Die Welt ist gerecht, der Mensch nicht

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Prolog

Über 85 Millionen Menschen sterben weltweit pro Jahr.
Über 7 Millionen Menschen sterben weltweit pro Monat.
Über 1,6 Millionen Menschen sterben weltweit pro Woche.
Über 232.800 Menschen sterben weltweit pro Tag.

Die Überbevölkerung der Erde hat nicht unbedingt zur Folge, dass die Menschen sich näherkommen. Quelle: Wollmann, Zersplitterte Gewissheiten, Engelsdorfer Verlag 2009

 

Gerade komme ich vom einwöchigen Urlaub zurück. Mir kam wiederholt der Gedanke, dass die Welt ungerecht ist. In langen Wanderungen und Gesprächen mit meinen Lieben erkannte ich mein Irrtum. Die Welt ist durchaus gerecht, der Mensch jedoch nicht. Immer und immer wieder ärgere ich mich über uns Menschen. Wir haben so viel Potential, haben so viel entdeckt, erforscht erfahren und geschaffen. Trotzdem verhalten sich zu viele von uns wie echte Arschlöcher. Woran liegt das, warum schaffen wir es nicht wirklich eine gerechte Gemeinschaft zu erschaffen? Warum quälen wir uns gegenseitig, beschimpfen und bekriegen uns? Es gibt auf alles schlüssige Antworten. Angefangen von der notwendigen Abgrenzung zur Identitätsbildung usw. Wir können uns nur als Wir wahrnehmen, wenn wir andere als Andere definieren. Offensichtlich schaffen wir kaum eine gemeinsame solidarische soziale Realität zu verwirklichen. Das ist aber nur eine Facette und wäre aus meinem Verständnis überwindbar, also machbar.

Das Hauptproblem liegt in der eigenen Person, bzw. Persönlichkeit. Die meisten Menschen neigen zur Selbstzentriertheit und Ichbezogenheit. Sie instrumentalisieren ihre Mitmenschen, ihre Umwelt und alles was ihnen in die Quere kommt, um ja nicht die Verantwortung über ihr Leben übernehmen zu müssen. Die Möglichkeiten und die Mittel sich aus der Affäre der erlernten Unselbstständigkeit zu entziehen sind unendlich groß. Auch dafür gibt es viel Wissen. Allerdings nicht bei der Mehrheit der Menschen. Die meisten Menschen haben keine Ahnung, warum sie ihr Leben in den Sand setzen. Sie leben in einer Blase, gefüllt von scheinheiligen Überzeugungen und dem Glauben sie wüssten es besser als alle anderen Idioten. Und was ist mit denen die es wissen; können sie besser mit Eigenverantwortung für ihre Entwicklung aufwarten? Leider kaum.

Alles hochtrabendes Geschwafel vom Horstl, könnte man behaupten. Dann stelle ich hier eine ganz einfache Frage. Bist du in der Lage für alles, aber auch wirklich alles was in deinem Leben passiert ist, die volle Verantwortung zu übernehmen? Bist du fähig niemanden und nichts für alles, vor allem für schlimme Erlebnisse und Ereignisse, die dir in deinem Leben widerfahren sind, zu beschuldigen? Ich kenne ganz wenige Menschen, die dazu bereit sind oder waren. Es waren nicht immer Ausnahmemenschen, sondern oft sehr bescheidene Menschen. Das sind meine Helden und Vorbilder.

Beschuldigen, Verurteilen, Abwerten, Niedermachen, Bestrafen. Der moderne Mensch findet immer einen Weg sich selbst aufzuwerten, auch zu entschuldigen. Ich, ich, ich und nur ich. Zu dumm, so ein Leben ist per Definition ein psychisch krankes Leben; aber das darf man ja nicht offen sagen. Daher behaupte ich: ich versuche mein Bestes nicht ein krankes Leben zu führen. Ich fühle mich oft sehr einsam damit, aber das nehme ich gerne in Kauf. Es ist mein Problem und meine Verantwortung, dass ich nicht in der Lage bin, mehr Menschen zur Eigenverantwortung zu überzeugen. Also leide ich an der von mir erlebten Realität da draußen. Ich bin nicht fähig genug, andere Mitmenschen mitzureisen und für eine gerechtere Menschheit zu bewegen. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung. Weil ich das nicht schaffe, wird es Zeit auf mich besser aufzupassen, mich schonen und mein restliches Leben voller Freude zu gestalten. Das mag egoistisch klingen, ist es aber nicht.

Die bestürzende Erkenntnis
Diese mag unangenehm sein. Die Welt ist gerecht, der Mensch nicht. Der Durchschnittsmensch ist ungerecht, kein Genie, kein Vorbild. Das fördert die Ungerechtigkeit. Der Durchschnittsmensch leidet darunter durchschnittlich zu sein, wünscht sich mehr Beachtung und Lob. Er sucht nach Erfüllung und geht dabei in der Masse der Suchenden unter, denn die allermeisten suchen nach Erfüllung. Der Maßstab ist für den Durchschnittsmensch nicht erreichbar, denn er vergleicht sich nicht mit seinesgleichen, sondern mit der überlegenen Minderheit. Das Ergebnis dieses Vergleiches liegt auf der Hand. Schuldzuweisung pur – Narzissmus pur – und eine verfälschte Realität.

Die tröstende Erkenntnis
Übrigens, ab dem jetzigen Zeitpunkt wird die gesamte Weltbevölkerung von 7,67 Milliarden Menschen in ca. 90 Jahren komplett ausgetauscht sein. Vielleicht ist dann die neue Masse gerechter. Eines ist mir vollkommen klar – ich bin nicht so wichtig für diese Welt; dafür für ein paar wenige Menschen, die mich hoffentlich lieben. Darauf kommt es doch an.

Epilog
Aus den Schriften des römischen Redners und Staatsmann Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.), in seinem Werk: Vom höchsten Gut und vom größten Übel zitiert:

„Jedem das seine“

Mehr Gerechtigkeit gibt es nicht, auch dann nicht, wenn es mehrheitlich ungerechte Schicksale gibt. Nochmals: Mehr Gerechtigkeit gibt es nicht, auch dann nicht, wenn es mehrheitlich ungerechte Schicksale gibt. Das hängt ausschließlich mit dem Wesen der Menschen zusammen.

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