Die Versöhnung

Wir sollten nicht an den Krankheiten verzweifeln, die uns betreffen, sondern an der Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen. Also, wie wir mit uns selbst umgehen.

Es gibt viele kranke Menschen, die der Ansicht sind, dass die Welt erfahren sollte, was es bedeutet krank zu sein. Ich hatte beruflich sehr viel mit Menschen zu tun, die an chronischen und unheilbaren Erkrankungen gelitten haben. Da ich nun auch sehr krank bin, stelle ich mir ebenfalls diese Frage, ob ich über mein Leid berichten soll. Meine Antwort ist ein klares nein. Ich muss nicht die Welt für meine Krankheitsbewältigung missbrauchen. Ich muss mich nicht öffentlich beklagen, tiefe Einblicke in mein Alltag gewähren, um Anerkennung und Verständnis heischen. Lieber nutze ich die Zeit, um nachzudenken, mich weiterbilden und mein Leben sinnvoll zu gestalten. Meine Krankheit ist da. Sie begleitet mich und ist ein Teil von mir geworden. Ich lerne mit ihr umzugehen oder besser gesagt, ich lerne besser mit mir umzugehen.

Falls ein schwerkranker Mensch diese Zeilen lesen sollte, dann bitte ich darüber nachzudenken. Die narzisstische Kränkung einer ernsthaften Erkrankung löst man nicht durch die Veröffentlichung, sondern durch die Erkenntnis das man mit dem Leid und Schmerz alleine zurechtkommen muss. Darüberschreiben kann helfen, wenn man es für sich tut. Wenn man aber die Welt damit beglücken will, dann sollte man lieber eine Psychotherapie anstreben. Dafür ist es nie zu spät.

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

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