Zauberwort Jugend

Es ist eine Weile her, dass ich hier geschrieben habe.War wohl sehr beschäftigt, mit anderen Dingen wie reisen, filmen, fotografieren, Seminaren, Fortbildungen und die Welt beobachten. Ich bin über mich etwas verärgert, denn bei aller Bewegung, habe ich meine eigene körperliche Bewegung vernachlässigt. Die langen Reisen im Flieger oder im Auto, die vielen Sitzungen, sie tragen zu meinem Unwohl bei.

Gerade jetzt sitze ich in der Fachhochschule in Wiener Neustadt und warte auf meine Traumfrau, die gerade ihre Studenten betreut. Ich zähle gerade 15 junge Frauen und 3 Männer, die, die Sonne im Hof genießen. Jugend, wie lange ist es her? Sehr lange! Das Zauberwort Jugend! Alles wegstecken, alles in Frage stellen, unerschöpfliche Energie. Erschreckend, diese Assoziationen. Dann, schaue ich genauer hin. Sie sehen nicht so aus, als ob sie alles wegstecken. Abgesehen von wenigen, attraktiven und lebendigen Wesen, sehen sie eher schlapp, unsportlich, übergewichtig und träge aus. Zehn Frauen rauchen, die wenigen Jungs auch… OK, ich habe auch geraucht. Die hier wissen aber, wie schädlich das Rauchen ist! Wir hatten damals echt keine Ahnung.

Ich finde etwas Abstand zu meinen Vorwürfen und merke – was mich wirklich bedrückt. Es ist die Art und Weise, wie ich mit meiner Jugend umgegangen bin und die Tatsache, dass ich daran nichts mehr ändern kann. Es ist auch die Erkenntnis, dass meine Jugend für immer vorbei ist. Es macht keinen Sinn ihr nachzutrauern, genauso wenig, wie mich an der jetzigen Jugend dafür mit Vorwürfen und Beschuldigungen zu rächen. Das einzige was ich tun kann ist jetzt für mich besser zu sorgen. Ich sollte mich wieder, trotz aller Alterswehwehchens, regelmäßig bewegen.

Das Zauberwort „Jugend“ ist unantastbar. Es stimmt einfach – sie stecken vieles weg, haben noch das ganze Leben vor sich. Das sollten wir Alten ihnen gönnen und auch zumuten. Sie können wirklich nichts für unser Unbehagen dafür. Aber trotzdem, sie können etwas für ihr Verhalten – und das lässt wirklich einiges zu wünschen übrig. Sie haben eine wichtige Aufgabe in ihrer Entwicklung nicht beachtet, nämlich Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Wir haben es versäumt ihnen beizubringen. Wir haben sie in Watte gepackt, ihnen viel zu wenig zugemutet und dafür viel zu viel an schulischer Leistung abverlangt. Weil wir sie überbehütet haben, haben wir sie in Gefahr gebracht.

Lass die Jugend los, ermahne ich mich – deine eigene und die der Jugendlichen.

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