Eine Erinnerung

Wer kennt dieses Gefühl nicht. Eine Erinnerung, die zeitlich weit weg ist und doch sehr nahe. Ich kann mich an oder Sequenz, an jeder Regung, das Licht und die Geräusche erinnern. Ganz besonders an die Gerüche. Wie lange ist es her, 49 Jahre oder so ähnlich?

Ich hatte unseren Klassenlehrer geärgert und der stellte mich vor die Türe. Das geschah schon ab und zu. Dummerweise kam der Rektor, der recht streng und furchteinflößend auf mich wirkte, den Gang entlang. Natürlich bemerkte er mich und steuerte auf mich zu. Er fragte was denn los sei, ob ich etwas aus dem Klassenzimmer rausgeflogen sei. Ich antwortete, nein, wir machen bloß ein Ratespiel und ich soll draußen warten. Darauf antwortete er, aha – und ging des Weges.

Warum ich mich so an diese Szene erinnere ist mir ein Rätsel. Oder vielleicht doch nicht? Der Rektor hieß Walter Brunner und seine Tochter, die Barbara, ging später mit mir in dieselbe Klasse. An Barbara kann ich mich sehr gut erinnern. Ich denke sie an mich nicht mehr so. Ich war ein auffällig dünnes Kerlchen. Mein Innenleben war voller Fantasien und Träumereien. Zu sensibel, zu empfindsam und zu verletzbar. Da blieb mir das Beobachten, das Lernen und Verstehen meiner Mitmenschen war meine Art zu Bewältigen. Berühren hätte ich mich niemals getraut. Ab und zu habe ich dann doch was Kleines von mir gegeben. Aber ich konnte gut träumen und lernen.

Das was mir geblieben ist, sind diese Erinnerungen, voller Kraft und Leidenschaft. Danke an Herrn Walter Brunner, danke an Barbara und vielen anderen mehr. Ich möchte euch alle nicht missen – auch wenn ich unbemerkt vergessen wurde.  Das was jetzt ist, ist Wirklichkeit, vielleicht habe ich nur alles geträumt. Aber ich bin unendlich dankbar, denn ich habe, was überwältigenden Gefühlen und Intensität anbelangt, nichts im Leben versäumt.

Und so begleiten mich tausend Geschichten von Liebe und Peinlichkeiten, von Leidenschaft und Scham. Ein Gruß an allen Weggefährten und ein herzliches Dankeschön

Eurer Horst

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