Abgrenzung im Alltag, wie schütze ich mich / Teil 3

Gibt es auch als Podcast.

Teil 3 / Die Umsetzung

Wie können wir besser miteinander auskommen, indem wir uns abgrenzen können. Erst kürzlich habe ich einen Spruch mitbekommen, den ich hier aufgreifen will. Es war, während einer Onlinefortbildung, bei der es um Verhaltensänderung ging. Ein Teilnehmer sagte, er habe noch nie den Wunsch gehabt und sehe auch nicht die Notwendigkeit sein Verhalten zu modifizieren. Klar, narzisstischer geht es nicht und doch fordern uns gerade solche Menschen täglich uns abzugrenzen. An diesem Beispiel möchte ich meine ganz persönliche Abgrenzungsstrategie vorstellen. Ich verzichte ganz bewusst auf etablierte Modelle der unterschiedlichen Fachrichtungen. Daher erhebe ich nicht den Anspruch eines wissenschaftlich fundierten Ansatzes, der Allgemeingültigkeit hat. Es ist mein Weg.

Ich fange mit der Reaktion, die der Teilnehmer bei mir ausgelöst hat. Der erste spürbare Impuls war:

Was ist das für ein arrogantes Arschloch!

Wenn wir genauer meine Reaktion unter die Lupe nehmen, dann werden wir folgendes feststellen. Zuerst findet eine Kognition in Form eines Checks aus meinem Erfahrungsreich, der in meinem Kopf stattfindet. Das Ergebnis des Vergleiches wird schnell und effizient als Gedankengang zur bewussten Wahrnehmung gesendet:

Achtung,- Aufpassen, ein narzisstisches Arschloch sagt was zu dir!

Bis hierher handelt es sich um eine reine Kognition, d.h., es ist eine Denkebene, die sich in meinem Gehirn abspielt. Da die Inhalte sehr bedrohlich sind, wird unmittelbar danach die emotionale Wahrnehmung alles andere als positiv folgen. Sobald die Emotion nach der Kognition einsetzt, wird mein Körper reagieren. Das ist so wichtig zu verstehen; es gibt keine Emotionen ohne eine vorherige Kognition und jede Emotion wirkt sich unmittelbar auf unseren Körper aus. In meinem Fall hier bedeutet es, dass ich negative Emotionen aufbaue und mein Körper sehr gestresst reagiert. Das bedeutet, dass mein Impuls: „Was ist das für ein arrogantes Arschloch!“ mich ganz schön betroffen macht, ja sogar sehr bedrohlich auf mich psychisch und körperlich einwirkt.

Meine Trickkiste

  1. Verhaltensrepertoire
    Wenn ich in so eine Situation hineingerate, dann merke ich das, und zwar gewaltig. Welche Möglichkeiten habe ich mich zu verhalten? Ehrlich gesagt eine ganze Menge, nur selten machen wir davon Gebrauch. Aber der Reihe nach und das, Schritt für Schritt.
  2. Situation Bewerten
    Ich nehme an, dass ich bei meinem Beispiel mich nicht in Lebensgefahr befinde. Also zwinge ich mich innezuhalten, nicht gleich etwas zu erwidern und erstmal meine Initialreaktion (Impuls) zu hinterfragen. Das ist bereits der Anfang der Abgrenzung.
  3. Setting
    Dieser Schritt ist aus meiner Sicht der komplexeste, aufwendigste und schwierigste in dem gesamten Abgrenzungsprozess, denn er setzt was Wesentliches voraus, nämlich, dass ich über eine gute Orientierung in meinem Dasein verfüge. Ich muss also wissen wer ich bin (wie geht es mir gerade), wo ich mich gerade befinde, welche Rolle ich gerade hier habe, was ich hier will und mit wem habe ich es hier zu tun. Das sind sehr viele Variablen und jeder weiß, dass ohne konstante Größen keine Lösung der Gleichungen stattfinden kann. Also legen wir die Konstanten fest an meinem Beispiel.
  • Integrität-> Wer bin ich / wie geht es mir
    • Ich bin hochqualifiziert in der Materie und mache in der Fortbildung mit. Ich bin genervt, weil es Wochenende ist und ich lieber meine Freizeit im Freien genießen würde.
  • Ort->Wo befinde ich mich
    • Zuhause und verfolge den Kurs online.
  • Rolle-> Welche Rolle habe ich hier
    • Kursteilnehmer, sonst NICHTS!!! Es ist ein großer Fehler sich in einem vorgegebenen Setting zusätzlich qualifizieren zu wollen. Eine Abgrenzung ist so schlecht möglich.
  • Zweck-> Was will ich hier
    • Inhalte von anderen Kursanbietern erfahren, wissen wie die Konkurrenz Inhalte präsentieren, was Neues erfahren, Anregungen bekommen, was dazulernen.
  • Gegner-> Mit wem habe ich es zu tun (in der Abgrenzung)
    • Mit einem Teilnehmer wie ich einer bin. Ich kenne ihn nicht, kenne seine Situation und Lebensumstände nicht, weiss sonst nichts über ihn.
  1. Abgrenzung umsetzten
    Jetzt sehe ich schon viel klarer und bin eher in der Lage mich so abzugrenzen, wie es für mich passend ist. Für meine Person ist diese Angelegenheit in diesem Setting ganz einfach zu bewältigen. Da ich nur als Teilnehmer fungiere, es mir nicht besonders gut geht und eher genervt bin, mich wunderbar wegen der Onlinegeschichte zurückziehen kann, selektiv Inhalte wahrnehme, die mich interessieren und andere ignorieren kann und letztendlich weder die Notwendigkeit noch das Bedürfnis habe den Narzissten wahrzunehmen, ist meine Lösung ein Kinderspiel. Ich ignoriere diesen Menschen, lasse mich auf keine Diskussion ein und bleibe unbeteiligt cool.

Fazit

Zugegeben, ich habe es mir sehr einfach gemacht in meinem Beispiel. Ich möchte ja nicht alle meine Tricks, mit denen man so ziemlich jede Situation meistern kann, offenlegen. Das Gerüst ist das gleiche, die Abgrenzungsstrategien innerhalb der 4 Schritte sind, je nach Situation, ganz unterschiedlich. Sie müssen auch der eigenen Persönlichkeit gerecht und mit viel Mühe eingeübt werden. Ich denke es geht auch besser, wenn man dabei von Profis unterstützt und supervidiert wird. Ich persönlich halte nicht sehr viel von Patentrezepten, die in jeder Situation anzuwenden sind. Ich vertrete eher die Überzeugung, das maßgeschneiderte Strategien zum nachhaltigen Erfolg führen. Das braucht Zeit, Fleiß und Durchhaltevermögen. Eine reife Persönlichkeit kommt nicht von alleine, sie muss im geeigneten Setting wachsen dürfen.

Ein Gedanke zu „Abgrenzung im Alltag, wie schütze ich mich / Teil 3“

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