Du kannst und du darfst aufhören

Jeder kennt den Spruch „gib niemals auf“. Diese Lebensstrategie findet sich in den meisten Lebensbereichen als besonders wertvoll wieder. Wir verbinden Erfolg mit der „never give up“ Strategie, da viele Erfolgsgeschichten in heroischer Manier über den schweren, steinernen Weg berichten. Ich denke, es ist nicht die Regel für den garantierten Erfolg, es ist aber emotional wirkungsvoller auf diese Weise zu berichten. Wir lieben Attribute, die mit Kampfgeist, Überwindung, Anstrengung, Glaube, etc. assoziiert werden können und noch besser ist es, wenn wir nach langem mühsamem Kampf als Sieger, trotz widriger Lebensumstände, hervorgehen.

Ich gebe nicht grundsätzlich auf, aber ich höre mit vielen Dingen auf. Sei es, weil ich nicht weiterkomme, kein Interesse mehr habe oder einfach merke, dass ich mich verrannt habe. Ich muss weder der Welt noch mir beweisen, dass im Recht war, bin und sein werde. Das was ich anstrebe ist zu lernen und zu erfahren. Danach möchte ich handeln; kreativ, frei, vielleicht sogar unkonventionell! Ich bin sehr stolz, wenn ich es schaffe doch ab und zu „aufzugeben“. Ich behaupte, dass das Aufgeben nicht immer als Schwäche bewertet werden sollte, sondern als eine durchaus sinnvolle, zusätzliche Handlungsweise in Betracht gezogen werden sollte.

Selbstverständlich gibt es Situationen, bei denen man nicht aufgeben sollte. Wenn ich jemanden was verspreche, dann bemühe ich mich mein Versprechen zu halten, auch dann, wenn es mir sehr schwerfällt oder wahnsinnig anstrengend wird. Ein gutes Beispiel ist z.B. eine Staffel. Da würde ich kaum aufgeben, auch wenn ich mich weit über meine Grenzen belaste. Auch hier gilt das Prinzip der eigenen Gesundheit. Wenn mein Versprechen mir großen Schaden zufügt, dann darf ich aufgeben. Alles andere wäre falsches Heldentumgetue. Nichts ist idiotischer und sinnloser als diese Märtyrerromantik. Ich weiß, es gibt Kulturen und Völker die voll darauf stehen. Sollen sie, wenn sie wollen; ich finde das einfach affig und bescheuert.

Und dann reden wir noch bei Krankheiten so. Den Kampf gegen Krebs, z.B., ja nicht aufgeben, den Krebs besiegen. Hattet oder habt ihr Krebs, der euer Leben wirklich bedroht? Ich schon und eines möchte ich dazu sagen. Da geht es weder um Kampf noch um den bösen Gegner, den man besiegen muss. Nichts erscheint mir dümmer und perverser als eine lebensbedrohliche Krankheit mit „never give up“ in diesem Zusammenhang zu bringen. Hier geht es nur um Eines. Möchte ich mir alle Möglichkeiten, die es gibt, antun, um mein Leben zu verlängern, oder lieber nicht. Möchte ich daran glauben wieder gesund zu werden oder eher nicht. Hier geht es also um Entscheidungen und Glaube und ganz und gar nicht um Aufgeben!

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