Die Frage der Sprachgerechtigkeit

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Natürlich haben sich viele Menschen vor mir Gedanken über den Plural in der deutschen Sprache gemacht. Wenn lauter Männer Fußball spielen, dann sagt man „sie spielen Fußball“ und nicht „er spielen Fußball“. „Sie“ ist die weibliche Form. Der deutsche Sprachwissenschaftler André Meinunger wurde schwer kritisiert, weil er die These vertritt, dass das generische Maskulinum keine Ungerechtigkeit gegenüber Frauen darstelle, da „ihm“ im Plural ein generisches Femininum gegenüberstehe. Genau das habe ich mir auch gedacht und mich gefragt, ob das nicht schon längst kritisiert wurde. Also begab ich mich auf die Suche und siehe da, Meinungers Meinung wurde bereits mehrfach kritisiert.

Ich möchte hier nicht groß auf die Argumentation eingehen. Haupttenor ist, dass das Plural „sie“ zwar weiblich ist, aber die Funktion zu unterscheiden ist. Das bedeutet, dass weder das Pronomen sie noch der Artikel sie weilblich zu verstehen sind. Viele Begründungen rund um Personalpronomen und Artikeln im Deutschen werden angefügt, um zu beweisen, dass sie nicht grammatikalisch auf das Geschlecht hinweisen und daher nicht als solche verstanden werden dürfen. Es ist bei Sprachwissenschaftlern sogar das Plural „sie“ kein Femininum ist, sondern ein Homonym, habe ich erfahren. Und so streiten sich die Gelehrten in vielen Blogs und Foren. Da werden geschichtliche Argumente der Sprachentwicklung aufgeführt. Mir ist das alles zu blöd. Wenn ich mal aus Versehen eine frauenfeindliche Formulierung verwende, nicht korrekt gendere, dann werde ich sofort verurteilt. Mein Verstand ist nicht sexistisch oder frauenfeindlich. Wenn ich ein Satz formuliere, denke ich nicht darüber nach, ob ich jetzt mit meiner Wortwahl irgendjemand verletze, weil diese Frau oder dieser Mann oder gar bei einer diversen Person erst fragen muss wie ich sie/ihn oder sonst wie ansprechen darf. Für mich sind alle Geschlechter absolut gleichwertig. Meine erste Muttersprache ist Spanisch. Dort gibt es einen weiblichen und einen männlichen Plural. Das ist mir erst viel später aufgefallen. Deswegen hat das nicht die Wertigkeit von Frauen und Männern in meinem Denken und Fühlen beeinflusst. Vielmehr wurde ich durch die österreichische Sprache verunsichert. Das Teller, das Monat, der Butter, daran verzweifle ich wirklich.

Ich habe es schon oft gesagt und auch mehrfach angeregt. Die Sprache verändert den Menschen weniger als der Mensch die Sprache. Wir müssen uns intrinsisch verändern, unsere Werte, Überzeugungen und Handlungsweisen in Frage stellen. Der jetzige Genderwahn mitsamt allen damit verbundenen Hoffnungen und Glaubensbekenntnissen sind aus meiner Sicht für die Gleichberechtigung nutzlos. Es geht sogar soweit, dass alte Literatur, altes Gedankengut, alte Schriften verurteilt werden. Warum, frage ich mich? Meine Antwort ist fast trivial. Es geht um Schuldzuweisungen um das eigene Unvermögen für die Bewältigung von Verletzungen zu verbergen. Es geht auch um die Weigerung, Eigenverantwortung für das eigene Schicksal zu übernehmen. Die Sprache ist schuld, nicht ich, meine engsten Verwandten, meine Mutter, die mich und meine Geschwister in den stereotypischen Rollen erzogen hat, mein Vater der sich als Behüter der Mädchen aufgespielt hat und ein sexistisches Arschloch war. Ich fordere euch alle auf, tief in eure Seele zu blicken und euch zuzugestehen, dass ihr auch von Vorurteilen und festen Überzeugungen beseelt seid. Was erwartet ihr denn, dass eine Änderung Sprache euch von allem bösen erlöst und diese ungerechte Welt verändert? Soll die Frage der Sprachgerechtigkeit dazu beitragen unsere Welt vor der Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu befreien?  Das wird so nicht funktionieren, denn das führt zu mehr Spannung, zu mehr Aggression, zu weiterem Unverständnis und großer Verunsicherung. Eine neue Instrumentalisierung der Sprache, um Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu erzwingen setzt voraus, dass man automatisch davon ausgeht von der Sprache instrumentalisiert worden zu sein. Gewalt wird mit Gewalt bekämpft, das Prinzip von Auge um Auge, Zahn um Zahn hat selten eine Aussicht auf Erfolg gehabt. Wo bleibt die Eigenverantwortung? Die wird weit weg verbannt.

Wenn eine Mutter in unserer Zeit behauptet, dass Frauen nichts in der Politik verloren haben, dann ist die Betroffenheit ihrer Töchter verständlich. Jene Töchter sind von der Mutter erzogen und somit auch geprägt worden. Sie werden vielleicht durch die Äußerung der Mutter verletzt sein. Sie werden vielleicht verstehen, was ihre Mutter ihnen damit angetan hat und ihre Mutter dafür hassen. All das wird ihnen nicht weiterhelfen, wenn sie die Mutter beschuldigen, denn Mütter und Väter hatten ebenfalls Eltern. Verletzte Töchter sollten verzeihen, Eigenverantwortung beherzigen und ihr Leben mutig gestalten. Sie haben es in der Hand wieder Mütter zu werden. Der Junge ist nicht wertvoller als das Mädchen, das Mädchen muss nicht behüteter als der Junge aufwachsen, der Junge ist nicht besser in Mathe und Physik, das Mädchen ist nicht schwächer als der Junge, rosa ist keine typische Mädchenfarbe, auch Jungen dürfen mit Puppen spielen. Das alles wird die Sprache über kurz oder lang sicher verändern. Das was geändert werden muss, ist der Inhalt in der Sprache.

 

Schlusswort

Heute bin ich aufgewacht und ein Wunder ist über Nacht passiert. Ich wachte in einer Welt auf, bei der keine Menschenseele sich Gedanken über Unterschiede in der Sprache, der Hautfarbe, des Geschlechtes, der Orientierung, der Herkunft, des Status machten. Ich durfte sagen, du gefällst mir nicht, weil du zu dick oder zu dünn bist, zu hell oder zu bunt, deine Stimme zu laut ist. Ich durfte alles sagen, ich durfte sogar sagen, dass mir jemand gefällt, weil er über ganz bestimmte Attribute verfügt, sogar äußere Attribute. Niemand störte es, Niemand fühlte sich diskriminiert. Jeder und jede sagte alles was er oder sie sagen wollte. Niemand war deswegen wertvoller als der andere, jeder konnte sicher sein, dass sein Leben und seine Existenz gleichberechtigt waren. Dann wurde ich in die Realität zurückgeholt. Die Menschen verletzten sich gegenseitig unentwegt. Sie schaffen es nicht wirklich damit fertig zu werden. Ihre Liebe ist nicht stark genug, um Wunden heilen zu lassen. Sie versuchen es, immer und immer wieder. Dann, wenn sie keinen Ausweg mehr für sich erkennen, fallen sie in ihren alten Mustern zurück. Irgendetwas oder Irgendjemand muss die Schuld haben – nur ich nicht! So ist es auch bei der Sprache, sie soll es richten, was wir durch unser Unvermögen vermögen, denn wir sind nur die Opfer.

Warum soll die Tochter nicht der Mutter sagen, Mama das verletzt mich, wenn du alle Frauen so abwertest, weil du mich damit auch abwertest. Der Sohn soll dem Vater sagen, ich bin nicht sowie du es von mir erwartest. Ich finde es wichtig, dass wir uns äußern, Missstände benennen und dagegen ankämpfen. Frauenquoten sind wichtig, bis sie keine Rolle mehr spielen. Alte Seilschaften und Männerdomänen gehören beseitigt. Das gilt auf allen gesellschaftlichen Ebenen, wie z.B. im Sport. Verbände gehören gesäubert und Ungerechtigkeiten gegenüber Geschlechtergruppen abgeschafft. Das alles widert mich an, aber ganz ehrlich, fangen wir erstmals bei uns selbst an. Fordern wir bitte nicht Dinge, die wir selbst nicht auf die Reihe kriegen. Wir wissen genau wer und wo er/sie rassistisch äußert. Wir kennen genau die sexistischen Existenzen in unseren Gemeinschaften. Sprechen wir sie direkt an? Eher nicht, so meine Beobachtung. Viele fürchten sich vor den möglichen negativen Konsequenzen. Das ist schlichtweg feige. Damit nimmt man vieles in Kauf. Mein Wunder ist zum Alptraum geworden. Die Weltordnung der Menschen hat sich kaum geändert. Sie teilt sich immer noch in zwei Kategorien auf. Da gibt es die Herrscher und dann noch die Sklaven. Die Sprache allein, wird da kaum den notwendigen Aufstand erzeugen, da muss schon jede Sklavin und jeder Sklave aufstehen, sich nicht gegenseitig bekriegen, dafür die Herrscher zum Teufel jagen. Das gilt sowohl intrinsisch wie auch extrinsisch. Ich verstehe den Wunsch der Menschen nicht verletzt werden zu wollen. Worte können verletzen, doch deswegen mögliche Attributionen verallgemeinernd zu interpretieren und zu verbieten, wird die Verletzung weder mindern noch vermeiden. Es geht darum die Verletzung als Zeichen für einen Missstand  zu verstehen und als Anlass für eine Veränderung zu nutzen. Wenn du was ändern möchtest, dann fange bei dir an und pfusche nicht an der Sprache herum.

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