Wochenend-Gedanken

Ich kann nicht mehr zuhören – die Nachrichten erschlagen mich. Immer negativ, Terroranschläge, die Griechen und die EU, die IS, die Russen, Amis, Tragödien…

Liegt wohl auch daran, dass es mir selber nicht besonders gut geht. Meine Nerven liegen blank. Nichts geht weiter, beruflich meine ich. Da wäre ein Projekt, auf den ich mittlerweile über ein Jahr lang warte. Es geht um Gesundheit. Der Bedarf ist enorm. Jeder will das. Und warum geht das nicht? Weil aufgrund von Korruption alle Entscheidungen auf Eis gelegt wurden. Wie lange? Das weiss der Himmel. Ich bin wirklich sehr genervt. Muss das sein? Überall spielen die Eigeninteressen eine größere Rolle als die der Gemeinschaft. Bist du ehrlich, offen und direkt, wirst du fertig gemacht. Glaubt mir, ich kann ein Lied davon singen. Was soll ich nun tun – ich weiss es nicht. Mein Traum, eine Klinik aufzubauen, bei der es total ehrlich und offen zugeht, bei der es persönliche Machenschaften und Machtspielchen nicht gibt, bei der jeder Mitarbeiter wertvoll ist und keine Berufsrivalitäten die Atmosphäre vergiften rückt weit weg. Bei der es nicht möglich ist, sich als Arschloch hoch zu kämpfen und andere zu missbrauchen. Seit über 20 Jahren kämpfe ich mit solchen Strukturen und um ehrlich zu sein – umsonst. In der Zeit habe ich sehr viel aus meinen und den Fehlern anderer gelernt. Ich weiss das es möglich ist, auch im Gesundheitswesen, so eine Einrichtung neu zu erschaffen.

Ich bin genervt, weil ich wütend und verletzt bin. In solchen Momenten zweifle ich an meiner persönlichen Integrität und ich frage mich, ist alles nur ein blöder Traum von dir? Such dir ein Job, reih dich ein, hör auf zu träumen und hoffe, dass irgendeiner dich noch nimmt. Du hast ganz schön Wirbel in der Gesundheits-Szene gemacht, bist so manchen mit dem Arsch ins Gesicht gesprungen. Ein Freund sagte zu mir, ich würde polarisieren. Ja das habe ich. Ich kann nicht ja zum bösen Spiel sagen. Ich kann nicht diese Pseudomoral „wir (ich) tun (tue) alles für unsere Patienten“ teilen, wenn es in erster Linie um Macht, Profit und persönlicher Bereicherung geht. Ich habe nichts gegen Gewinn, nur soll man dazu offen stehen und nicht scheinheilig eine ganze Institution verarschen. Ich polarisiere, weil ich diese Dinge anspreche. Das ist nicht sehr Gesundheitsdienlich und ganz ehrlich, manchmal wünsche ich mir, ich wäre mehr wie andere Kollegen in Führungspositionen, die die Fähigkeit besitzen damit besser umgehen zu können. Eigentlich bin und war ich nie in einer geeigneten Position um große Töne zu spucken. Managing Director, Prokurist, Geschäftsführer… alles sehr gewichtige Funktionen – Schleudersesselfunktionen.

Genug Zeit hatte ich ja zum Nachdenken. Alles was ich von mir gebe, die teilweise gnadenlose Abrechnung mit Systemen, gilt in erster Linie meiner eigenen Person. Wie soll ich von meinen Mitmenschen etwas fordern, was ich selber nicht einhalte? Geht es mir wirklich nur um die Sache? Vielleicht fehlt es mir einfach an der nötigen Kompetenz das beste unter den gegebenen Umständen zu erreichen. Allein diese Erkenntnis setzt mich Schachmatt. Ich kann jedoch keinen Rückzieher a la Fenninger machen, schon allein deswegen nicht, weil ich nicht so gewichtig bin. Ich kann nur zum Ursprung meines Wesens zurückkehren und mich fragen: gehst du den richtigen Weg? Wenn dann meine Angst um meine Existenz und mein Ansehen nachlässt, kam bisher immer ein: JA Horst du gehst den rechten Weg. Ich muss nur lernen zu vertrauen. Das predige ich ja ständig. Vielleicht  werde ich irgendwann dafür belohnt. Wenn nicht, habe ich es zumindest versucht.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.