Weil ich es will

Verzweifelt war ich vor genau zwei Jahren. Ich erinnere mich an jenem Tag, als ich mit meinem Sohn in Landshut spazieren ging. Wir sprachen über vieles und es war ein gutes Gespräch. Darf man seinen Kindern sagen, dass man im Leben strauchelt? Ich tat es, erzählte von meiner bedrohlichen Situation und meiner Entschlossenheit nicht der Versuchung nachzugeben, nicht schwach zu werden und gegebenenfalls genau deswegen zu unrecht verurteilt zu werden. Entscheidungen zu treffen ist nicht immer ganz leicht. Die schwerste Entscheidung traf ich, als ich mich von meiner damaligen Frau trennte. Nicht ihretwegen, nicht meinetwegen, sondern der Kinder wegen. Niemand der diese Entscheidung aktiv getroffen hat, wissend, dass er seine Kinder in Zukunft kaum noch sehen wird, wissend, welchen Schmerz er damit verursacht, wissend, dass er riskiert einen großen Schaden bei ihnen zu hinterlassen, kann den Verlust den er damit eingeht ermessen. Er ist gewaltig und kaum ein Tag vergeht, ohne diese Entscheidung in Frage zu stellen.

Seit meiner Trennung habe ich kontinuierlich beruflich abgebaut. Ich wurde beschimpft, beschuldigt und für unfähig gehalten. Der große erfolgreiche Manager wurde erniedrigt. Nichts konnte mich richtig treffen, nichts konnte mich demütigen. Das machte mich stärker und selbstsicherer. Keine 20 Millionen Euro Umsatz mehr, keine 150 TEUR Einkommen, keine Macht und Anerkennung – nur noch ein kleiner Versager mit gebrochenem Herzen? Nein so ist das nicht gewesen. Ich habe diesen Weg gewählt weil ich das will! Ich kann meinen Kindern nicht das Leben beibringen, ich kann ihnen nicht ein Paradies hinterlassen und ich musste sie physisch verlassen, weil ich das so will! Ich bin immer für sie da, denn als ich diese Entscheidung traf, tat ich es um jemanden wieder zu finden, den ich seit Jahrzehnten im Stich gelassen und aus meinem Leben verbannt habe. Mich selbst mit meinen Träumen, mein Glaube, meine Hoffnungen und meinen Überzeugungen.

Ich verstehe sehr gut, warum ich diesen sozialberuflichen Abstieg gemacht habe. Ich verstehe auch warum ich für viele Menschen eine Bedrohung geworden bin. Ein Narzisst mit starken dependenten Anteilen und eine extreme emotionale Intelligenz ist schon eine Zumutung. Es passt auch nicht zusammen, ist widersprüchlich. Zum Problem wird er, wenn er sich selbst erkennt und introspektiv reflektiert. Mit anderen Worten, er erkennt die anderen Arschlöcher und ist gnadenlos mit ihnen, wie mit sich selbst. Er fordert sie „aufzumachen“, zu erkennen und zu handeln – im Wohle der Allgemeinheit. Er fordert sie auf zu bereuen, zu trauern, zu verzeihen. Er fordert sie auf zu wachsen, zur Demut und zur Vernunft. Wir sind nicht Machtlos, wir sind nur Mutlos geworden.

Ja, ich habe Angst. Ich habe schon immer Angst gehabt. Ja, ich bin mutig und ich war es auch schon immer. Erst kürzlich habe ich zu meiner großen Liebe „JA ich WILL“ gesagt. Es war mein erstes JA im Leben… weil ich es wirklich will.

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