Wenn, dann richtig

Seit meiner Genesung (war ziemlich am Arsch, siehe hier) habe ich wieder einige Events geshootet. Fotografieren ist für mich easy, speziell Sportevents. So zählen z.B. einige Großereignisse zu meinen Favoriten. Ich denke auch, dass ich mir einen Namen in der Szene erarbeitet habe. Gewöhnlich shoote ich kaum noch in Österreich oder Deutschland. Irgendwie hat es sich aber wieder ergeben, dass meine Ehe- und selbstverständlich Traumfrau mich dazu animiert hat es zu tun. Altstadtlauf und Lenkanalcrossing Klagenfurt, Swimrun in Ottenstein und zu guter letzt den Reschenseelauf in Südtirol. Zwischendurch waren wir in London und haben dort für 261 Fearless im Rahmen der 261 Empowerment Talks eine YouTube Live Session gecovert. War cool, habe viel gelernt, denn so eine Livesendung zu machen ist was anderes als ein Clip zu drehen. Ich kam mir völlig bescheuert vor mit zwei Handies eine Livesession zu machen. Zwar hatte ich gutes Licht dabei und wir haben eine coole Leinwand dafür… aber mit zwei Mobiles streamen???
Ok, die kritiken waren durchwegs positiv, aber mein Herz blutete. Das nächste mal muss es anders aussehen, ganz sicher: WENN, DANN RICHTIG! Ich habe bereits alles zusammengestellt, mich mit der OBS-Software auseinandergesetzt, geübt und getestet. Jetzt wird es besser – GARANTIERT!

Bild, Ton und software sind jetzt professioneller / so macht live-streamen Spaß

Aber zurück zu meinen Shootings. Ich bin ein totaler Südtirol Fan. Da durfte ich also den 20ten Reschenseelauf fotografisch erfassen. Eine Besonderheit zum Jubiläum war, dass der Lauf diesmal nachts statt tagsüber stattfand. Ansich kein Problem, denn die heutigen Kameras können das ganz gut. Ich persönlich fotographiere nur in RAW-Format und entwickle meine Bilder Zuhause in aller Ruhe. Ich hasse es Bilder auf die Schnelle abzuliefern, denn natürlich fällt mir a) die Auswahl schwer und b) ich kann von Unterwegs ohne entsprechende Ausrüstung meine Bilder nicht professionell entwickeln. Daher weigere ich mich für meine Auftraggeber Bilder sofort zugänglich zu machen, noch dazu, wenn ich bis ein Uhr morgens beschäftigt war. Aber es hieß, „ist ja nur für Facebook„. Da hat horstl ausnahmsweise mal zugestimmt, denn in Facebook werden wirklich miese Bilder geliked und noch miesere gepostet. 970 bis 720 Pixel Auflösung ist nicht gerade hochwertig, da kann nicht viel schief gehen. Ich tue mir nichts dabei denken… und mach.

Einen Tag später, wieder Zuhause angekommen denke ich alles ist gut. Ich setzte mich in aller Ruhe und entwickelte meine Bilder. Natürlich rauschen diese, wenn sie durch den ersten automatischen Korrekturprozess von RAW Format in normale JPG entwickelt werden. Das passiert immer bei Nachtaufnahmen und der Rechner nicht weiß, dass es Nachtaufnahmen sind! Der versucht nämlich Tagesaufnahmen daraus zu zaubern 😉 Ich ahnte bereits was ich da weitergegeben habe und schaute mir die weitergeleiteten Bilder nochmals an. Ok, sie waren nicht so schlimm und allemal gut genug für Facebook. Natürlich weit unter meinem Anspruch, denn: WENN, DANN RICHTIG!

Und prompt dauerte es nicht lange bis ich erfuhr, dass unser Auftraggeber das Rauschen der Bilder monierte. Er meinte sogar, die Einstellung der Blende sei zu groß gewesen. Vor einigen Jahren wäre ich völlig gekränkt in die Luft gegangen und meine Arbeit verteidigt. Wer wagt es mir zu sagen wie man fotografiert. Natürlich hätte ich die professionell entwickelten Bilder zeitnahe nachgeliefert und erneut erklärt, dass ich gerade deswegen keine Schnellschüsse mache. Das tue ich nicht mehr. Heute geht mir das links und rechts am Arsch vorbei. Ich weiß wie man fotografiert, sogar auch in der Nacht. Ich weiß, dass meine Bilder gut sind und ich weiß, dass sie auch besser hätten sein können. Ich hatte kein Bock mir vorab die Location genauer anzuschauen, besser zu planen, bessere Hotspots auszusuchen und die entsprechende Infrastruktur mitzuschleppen. Das kostet viel Zeit und Mühe. Das tue ich nur, wenn der Preis und die Sympathie passt. Also alles gut.

Fazit ist, dass diese schnellentwickelten Bilder von mir, Gott sei Dank, nicht in Facebook gelandet sind. Dafür bin ich dankbar. Ich meine nicht das ich mich dafür schämen müsste, aber ein Bisschen schon. Ich habe jetzt jede Menge coole Bilder vom Reschenseelauf, die kaum jemand sehen wird. So ist das im Leben halt. Man sollte seine Prinzipien nicht leichtfertig über Bord werfen. Ein Foto zeige ich hier aber doch. Ich persönlich sehe da kein Sensorrauschen mehr. Es geht doch oder? Wie ich schon sagte: WENN, DANN RICHTIG!

Nachtfotografieren ist keine Zauberei

Was lerne ich daraus? Nicht viel. Ich glaube es ist eher wichtiger, dass andere was für sich lernen, aber das geht mich nichts an. Als ich noch jünger und unerfahrener war, habe ich auch geglaubt die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Jetzt bin ich gelassener und beobachte gerne. Ich denk mir mein Teil und genieße mein Leben. Manchmal gebe ich Ratschläge wie man gut fotografiert. Aber nur dann, wenn ich gefragt werde.

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