Die Fähigkeit unglücklich zu sein nimmt überhand

Gibt es auch als Podcast //

Sexismus in der Gesellschaft ist ein deutlicher Hinweis für ein unglückliches, unerfülltes Leben ihrer Teilnehmer.

Gestern war ich mit meiner Traumehefrau auf dem Weg zum Anfang eines nahegelegenen Radweges, denn wir wollten Skaten. Hier in Klagenfurt war am See Autofreier Tag, da macht es wenig Sinn mit allen Radfahrern sich zu duellieren. Also suchten wir das Weite. Kurz vor unserem Ziel, sah ich zwei junge, erwachsene Mädchen mit sehr engen Jeans, die uns den Rücken kehrten. Es waren sehr attraktive Mädchen. Ich schaute reflexmäßig hin, was für wunderschöne Körper und ganz ehrlich, was für perfekte Pos. Dann schlich mich sofort der schuldbewusste Gedanke, dass ich etwas beobachtete, was ich eigentlich gar nicht bemerken durfte. Mein erster Gedanke war, was würde meine Traumfrau dazu sagen, wenn sie bemerkte, dass ich etwas bemerkte. Nun, ich bin so verliebt in meine Frau, dass ich in der Tat keine Geheimnisse vor ihr verberge. Das Ganze könnte man auch als Urvertrauen in unsere Liebe bezeichnen. Für mich gibt es keine andere Frau, mit der ich zusammen sein möchte. Trotzdem habe ich mir die jungen knackigen Pos angeschaut und ja, ich fand diese Mädchen wunderschön und ich fand es auch schön, dass sie sich mit ihren attraktiven Körpern nicht verstecken. Kurz darauf sprach ich meine Frau darauf an. Ich sagte ihr, dass es für mich als Mann sehr schwer sei als sexistisch zu gelten, wenn ich mich über schöne weibliche Körper und Körperpartien freue und gerne hinschaue. Sofort sagte sie zu mir, ob die zwei Mädchen mit den engen Jeans mich auf diese Gedanken gebracht hätten. Sie hatte beide junge Frauen sogar als Fahrerin bemerkt. Ich sagte ja, und dass ich irgendwie wütend bin, weil diese Gesellschaft mich in eine Richtung verurteilt, die ich so nicht zulassen und nachvollziehen kann. Ich muss meine Natur verleugnen, weil ich sonst als Schwein gelte. Viele Männer sind Schweine, aber ich glaube, dass die meisten Männer keine Schweine sind. Wenn Frauen schöne Männerkörper betrachten, sich von ihnen angezogen fühlen, dann ist das kein Verbrechen. Überall da draußen wird gezielt nach Aufmerksamkeit durch das Hervorheben von visuellen Reizen von einigen primären und vielen sekundären Geschlechtsmerkmalen gesucht. Gleichzeitig wird die Mehrheit pauschal verurteilt, wenn sie es wagt ein Blick zu werfen und entsprechende Assoziationen kognitiver und emotionaler Art zu empfinden. Das ist im Laufe der Evolution so entstanden und es hat sich nicht umsonst so ausgeprägt. Das alles zu leugnen ist schlichtweg schizophren. Ich finde das absolut inakzeptabel, verlogen und ehrlich gesagt krank. Damit züchten wir nicht nur unnötige Aggressionen und Entfremdung zwischen den Geschlechtern, sondern manövrieren uns in eine unlösbare Konfliktsituation. Wir stehen nicht zu dem was und wie wir sind, sondern versuchen durch seltsame moralisch-ethische Forderungen diese Ebene unseres Wesens zu verteufeln. So werden wir niemals reifen, geschweige denn lernen damit adäquat umzugehen.

Ich bin sehr erleichtert, denn meine Traumehefrau stimmt mit mir überein. Sie versteht mich, sagte sie zu mir. Sie weiß, dass ich nicht in fiesen Fantasien männlicher Perversität den Mädels an die Wäsche will. Ich bin kein notorischer Vergewaltiger oder notgeiler Mann, der seine Macht gegenüber den gesellschaftlich benachteiligten, ausgebeuteten Frauen ausleben will. Sie weiß auch, dass ich Frauen nicht auf ihren Körper reduziere und dabei ihre Seele abwerte und verleugne. Vor allem weiß sie in mir einen treuen und aufrichtigen Mann an ihrer Seite zu haben, der sie liebt und dem sie vertrauen kann. Vielleicht ist das das eigentliche Problem innerhalb der ganzen Genderdiskussion rund um Sexismus gegenüber Frauen. Beiden Geschlechtern fehlt es an Liebe, an gegenseitigem Verständnis und an Vertrauen. Warum fehlt es an diesen Eigenschaften? Weil es am Selbstwert mangelt. Bei den jungen Mädchen und jungen Männern darf es an Selbstwert mangeln, denn sie dürfen sich die Zeit nehmen, solches aufzubauen. Bei den vielen Frauen und Männer, die pauschal den Großteil der Männerwelt samt Gesellschaft als sexistisch verurteilen, ist es was anderes. Die sind voller Hass und Wut erfüllt. Sie verleugnen nicht nur unsere ureigene menschliche Natur, sondern versuchen eine perfide Welt aufzubauen, damit sie sich nicht mit sich selbst auseinandersetzten müssen. Sie glauben damit dem eigenen Schmerz, den erlebten Enttäuschungen und Kränkungen, die sie im Laufe ihres Lebens erlebt haben, entgehen zu können. Die Welt muss sich ändern, weil mir unrecht widerfahren ist! Das funktioniert nicht, ist zum Scheitern verurteilt. Ihnen rate ich andere Menschen weniger zu hassen, sich selbst weniger zu hassen, sich selbst zu verzeihen, weil sie sich nicht besser schützen und sich damit abzufinden, dass sie nicht fähig waren ein glückliches Leben führen zu können.

Ganz klar, es gibt natürlich Grenzen des Voyeurismus mit sexistischen Inhalten und absolut widerliche Verhaltensweisen. Als ich vor Kurzem über die Aussage von der bekannten Boulderin Jessica Piltz las, dass eine Kamera ihren Hinterteil in Großformat live zeigte und sie das als sexistisch verurteilte, war ich betroffen. Sie hat Recht, das darf nicht sein und ist eine Sauerei. Es gibt ganze Seiten mit Bildern von Frauen in Situationen, bei denen sie absolut sexistisch abgebildet wurden. Diese Schnappschüsse sind extrem grenzüberschreitend und verletzen die Intimsphäre alle betroffenen Frauen. Solche Bilder dürfen nicht öffentlich gezeigt werden, auch dann nicht, wenn ein Po oder andere Körperteile noch so sexy sind. Solche Bilder dürfen ohne die Erlaubnis der Betroffenen nicht gemacht werden. Das gilt auch bei Veranstaltungen, bei denen das Persönlichkeitsrecht außer Kraft gesetzt ist. Diese Aktionen sind wirklich nicht ok und gehören bestraft. Sexistischer geht es nicht, überleg ich mir. Doch, es geht viel schlimmer. Die Beach-Volleyballerinnen, die per Regelwerk vom Verband gezwungen werden, knappe Bikinis zu tragen, damit man ihnen bis zur Gebärmutter bei den sportlichen Aktionen hineinschauen kann. Da frage ich mich, wie so etwas möglich ist? Ich würde gerne den Verantwortlichen ein Tanga verpassen und diese öffentliche turnen lassen. Ich melde mich sofort als kostenloser Fotograf und verspreche extrem sexistische Bilder in höchster Auflösung mit hohem Peinlichkeitswert zu shooten. Frauen Beach-Volleyball ist ein perfektes Beispiel für die gesellschaftliche Verlogenheit in Punkto Sexismus. Im Profitennis ist es nicht besser. Die Französin Alizé Cornet hat ihr Oberteil  in der Öffentlichkeit in New York beim US-Open gewechselt. Darunter trug sie ein Sporttop, wie viele Läuferinnen währen Laufveranstaltungen tragen. Sie wurde vom Schiedsrichter verwarnt. Das ist ebenfalls hoch sexistisch. Wie krank und verkorkst wir doch sind. Männer dürfen immer das Oberteil wechseln.

Gerade so an der Grenze des Erlaubten. Längere Hosen sind beim Frauen Beachvolleyball ein Regelverstoß

Da mache ich aber keinen Unterschied zwischen einem Männer- oder einem Frauen Po. Hier würde ich sogar saftige gesetzliche Strafen für gerechtfertigt halten. Das Problem ist, dass viele sogenannte weibliche Influencerinnen in den sozialen Medien sich selbst so positionieren und entsprechend ablichten. Sie reduzieren sich „freiwillig“ zu körperbetonten Sexobjekten, die damit erfolgreich hohe öffentliche Aufmerksamkeit erlangen. Das zeigt mir, dass wir etwas falsch machen. Sind wir etwa sexuell versaut, verklemmt oder gar pervers? Ich glaube wir haben ein großes Problem Lust, Leidenschaft, Erfüllung, Liebe, Vertrauen zu einem glücklichen Leben zusammenzufügen.

Nun skaten wir schon eine ganze Stunde. Mir geht es besser, ich versuche meinen inneren Frieden wieder zu finden. Es war nichts falsches daran die Körper beider jungen Frauen zu bewundern. Wenn mich jemand jetzt genauer betrachten würde, würde er bemerken, dass sich ein Lächeln in mein Gesicht breitgemacht hat. Vor mir sehe ich meine Frau skaten. Sie ist megasexy – das macht mich glücklich. Ich sage es ihr immer wieder. Sie ist aber viel, viel mehr! Dann schweifen meine Gedanken zu den beiden Mädels. Ihnen wünsche ich liebevolle Partner, die sie verträumt anstarren, sich an ihnen niemals sattsehen und mit der Zeit ihre Wesen lieben lernen. Es fehlt an Glück auf dieser Menschenwelt. Die Fähigkeit unglücklich zu sein nimmt überhand. Das kommt daher, weil die eigene Unzufriedenheit aus einer persönlichen Unzulänglichkeit kontinuierlich genährt wird. Was meine ich damit, welche Unzulänglichkeit denn? Ganz einfach: Die Selbstverantwortung für das eigene Schicksal zu übernehmen. Das Glück muss man sich hart erarbeiten. Nur stänkern und Mitmenschen pauschal zu verurteilen, ist der falsche Lebensweg. Wir sollten versuchen bessere Vorbilder für unsere Nachkommen zu werden. Mit Frust kommen da nicht weiter.

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