Bessere Tage und der ewige Vergleich

Die Leidenschaft stirbt nicht durch den Vergleich und überlebt den Tod

Es gab schon bessere Tage in meinem Leben. Das mindert nicht meine Liebe zu meiner Arbeit. Meine Aufgaben sind selbsterlegt. Fotografieren, beobachten und meine Mitmenschen verstehen. Ich glaube mich mittlerweile verstanden zu haben. Das nur am Rande angemerkt; darauf sollten wir im Rahmen der Schule und Ausbildung für unsere Nachkommen viel mehr Wert legen. Selbsterkenntnis und Selbstreflexion sind wichtig, um sich im Leben gut orientieren zu können.

Der ewige Vergleich
Was muss dir im Leben passieren, damit du aufhörst dich mit anderen Menschen zu vergleichen?

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. (1813 – 1855), Søren Aabye Kierkegaard, dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller.

Søren Aabye Kierkegaards Aphorismus ist die Prophezeiung des menschlichen Schicksals. Der Mensch ist im Schnitt unzufrieden. Natürlich treibt diese Unzufriedenheit uns an aus unserem Leben was zu machen. Das Spannungsfeld zwischen Soll und Ist, zwischen Wunsch und Realität ist ein wichtiger Motor für die Leistungsbereitschaft der Menschheit. Daher suchen wir nach Anerkennung als unterstützende Komponente für unser Tun. Die Orientierung für unser Handeln wird durch eine extrinsische Motivation, nämlich im Vergleich mit anderen Artgenossen, gesucht. Wir bewerten unsere Qualität mit dem Vergleich nach außen. Das ist verständlich. Der Wert unseres Seins, wird im Vergleich mit Anderen ermittelt. Wir sind besser, gleich gut oder schlechter als andere Menschen. Was bedeutet das eigentlich für unser Leben? Stress – immer andauernder Stress. Wir müssen uns behaupten, sichtbar sein, hervorheben und durch überdurchschnittliche Qualitäten punkten. Der ewige Kampf, wer ist das Alpha-Tier, bleibt uns nicht erspart. Das gilt für alle Geschlechter, für alle Schichten, für alle Rassen. Das ewige Glück bleibt uns verwehrt.

Bessere Tage sind relativ
Mir geht es zurzeit nicht gut. Es ging mir schon wesentlich besser, obwohl ich unzufrieden war. Ich konnte bei dem Vergleich mit anderen Männern meines Alters auf vielen Ebenen eine beachtliche Bilanz vorweisen. Ich genoss es ein angesehener Mitmensch zu sein, mein Wort hatte Gewicht und ich war einflussreich. Dementsprechend funktionierte das System der extrinsischen Motivation perfekt. Viele Menschen hörten mir zu, sie glaubten meinen Worten und lobten meine Taten. Es war eine gute Zeit – es ging mir gut mit meiner Unzufriedenheit.
Wenn du mit einer realen, nicht verdrängbaren lebensbedrohlichen Realität zu tun hast, hinterfragst du die Sinnhaftigkeit des ewigen Vergleiches. Obwohl eine Krankheit nahezu prädestiniert um Vergleiche zu ziehen ist, fragst du dich wozu sollte es gut sein. Hast du eine 5 oder 20%tige Chance die nächsten 2-3 Jahre zu überleben, bist du im Vergleich vitaler als andere in deiner Situation… das alles ist Zeitvergeudung oder ein billiger Verdrängungsversuch. Es geht um dein kostbares Leben, bei dem es dir körperlich und psychisch nicht besonders gut geht. Der Vergleich ist nebensächlich geworden.

Zufriedener ohne Vergleich?
Eigentlich nicht. Ich wäre zufrieden, wenn ich meine Gesundheit wiedererlangen würde, wenn ich die Beschwerden und Schmerzen nicht mehr hätte. Ich wäre glücklich, wenn ich mir keine Gedanken über meine Lebenserwartung machen müsste. Ich wäre überglücklich, wenn ich meinen Mitmenschen etwas mehr Frieden und Zuversicht für ihr Leben mitgeben könnte. Ich würde so gerne zu ihnen sagen dürfen:

Das Vergleichen ist nicht das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit, sondern das Leben selbst.

Wir müssen nur lernen damit vernünftig umzugehen, bevor es zu spät dazu ist. Es gibt eine tröstende und sehr aufbauende Tatsache, die uns vor Schaden schützt. Die Leidenschaft. Sie stirbt nicht durch den Vergleich und überlebt den Tod. Sie ist eng mit der Liebe verknüpft. Ich bin neugierig auf meine Mitmenschen – auch wenn sie mir nicht mehr zuhören. Es würde mich freuen, wenn sie es schaffen zufrieden und glücklich zu sein.

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