Feste Überzeugungen und Erste Hilfe Kurs

 

Es ist unsagbar frustrierend, wenn du mit der Realität konfrontiert wirst. Ich war mit 16 TeilnehmerInnen bei einem Erste-Hilfe-Kurs. Diesmal war ich nicht wie sonst in der Rolle als Vortragender, sondern als braver Zuhörer. Worum ging es eigentlich? Ach ja, es ging um Ersthelfermaßnahmen bei Unfällen, weil ich eine Auffrischung haben wollte. Was habe ich gelernt?

Über Radfahrer

  • Es ist eine Frechheit, dass Rennradfahrer auf der Straße Fahren, obwohl ein Radweg vorhanden ist.
  • Die fahren teilweise nebeneinander auf der Strasse und behindern die Autofahrer.
  • Da gehen die Leut ohne zu gucken übern Zebrastreifen und wenn was passiert wird man als Autofahrer bestraft.
  • Da wirst teilweise von Radfahrern blöd angemacht, dabei dürfen sie nicht am Gehweg fahren (war eine Stelle, die für Radfahrer zugelassen war)

Andere Sprüche

  • Da werden Defis geklaut und wo landen die, im Osten natürlich.
  • Da hat einer mir die Vorfahrt genommen, der war ein Slowene…
  • Ist ja gut das die da drüben damit Leben retten, aber net mit unserem österreichischen Geld.
  • Ist mir egal ob es gesetzlich richtig ist, ich tu es sicher so weiter.
  • Ja da ist der an die Falsche geraten, dem hab ichs gezeigt.

Die derbsten Sprüche gebe ich hier nicht wieder, weil es nicht nur rassistisch, sondern auch zutiefst beleidigend wäre. Was mich so sehr bestürzt sind die Erkenntnisse, die ich gewonnen habe.

Wenn die vortragende Person ihre Veranstaltung, um ihre politische und antisoziale Gesinnung Kund zu tun missbraucht, dann fühlen sich die Mehrheit der TeilnehmerInnen aufgefordert es ihr nachzuahmen. Es entsteht eine unerträgliche Dynamik, bei der normale Menschen ihr wahres Gesicht zeigen. Das was ich dort gesehen und gehört habe, macht mir ANGST! Feste Überzeugungen, feste Ansichten, spürbarer Hass, latente Aggression und rechthaberisches Auftreten verhindern jegliche Einsicht. ES GIBT NUR MEIN RECHT, MEINE WAHRHEIT UND MEINE ÜBERZEUGUNG. Seit Jahren versuche ich meine Mitmenschen zu ermuntern ihre Ansichten zu hinterfragen und darüber nachzudenken. Was ich gestern erlebt habe, macht mich fertig. Normalerweise spreche ich offensichtlich nicht mit normalen Menschen, denn ich kenne dieses Verhalten nur sehr vereinzelt unter meinen Bekannten. Nein, ich bin kein elitäres, eingebildetes Arschloch, dass sich auf seine intellektuelle Überlegenheit beruft, um normale Menschen abzuwerten. Ich bin nur ein besorgter Mitbürger, der sich große Sorgen um die Menschheit macht. Ich frage mich, was ist mit uns los, dass wir so festgefahren sind und alles Mögliche tun, um unglücklich zu werden? Was bewegt uns Hass und Wut in Vorurteile und feste Überzeugungen zu übertragen? Warum machen wir uns unentwegt was vor? Ich sage es euch. Weil wir eine Heidenangst haben, im Leben zu versagen. Leider bin ich noch zu feige, um in diesen Situationen aufzustehen und zu intervenieren. Aber zumindest habe ich nachgedacht, wie so eine Intervention aussehen könnte, nämlich…

„hallo alle zusammen. Ich bin hergekommen, um etwas über Erstehilfemaßnahmen zu lernen. Ich brauche jetzt eure Hilfe. Ich habe viel von euch erfahren. Was euch ärgert, über den Osten der unsere Defis klaut, über Slowenen, Ungarn und Deutsche die hierher kommen und unsere Rettung gefährden, über Radfahrer, die unsere Autofahrer unberechtigterweise zu Verbrecher werden lassen und vieles mehr. Ich möchte euch auch etwas erzählen. Bald werden fünf von uns sterben, davon bin ich überzeugt. Fragt mich nicht wen es treffen wird, denn das weiß ich nicht. Ich weiß nur, es wird bald geschehen. Ich werde mir Gedanken machen, ob es mich unter diesen Umständen noch stört, wenn Defis im Osten Leben retten und uns Geld kostet. Ich werde mich auch fragen ob es so wichtig ist, wenn Radfahrer auf der Straße fahren und mich als Autofahrer behindern und ich werde mich fragen, ob ich mich weiterhin über so viele Dinge in meinem Leben ärgern möchte. Ich werde versuchen mein Leben zu genießen, Freude und Spaß zu erleben, mich gegenüber meinen Freunden und meiner Familie zu öffnen. Wenn ein Fremder mir die Vorfahrt nimmt, ein Kind oder ein Erwachsener ein Zebrastreifen überquert, dann werde ich bremsen und grüßen. Ach ja, und ich werde ein Kurs für Erstehilfemaßnahmen besuchen. Dort möchte ich lernen, wie ich Menschen in Not helfen kann. Egal woher sie kommen, was sie für eine politische Gesinnung haben, oder ob sie Fahrradfahrer hassen. Zum Schluss werde ich euch bitten, dass ihr über meine Worte nachdenkt. Danke“

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