Was Ausdauersportler über VO2max(r) wissen sollten

Vom horstl einfach erklärt

Vorwort

Verehrte LeserInnen 🙂 Dieser Beitrag ist der meistgelesene in meinem Blog. Das zeigt mir wie bedürftig Sportler auf gute Leistungswerte fixiert sind. Das zeigt mir auch, wie ichbezogen unsere Welt geworden ist. Meine Beiträge wollen euch erreichen, auch da wo es nicht um Streicheleinheiten geht. Der Weg zum Erfolg ist weitaus mehr als ein Interesse für das eigene VO2max(r) zu entwickeln. Ich lade euch ein in eine Welt von vielen parallelen Universen einzutauchen. Der Weg ist die Hoffnung nach mehr – auch ihr habt nur ein einziges Leben. Ich lade euch ein mit mir zu Zweifeln… an allem was in unsrer Welt geschieht. Als Mann im fortgeschrittenem Alter bin ich nicht stolz auf mein Leben. Ich habe es verabsäumt auf mich zu achten, weil ich nur darauf bedacht war auf andere zu wirken. Wegen der erbrachten Leistung geliebt zu werden macht uns nicht stolz, sondern armselig und krank. Es ist die falsche Art um geliebt zu werden. Eine Übersicht aller Artikel findest du : hier / und nun zum Artikel

Im Ruhezustand atmen wir ca. 8-10 Liter pro Minute Luft ein und aus (Atemminutenvolumen VE). Davon sind ca. 21% des Volumens Sauerstoff (1,6 -2)l

Mit zunehmender Belastung steigt die Sauerstoffaufnahme proportional an. Die maximale Sauerstoffaufnahme findet bei Ausbelastung statt und wird als VO2max [ml/min] bezeichnet (auch maximale aerobe Kapazität). Dieser Wert ist sehr aussagekräftig für die maximale Leistungsfähigkeit der Systemkette Atmung – Kreislauf – Muskelstoffwechsel eines einzelnen Menschen und ist trainierbar.

!!Achtung: Eine hohe VO2max  ist Voraussetzung für gute Langstreckenläufer, aber das alleine reicht nicht aus!! Beschreibt das mögliche Leistungspotential

Logischerweise entnehmen größere Menschen mit viel Muskulatur mehr Sauerstoff aus der Atemluft, als kleine Sportler. Daher wurde für Vergleiche die relative VO2max(r) [ml/min/kg] eigeführt. Dabei wird dieser Wert durch die Körpermasse (Gewicht) geteilt.

!!Achtung!! Auch dieser Vergleich hinkt gewaltig, denn: Bei gleichem Trainingszustand haben größere Menschen eine niedrigere VO2max(r) als kleine leichte Menschen. Warum ist das so?

Beispiel:
Der normale VO2max(r) bei einem 60Kg schweren Mann liegt im Durchschnitt bei 43 ml/min/Kg. Bei einem 100Kg schweren Mann liegt der Wert nur bei 33 ml/min/kg. Beide sind aber gleich fit. Der Unterschied erklärt sich aus der Konstitution des Menschen. Kleinere, leichtere Menschen haben im Verhältnis zum ihrem Körpergewicht einen höheren Muskelanteil als größere Menschen. Sie sind daher schon im Vorteil, wenn es um Ausdauer geht. Das heißt aber nicht, dass sie fitter sind. Genaugenommen müsste man die VO2max(rm) ermitteln, d.h., mit der aktiven Muskelmasse und nicht mit dem  gesamten Gewicht relativieren. Daher wurden aus vielen Versuchen Werte (vieler tausender SportlerInnen als Referenz) ermittelt. Je nach Alter, Geschlecht und Größe werden die Werte korrigiert um den Fitnessgrad ermitteln zu können. Fest steht, gleichfitte leichte Männer haben Vorteile gegenüber größere Kollegen. Bei den Frauen ist es genauso. Diese haben auch noch im Verhältnis weniger aktive Muskelmasse und mehr Fettanteile als Männer. Die Verstoffwechselung ist bei beiden Geschlechtern gleich. Bei Frauen ist die VO2max(rm) deswegen um ca. 5% geringer als bei Männer, weil sie ein etwas kleineres Herz und Lungen haben.

Wie wird VO2max(r) bestimmt?

Bestimmung durch Spiroergometrie

Die Sauerstoffaufnahme (VO2) wird aus dem Atemminutenvolumen VE während einer Spiroergometrie bestimmt. Dabei wir die Differenz des Sauerstoffanteiles aus der Raumluft und der ausgeatmeter Luft bestimmt. Dieser Wert wird standardisiert (Umrechnung auf 0°C; 760 mmHg; 0%Feuchtigkeit). Dabei wird die Belastung bis zur Erschöpfung stetig erhöht. Idealerweise sollte die Ausbelastung schnell stattfinden (< 8 – 10 min). Das wird in der Praxis kaum angeboten. Grund ist die Bestimmung der Schwellenwerte, die aufgrund der Laktatbildung Zeit in Anspruch nehmen. Ein Manko in der Leistungsdiagnostik, da werden oft Äpfel mit Birnen verwechselt. Vielleicht auch nur ein fauler Kompromiss, um Geld zu verdienen. Auch wenn ich mich unbeliebt mache, Finger weg von der gleichzeitigen Bestimmung von VO2max und Laktatkarakteristik bei einem Belastungsstufentest. Lieber zwei getrennte Tests mit unterschiedlichen Protokollen.

Cooper Test
Ein 12-minütiger Dauerlauf soll Aufschluss darüber geben, wie es um die Ausdauerfähigkeit bestellt ist. Genaue Anweisungen regeln mehr oder weniger das Prozedere. Je nachdem wie weit man in 12 Minuten kommt, wird man eingestuft. Cooper geht davon aus, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Laufleistung und VO2max(r) gibt. Ich meine dazu: na ja, der hat sich viel Mühe gemacht und Tabellen nach Geschlecht und Alter ermittelt. Es gibt mittlerweile viele Revisionen der Ursprungswerte. Wer unbedingt daran glaubt, soll sich danach richten. Ich halte rein gar nichts von Cooper. Sehr eindimensionale Vereinfachung der Realität. Für Turnlehrer sicher ganz lustig. Der Cooper Test besagt schon viel über die Laufleistung im Mittelstreckenbereich, mehr aber auch nicht. Daraus Aufschluss auf die VO2max(r) gewinnen zu können… sehr gewagt.

VO2max(r)  durch Herzratenvariabilität (HRV)

Da sage ich nur – Polar. HRV bedeutet Herzratenvariabilität. Das neue Spielzeug der Psychophysiologen (sowie ich einer mal gewesen bin). Was ist nun HRV? Im Ruhestand treten spontane Veränderungen in der Zeit zwischen den einzelnen Herzschlägen auf. Ein gesunder Organismus reguliert über das vegetatives Nervensystem (Sympathikus/ Parasympathikus) den Herzschlag ständig nach. Psychischer Stress, körperliche Verfassung, Trainingszustand, Belastungszustand, Ernährungszustand und vieles mehr wirken ständig auf das autonome System. Nun hat man herausgefunden, dass gut trainierte Menschen, die ausreichend Regenerationsphasen nach dem Training einlegen, eine sehr hohe Herzratenvariabilität, gestresste, wenig trainierte Menschen einen sehr gleichmäßigen Herzschlag aufweisen. Und zack – schon hat man die grandiose Idee gehabt über die leicht zu bestimmende HRV eine Referenz zur VO2max(r) herzustellen. Logischerweise gibt es dazu ein Haufen an Forschung, die diesen gewagten Schritt rechtfertigt. Wer so eine Uhr hat, soll bitte folgendes probieren. Macht den Test und atmet einmal ganz flach und gleichmäßig. Danach macht den Test erneut  und atmet tiefer und ungleichmäßiger. Vergleicht die zwei ausgespuckte VO2max Werte. Die HRV ist nämlich an der Atmung gekoppelt. Mit etwas Übung habe ich schon eine VO2max von 82 geschafft. Schön wäre es, hihi – so fit wie ein Weltklasseläufer. Aber Hauptsache man macht damit Kohle. Im Übrigen ist dieser Schwachsinn auch sehr stark in der Stressforschung und Stressmedizin vertreten, leider.

Der höchste Wert der gemessen wurde?

Meines Wissens: Kilian Journet mit VO2max(r) von sagenhaften 95 ml/min/kg

Geoffrey ist auch sehr fit. PB Marathon 2:08

 

4 Gedanken zu „Was Ausdauersportler über VO2max(r) wissen sollten

  1. Ich hätte da mal eine Frage:

    bei mir wurde vor einem Trainingslager auf dem Laufband mit Atemmaske ein VO2max(r) von gut über 50 gemessen. Ziel war die Steigerung. Heute nach 5 harten Trainings-Einheiten in 3 Tagen misst man bei dem selben Test und Rahmenbedingungen irgendwas mit 39,2. Es wird erklärt, das sei normal. Durch das Training und Laktat usw. sei der Körper zu betrachten, wie der eines weniger fitten Sportlers. Erst nach Abschluss der Kompensations/Überkompensationsphase in 2-3 Tagen erwarte man sich verbesserte Werte gegenüber dem Ausgangszustand.

    Sorry. Das haben die früher mit nem Piekser ins Ohr und nem Laktat-Test genau so erzählt. Heißt das mit VO2max(r) weiß man nix Neues über die Physiologie des Sportlers, sondern kann nur klüger drüber schwätzen und teurere Diagnosegeräte verkaufen?

    Danke für eine sachliche Antwort auch wenn ich zum Schluss unsachlich wurde.

    1. Hallo emden09,
      tja, wie es aussieht haben die beim Testen einfach Mist gebaut. Entweder die erste Messung war falsch oder die Zweite oder Beide! Klar, das Geschwafel von Kompensations- und Überkompensationsphase hört sich super fachmännisch und kompetent an. Sehr beeindruckend. Das ist echt physiobiosexuell gut wie die arbeiten und die Reliabilität sagt einiges über die Physiovalidität der Vo2max(r) Messung. Spaß beiseite – mach ein Bogen um die Depen!

  2. Hallo,

    durch den sogenannten „UKK-Walking-Test“ kann man die relative Vo2max berechnen (ist ws. etwas ungenau im Vergleich zu diversen anderen Leistungstests). Im Rahmen dieses Tests geht man eine 2km Streck so schnell wie möglich. Am Ende dieser Strecke wird die Herzfrequenz gemessen. Gibt man die Werte (HF, Zeit für die 2km, Größe, Gewicht usw.) in das online Berechnungsprogramm (http://www.e-walking.de/walking-test/) ein, so erhält man seine relative Vo2max.

    Meine Frage: Wie kann ich mit dieser Vo2max die individuelle Aerobe-Anaerobe-Schwelle (aber bzgl. der Herzfrequenz) berechnen?

    Mein Beispiel:

    Habe für die 2km 12 Minuten benötigt.
    Bei einer HF von 170.
    183cm bei 72kg, 30 Jahre
    = eine Vo2max/kg/min von 60,4

    Aus früheren Leistungstests (Laktatstufentest im Jahr 2015) weiß ich dass meine Aerobe-Anaerobe-Schwelle im Laufen bei 180HF liegt.

    Danke lg

    1. Hallo Robert,
      erstens: diese Annäherung ist in der Ermittlung des Vo2max sehr unzuverlässig und sagt rein gar nichts aus. Du kannst genausogut ein Wert raten.
      zweitens: aus dem Vo2max alleine lässt sich die anaerobe Schwelle nicht ermitteln. Dazu brauchst du die Charakteristik des Atemausstoßes in Abhängigkeit der Belastung. Dort knickt die Kurve deutlich vor der Maximalbelastung. Dorst ist die Schwelle.
      lg horst

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