas hat mich gestört. Ich bin viel aufgestanden und meine Runden im Krankenhaus gedreht. Die Terrasse und der Garten wurde von meinen Mitpatienten gut besucht – hauptsächlich von Rauchern. Das kapiere ich nicht! Ich meine die wissen doch was rauchen bewirkt. Da werden die operiert und kurz danach ziehen sie sich Zigaretten rein.
Aber wenden wir uns den positiven Aspekten. Fast alle vom Pflegepersonal haben mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, auch dann, wenn es gerade schrecklich weh getan hat. Und dann waren noch die Schwestern Anni und Petra. Beide sind sehr feinfühlig und äußerst kompetent das Thema Stoma mit mir durchgegangen.

Was mir bleibt

27.06.2019
Überwiegend schöne Erinnerungen. Da war die Schwester Verena mit dem rosa Puls- und Sauerstoffsättigungs Messgerät, die immer ein Sonnenschein ins Zimmer hineinzauberte, oder die Krankenpflegerin Marion, bei der ich lange gerätselt habe, was sie für ein Sport treibt. Irgendwann habe ich sie gefragt und sie hat mich sehr überrascht. Und so kann ich viel erzählen, von den Visiten, von den Ärztinnen und Ärzten, von den vielen Begegnungen mit dem Personal. Ich werde euch alle vermissen, wenngleich ich nicht wiederkommen will. Die vielen Gespräche mit Chirurgen, InternistInnen, mit den AnästesistInnen und natürlich auch wenn der Chef zur Visite kam, der kennt mich jetzt von Innen 😉 – werde ich ebenfalls vermissen.
Andere Patienten und Patientinnen haben mich nicht die Bohne interessiert. Komisch – werde darüber mal nachdenken warum nicht. Haha, ich weiß es ja. Ich hatte genug mit Patienten in meinem Leben zu tun.

Lieben Dank Euch allen – Ihr habt mir das Leben gerettet.

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2 Gedanken zu „Von Dankbarkeit und Lebensrettern

  1. Lieber Horst das hast du toll geschrieben,es hat mich und meine Kollegen(innen) berührt einmal etwas so persönliches aus der Sicht eines Patienten zu lesen.Ich wünsche dir alles Liebe und Gesundheit.Bis bald auf ein Treffen in Freiheit….alles Gute

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