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Ein Sommertag

 

Wenn dich deine Hausbank zur Weißglut bringt, dann frage dich, ob du da richtig bist

Es ist schon erstaunlich was so ein Sommertag alles mit sich bringt. Es soll heiß werden, sehr heiß. An solchen Tagen stehe ich früh auf, kurz vor sechs Uhr. So finde ich ausreichend Zeit, um mein Tag zu organisieren.

Heute habe ich eine Menge vor. Traumfrau hat bald Geburtstag, höchste Zeit mich um ihr Geburtstagsgeschenk zu kümmern. Ich werde ihr einen neuen Laptop schenken. Der Alte ist neun Jahre alt und funktioniert zwar noch einigermaßen zuverlässig, aber er entspricht nicht mehr so ganz dem Stand der Technik. Außerdem habe ich bereits zweimal die Batterie ausgetauscht, die Gebrauchsspuren sind unübersichtlich wie z.B. das Display, das ausschaut, als ob eine Horde Elefanten darüber gelaufen wären. Kein Wunder, der MacbookPro war schon überall auf der Welt dabei.

Nach mittellanger Recherche habe ich einen Nachfolger ausgewählt. Apple ist nicht gerade günstig, da muss man schon ziemlich tief in die Tasche greifen, wenn man was Gescheites haben will. Voller Elan marschiere ich zum MacShark-Laden. Das Modell war sogar da. Ich wollte, wie ich es schon immer gemacht habe, per Überweisung den Betrag einzahlen. Die nette Verkäuferin belehrte mich, dass diese Zahlweise nicht mehr geht. Gut, oder eher schlecht, denn meine Kreditkarte habe ich bewusst auf € 2.000 begrenzt. Also beschloss ich zur Bank zu marschieren und das Geld bar abzuheben. Wir haben einen Firmenkonto und natürlich wollte ich den Laptop auf die Firma als Investition aufführen um die Vorsteuerabzugsfähigkeit nutzen. Normalerweise besuche ich keine Bank, die Zeiten sind ja vorbei. Daher ist es logisch, dass ich bei der Bank nicht bekannt bin. Als vor einigen Jahren Traumfrau und ich das Konto eröffneten, war es das erste und letzte Mal, dass ich die Filiale betrat. Ich trat also ein, ging direkt zu einem Schalter und brachte mein Anliegen vor. Dann kam der Hammer. Ich erfuhr, dass ich keine Zeichnungsberechtigung für unser Konto habe. Ich kam mir so richtig bescheuert vor. Ich habe als Gesellschafter keine Berechtigung für mein Firmenkonto? Ich bat die Dame nochmals nachzuschauen, sagte ihr, dass ich einen Onlinezugang zum Konto habe, bot ihr an es ihr zu beweisen. Ich wollte ihr mein Personalausweis vorlegen, dass sie auch nicht sehen wollte. Ich bat nochmals genau nachzuschauen und zeigte ihr mein Onlinezugriff. Wie kann es sein, dass ich Kontoberechtigung am Handy habe, aber sonst nicht, fragte ich. Sie hob nur die Schultern und sagte „das weiß ich nicht“. Es half nichts, sie zeigte mir ein Dokument, bei dem nur meine Traumfrau als Zeichnungsberechtigt aufgeführt war. Ich war so verwirrt, dass ich nicht richtig denken konnte. Normalerweise hätte ich sofort den Vorgesetzten verlangt, um die Sache zu klären. Stattdessen ging ich frustriert und beschämt aus der Bank und rief meine Traumfrau an. Die konnte es auch nicht glauben und rief die Bank an. Als ich stinksauer nach Hause kam, sagte sie mir, sie habe alles geklärt, natürlich bin ich zeichnungsberechtigt und die Dame am Schalter hätte nicht richtig nachgeschaut.

Stinksauer machte ich mich sofort auf dem Weg zur Bank. Als mich die Dame am Schalter entdeckte, sah sie nich sehr erfreut aus. An meinem Gesichtsausdruck las sie wohl ab, dass es Ärger geben würde. Zugegeben, ich war nicht gerade freundlich zu ihr. Es kam aber von ihr keinerlei Entschuldigung, sondern nur eine billige Rechtfertigung, dass sie nichts dafür könne, wenn die da drüben von den Büros ihr nicht die richtigen Unterlagen auf ihr System laden würden, sie könne ja nicht bei jedem Kunden tausende von Dokumenten überprüfen. Jetzt wurde ich erst recht so richtig sauer. Ich sagte ihr, dass mich ihre Internas einen feuchten Dreck interessieren, wenn solche Schlampereien passieren, dann solle sie sich bei Ihren Vorgesetzten beschweren, ich als Kunde will einfach ein Mindestmaß an professioneller Betreuung haben. Es sei eine Schande, dass ein Gesellschafter, der persönlich ein Konto bei der Bank eröffnet habe, von just jener Bank damit konfrontiert wird, dass er keine Zeichnungsberechtigung habe. Den Gipfel setzte die Dame noch, indem sie behauptete, es sei ja für meinen eigenen Schutz, denn da kann jeder daherkommen und behaupten er sei berechtigt. Ich sagte soso, Sie verlangten keinen gültigen Lichtbildausweis von mir, Sie sahen mich am Kontonahmen „Zuschmann und von Bohlen OG“ und sie interessierten sich nicht für meine gültige Onlineberechtigung zu exakt diesem Konto, sie haben mich sauber abgewimmelt – was hat das mit Schutz zu tun?
Mir war es leid weiter zu diskutieren. Ich verlange endlich nach meinem Geld, dass ich großzügigerweise auch bekam. Was für ein Glück. Als Wiedergutmachung reichte mir die Dame noch eine Merci-Schokolade – sehr zuvorkommend! Ich weiß nicht ob es Sinn macht sich bei der Bank zu beschweren, ich denke eher nicht. Es zeigt eher ein Bild der gesamten Organisation, dass da einiges nicht stimmt. Das soll aber nicht mein Problem sein. Noch so ein Patzer und die Bank ist mich als Kunde endgültig los.

Danach kaufte ich das Geburtstagsgeschenk für meine Traumfrau. Ich zahlte in Bar. Ehrlich, es war schon eine Odyssee, bis ich das Teil erwerben konnte. Das ganze Theater hat mich fast einen ganzen Vormittag und jede Menge Nerven gekostet. Dafür war dann das Aufsetzten des neuen Laptops ein Kinderspiel. Schon cool, wie einfach Das Spiegeln eines alten Rechners auf einen Neuen geworden ist. Ich kann mich erinnern, dass ich vor gut 25 Jahren dafür extrem lange gebraucht habe. Dafür war die Frage des Geldes kein Problem. Ich ging zur Bank, wurde sofort erkannt, weil ich vielleicht Geschäftsführer von zwei Kliniken war, höflich begrüßt und bekam mein Geld ohne Probleme ausgezahlt. War deswegen früher alles besser, habe ich mich gefragt? Ich glaube nicht – es war anders; ja, aber die Welt ändert sich, weil wir sie verändert haben.

Wichtig ist, dass meine Traumfrau jetzt einen megageilen Laptop hat, der es ihr ermöglicht hunderte von Fenstern zu öffnen, ohne dass er den Platten macht und die Batterie lange ohne nachladen durchhält. Dass er auch noch gut zwanzigmal leistungsfähiger ist, wird sie kaum merken. Aber das ist nicht weiter tragisch, Hauptsache sie kann damit besser arbeiten. Ich finde es sehr spannend. Mich ärgern unfähige Menschen, wie die Bankangestellte sehr. Meine Traumfrau ärgert sich dafür viel mehr, wenn was an ihrem Rechner nicht so geht, wie sie es erwartet. Wie auch immer, ich habe mich beruhigt und beschlossen das nächste Mal mich souveräner bei solchen Alltagslappalien zu verhalten. Ein Sommertag ist ein schönes Geschenk und viel zu schade um sich über die Inkompetenz anderer Menschen zu ärgern. Ich denke, diesen Menschen geht es schlecht – aber das ist nicht mehr mein Problem.

Prolog

Ich habe einen Anruf von der Leitung der Bank bekommen. Der Filialleiter hat sich bei mir entschuldigt und mir erklärt, dass was geschehen sehr bedauerlich sei. Das fand ich vorbildhaft. Ich denke es wird der Bank helfen Schwachstellen anzugehen. Oft kommen Situationen zustande, auf die man nicht vorbereitet ist und das System überfordern. Fehler machen ist nichts negatives, sondern im Gegenteil eine große Chance zur Qualitätsverbesserung. Ich hatte das Gefühl, dass die Bankleitung daran interessiert ist sich dahingehend zu bewegen.

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